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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anklage gegen Waffenhändler im Mordfall Lübcke

Beerdigung von Walter Lübcke

Die juristische Aufarbeitung des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke geht weiter. In Nordrhein-Westfalen ist Anklage gegen einen Flohmarkthändler erhoben worden, der dem Attentäter Stephan Ernst die spätere Tatwaffe verkauft haben soll.

Im Zusammenhang mit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist eine weitere Anklage erhoben worden. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf am Dienstag mitteilte, werden dem 65-jährigen Elmar J. aus dem Kreis Höxter in Ostwestfalen fahrlässige Tötung und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Elmar J. steht im Verdacht, dem geständigen Lübcke-Attentäter Stephan Ernst die Pistole verkauft zu haben, mit der dieser Walter Lübcke in der Nacht auf den 2. Juni 2019 in Wolfhagen-Istha (Kassel) erschoss.

Ursprünglich Beihilfe vorgeworfen

Im Prozess gegen Stephan Ernst und den Mitangeklagten Markus H. war Elmar J. mehrfach Thema gewesen. Laut Aussage von Stephan Ernst soll J. neben seiner offiziellen Erwerbstätigkeit als Trödel- und Flohmarkthändler auch in nicht unerheblichem Ausmaß mit Waffen und Munition gehandelt haben. Zu dem Mitangeklagten Markus H. soll J. eine langjährige Geschäftsbeziehung unterhalten haben. Im Jahre 2016 will Ernst schließlich von ihm den Revolver der Marke Rossi erworben haben, mit dem er Walter Lübcke erschoss.

Nach dem Mord an Lübcke war gegen Elmar J. zunächst wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ermittelt worden. Bis Anfang 2020 saß er in Untersuchungshaft. Inzwischen befindet sich der mutmaßliche Waffenhändler wieder auf freiem Fuß. Ihm sei nicht nachzuweisen, dass er zum Zeitpunkt des Verkaufs der Waffe an Ernst von dessen Mordabsicht gewusst habe, hieß es zur Begründung.

Neben dem Verkauf der Tatwaffe wirft die Generalstaatsanwaltschaft J. den illegalen Besitz von Munition unterschiedlicher Kaliber und Fabrikate vor. Über die Zulassung der Klage muss nun das Landgericht Paderborn entscheiden.

Lebenslang für den Hauptangeklagten

Der Mord an Walter Lübcke war in einem gut sieben Monate dauernden Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt aufgearbeitet worden. Im Januar 2021 wurde der Haupttäter Stephan Ernst wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Ernst hatte gestanden, Lübcke aufgrund dessen liberaler Haltung zur Flüchtlinsgpolitik getötet zu haben.

Der Mitangeklagte Markus H. wurde vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord freigesprochen, jedoch wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sowohl die Angeklagten als auch die Bundesanwaltschaft sowie die Nebenkläger im Verfahren haben gegen das Urteil Revision eingelegt.

Sendung: hr3, 04.05.2021, 16.30 Uhr.