Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal und berät sich mit seinen Anwälten.

Verräterische Kamera-Aufnahmen in der eigenen Küche haben einen 38-Jährigen offenbar dazu verleitet, einen engen Freund zu erschießen. Er vermutete ein Verhältnis des Opfers mit seiner Ehefrau, wie er vor dem Landgericht Fulda erklärte.

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Audioseite Geständnis bei Mordprozess in Fulda

Angeklagter in Gerichtssaal
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Zum Auftakt des Fuldaer Mordprozesses um einen Kopfschuss aus Eifersucht schwieg der Angeklagte noch. Nun hat er ausgepackt: Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht hat der Mann die Tat eingeräumt. Der 38-Jährige aus Dorsten (Nordrhein-Westfalen) ließ am Donnerstag durch einen seiner drei Verteidiger ein umfassendes Geständnis mit intimen Details verlesen.

Nach Angaben des Angeklagten habe das spätere Opfer - ein enger Freund des 38-Jährigen - seiner Frau Avancen gemacht und sie unter Druck gesetzt, sich von ihm zu trennen. Deshalb sei er nach Fulda gefahren, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei fielen am frühen Morgen des 15. Februars im Stadtteil Neuenberg auf offener Straße die tödlichen Schüsse. Nach seiner Flucht wurde er von Spezialeinsatzkräften der Polizei auf einer Autobahn-Ausfahrt in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Die Anklage lautet auf heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen.

Anklage: "Schwerwiegende Ehrverletzung"

Der Angeklagte soll gemäß der Anklage seit knapp einem Jahr vor der Tat davon ausgegangen sein, dass seine Frau eine außereheliche Beziehung mit dem befreundeten 41-Jährigen geführt hat. Dies habe er als "schwerwiegende Ehrverletzung" empfunden. "Aufgrund seines Rollenverständnisses und seines daraus resultierenden Herrschaftsanspruches über seine Familie" soll er sich als berechtigt angesehen haben, den Mann deswegen zu töten, wie Oberstaatsanwältin Christine Seban in der Anklage erläuterte.

Beide Männer, jeweils fünffache Familienväter, stammen aus Syrien. Sie kannten sich bereits aus ihrer Heimat und der gemeinsamen Flucht im Jahr 2015 über die Türkei nach Deutschland. Das fast brüderliche Verhältnis zwischen den Männern bekam aber Risse. Um Erkenntnisse zur Beziehung seiner Frau zu seinem Freund zu gewinnen, installierte er vor einem Besuch der Fuldaer Familie im März 2020 eine Kamera in seiner Küche in Dorsten.

Auf den Aufnahmen sei ein Dialog zu sehen. Der 41-Jährige habe zur Frau seines Freundes gesagt: "Du hast dich aber hübsch gemacht. Ich liebe dich!" Sie erwiderte darauf: "Lass mich in Ruhe!" Als es im Februar dieses Jahres zu einer weiteren Kontaktaufnahme des Mannes zu seiner Frau gekommen sei, sei er mit einer Pistole nach Fulda gefahren.

Affekt oder geplante Tat?

Am Morgen der Tat habe er seinen Landsmann aber nicht töten wollen, versicherte der Angeklagte. Er habe ihn zur Rede stellen wollen, als er aus dem Haus kam und mit dem Auto zur Arbeit fahren wollte. Der Fuldaer habe ihm gedroht ("Verschwinde, bevor ich dich mit dem Auto umfahre") und provoziert ("Du solltest erstmal lernen, mit der Waffe umzugehen"). Daraufhin habe er die Kontrolle verloren und geschossen, ohne hinzusehen, wie er sagte. Drei Schüsse durchschlugen die Autoscheibe. Eine Kugel davon traf den 41-Jährigen in den Kopf.

Die Staatsanwaltschaft glaubt nicht an eine Tat im Affekt. Um die Tötung umzusetzen, sei der Angeklagte planvoll vorgegangen, erklärte Oberstaatsanwältin Seban. Der Mann sei am Vorabend der Tat nach Fulda gefahren. Vorher habe er seinen Wagen mit gefälschten Kennzeichen ausgestattet. Dann sei er zum Wohnhaus des späteren Opfers und habe die Umgebung ausgekundschaftet, bevor er am nächsten Morgen seine Tat vollendete.

Mitte Dezember soll ein Urteil gesprochen werden. Bis dahin sind noch zehn Verhandlungstage vorgesehen.

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