Angeklagter in Gerichtssaal

Ein erschossener Mann wird im Februar in seinem Auto in Fulda gefunden. Er soll von einem ehemaligen Freund mit einem Kopfschuss ermordet worden sein. Mutmaßliches Motiv: Eifersucht. Nun wird der Fall vor Gericht verhandelt.

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Audioseite Mordprozess in Fulda gestartet

Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal und berät sich mit seinen Anwälten.
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Mit einem Kopfschuss durch die geschlossene Autoscheibe soll ein Mann in Fulda seinen angeblichen Nebenbuhler aus Eifersucht ermordet haben. Seit Dienstag wird dem 38 Jahre alten Angeklagten der Prozess vor dem Landgericht Fulda gemacht. Drei Rechtsanwälte verteidigen ihn.

Der Angeklagte äußerte sich zum Auftakt nicht zu den Vorwürfen. Ob er im Prozessverlauf sein Schweigen brechen wird, ließen seine Anwälte auf Nachfrage offen. Bei den elf folgenden Verhandlungstagen sollen bis Mitte Dezember rund 60 Zeugen gehört werden.

Anklage: Heimtückische Tat

Dem 38-Jährigen aus Dorsten (Nordrhein-Westfalen) wird vorgeworfen, seinen damaligen 41 Jahre alten Freund am 15. Februar an dessen Wohnort in Fulda-Neuenberg heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben.

Das Mord-Motiv laut Anklage: Eifersucht wegen einer Affäre. Beide Männer stammen aus Syrien, kannten sich bereits aus ihrer Heimat und sind mehrfache Familienväter.

Spurensicherung im Einsatz nach Tötungsdelikt in Fulda

Der Angeklagte soll gemäß der Anklage seit knapp einem Jahr davon ausgegangen sein, dass der 41-Jährige eine außereheliche Beziehung mit seiner Ehefrau geführt hat. Dies habe er als "schwerwiegende Ehrverletzung" empfunden.

"Aufgrund seines Rollenverständnisses und seines daraus resultierenden Herrschaftsanspruches über seine Familie" soll er sich als berechtigt angesehen haben, den Mann deswegen zu töten, wie Oberstaatsanwältin Christine Seban in der Anklage erläuterte. Ihren Worten zufolge soll dem mutmaßlichen Täter auch ein Beweisvideo vorgelegen haben, das den Ehebruch dokumentiert.

Um die Tötung umzusetzen, sei der Angeklagte planvoll vorgegangen, erklärte Seban. Der Mann sei am Vorabend der Tat nach Fulda gefahren und habe seinen Wagen dafür mit gefälschten Kennzeichen ausgestattet. Dann sei er zum Wohnhaus des späteren Opfers und habe die Umgebung ausgekundschaftet.

Drittes Projektil traf ins Gesicht

Am nächsten Morgen habe er in aller Frühe auf sein Opfer gewartet. Als der fünffache Familienvater in sein Auto gestiegen war, um zur Arbeit in eine Backstube zu fahren, fielen die Schüsse.

Dreimal feuerte der Schütze durch die geschlossene Scheibe des Wagens auf das angeschnallte Opfer, zwei Schüsse verfehlten den Mann, das dritte Projektil traf ins Gesicht - tödlich. Der Angeklagte habe dabei die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt, befand Seban.

Festnahme im Mordfall Fulda-Neuenberg

Nach den tödlichen Schüssen dauerte es nicht lange, bis der mutmaßliche Täter gefasst wurde. Eine Zeugenaussage brachte die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen. Und die schlugen nur einen Tag später spektakulär zu:

Ein Fahrzeug eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei rammte und stoppte den Wagen des Mannes an einer Ausfahrt der Autobahn 31 in Dorsten. Der Prozess wird am 21. Oktober fortgesetzt.

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