Feuerwehr-Auto auf Straße

Zwei junge Feuerwehrleute stehen wegen mehrfachen Mordversuchs, Körperverletzung und Brandstiftung vor Gericht. Zum Prozessauftakt erklärten sie, warum sie das Feuer in einem Offenbacher Hochhaus gelegt hatten.

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zum hr-fernsehen.de Video Versuchter Mord: Feuerwehrmänner sollen mehrere schwere Brände in Offenbach gelegt haben!

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Die 21 und 22 Jahre alten ehemaligen Feuerwehrleute räumten am Donnerstag vor dem Landgericht Darmstadt ein, Ende Oktober vergangenen Jahres mit Grillanzündern einen Kellerbrand in einem achtstöckigen Wohnhaus in Offenbach-Bürgel gelegt und 100.000 Euro Schaden verursacht zu haben.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist Brandstiftung ein gemeingefährliches Mittel und ein Mordmerkmal. Sie wirft den jungen Männern daher Mordversuch an 43 Bewohnern vor. Vier Bewohner wurden leicht verletzt.

"Wollten als Helden dastehen"

"Wir beide wollten als Helden dastehen", sagte der jüngere Angeklagte, der zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender war. Deshalb wird das Verfahren vor einer Jugendkammer verhandelt.

Beide waren aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sie waren für Einsätze mit Atemschutz ausgebildet und somit für den Angriffstrupp bei Bränden qualifiziert. Beide Angeklagte waren schon in der Jugendfeuerwehr aktiv. "Eigentlich wollte ich eine Ausbildung bei der Feuerwehr machen", sagte der 22-Jährige: "Aber das kann ich jetzt wohl vergessen."

Angeklagter lebte selbst im Hochhaus

Der 21 Jahre alte Angeklagte, Vater einer kleinen Tochter, lebt von seinem Kind und der Mutter getrennt. Er wohnte mit seiner eigenen Mutter in dem achtstöckigen Hochhaus.

Die Brandstiftung stand schnell fest. Die Polizei verdächtigte den 21-Jährigen schon länger, Gartenhütten angezündet zu haben. Aus diesem Grund wurde die Eingangstür seines Wohnhauses mit Video überwacht. Auf Aufnahmen aus der Tatnacht sah man die beiden jungen Männer, wie sie ins Haus hineingehen, wieder herauskommen und wie drei Minuten nach ihrem Verschwinden Rauch aus einem Kellerfenster kommt.

Feuerwehr: Kellerbrand hoch gefährlich

Beide Angeklagte wurden gleich nach der Tat festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Dass die Angeklagten ausgerechnet im Keller des Wohnhauses von einem von ihnen Feuer legten, erklärte dieser damit, dass er den Keller kenne und wisse, dass es eine Brandschutztür und Rauchmelder gibt.

Ein Oberlöschmeister der Freiwilligen Feuerwehr sagte aus, dass ein Kellerbrand einer der gefährlichsten Brände sei und dass man das in der Ausbildung lerne. Der Prozess wird im Juli fortgesetzt.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 18.06.2020, 18.00 Uhr