Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kommandanten der Terrororganisation Islamischer Staat begonnen. Am ersten Verhandlungstag schwieg der 33-Jährige.

Ein mutmaßlicher früherer Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) muss sich seit Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt verantworten. Die Liste der Vorwürfe gegen den Syrer ist lang.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found IS-Kämpfer in Frankfurt angeklagt

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So habe der 33 Jahre alte Mann im syrischen Bürgerkrieg als sogenannter "Emir" eine IS-Einheit von mindestens 20 Mann kommandiert und mit ihr an Kampfhandlungen teilgenommen, teilte die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft am Montag mit.

Der Umgang mit Waffen soll dem heute 33 Jahre alten Mann bereits gut vertraut gewesen sein, als er sich laut Anklage 2013 dem IS anschloss. Schon seit 2011 soll er im syrischen Bürgerkrieg in verschiedenen Rebellengruppen gegen die Regierung gekämpft haben.

Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung

Außerdem soll er in der Stadt Rakka zeitweise Befehlshaber in mindestens einem Stadtviertel gewesen sein, soll zwei Geiseln genommen haben und auch mit sogenannten religionspolizeilichen Aufgaben die Einhaltung der Scharia, des islamischen Rechts, durch die Zivilbevölkerung überwacht haben. Verstöße, die er an seine Befehlshaber gemeldet habe, hätten zu Bestrafungen der Betroffenen geführt, heißt es von der Generalstaatsanwaltschaft. Dabei sei es auch zu Hinrichtungen gekommen.

Die Anklage der Behörde gegen den Mann lautet auf Verdacht der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Das Oberlandesgericht setzte für den Prozess zunächst 13 Verhandlungstermine bis Ende März an.

Angeklagter schweigt

Am ersten Verhandlungstag schwieg der Angekagte. Dabei wirkt es zunächst, als denke er über die Argumente des Vorsitzenden Richters des OLG Staatsschutzsenats nach: "Nach meinem Dafürhalten - und ich mache das schon ein paar Jahre - ist es die beste Verteidigung, seine Schuld freimütig zu bekennen", versucht der Richter ihn zu überzeugen.

Nach einem längeren Gespräch mit den Verteidigern ließ der 33-Jährige dann aber doch über seine Anwälte erklären, dass er "zunächst" keine Angaben zur Person und zur Sache machen wird.

Festnahme in Kassel

Den Angaben zufolge war der Syrer vor vier Jahren erstmals als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Im November 2018 nahmen ihn Spezialkräfte der Polizei in Kassel fest. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Der Flüchtlingsstatus wurde ihm später wieder aberkannt.

Sendung: hr1, 6.01.2020, 14.00 Uhr