"Sie hat einfach jedem blind vertraut": Susannas Mutter Diana Feldmann
"Sie hat einfach jedem blind vertraut": Susannas Mutter Diana Feldmann Bild © swr

Im Fall Susanna beginnt kommende Woche der Prozess gegen Ali B. Nun hat sich die Mutter des Opfers erstmals öffentlich geäußert. Sie habe ihre Tochter oft gewarnt, erzählte sie in einem Interview.

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Wenige Tage vor dem Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Mörder von Susanna gab deren Mutter Diana Feldmann dem Südwestrundfunk (SWR) erstmals ein Interview, in dem sie sich unter anderem zum Umfeld ihrer 14 Jahre alten Tochter äußerte. Susanna habe sich vor ihrem Tod sehr wohl gefühlt in ihrer neuen Wiesbadener Clique.

Die Schülerin aus Mainz sei "total begeistert" gewesen, dass sie neue Freunde hatte, sagte ihre Mutter dem SWR. Sie seien alle so nett und freundlich - keiner tue ihr was Böses, habe Susanna zu Hause erzählt. Dennoch habe sie ihre 14-jährige Tochter oft gewarnt, dass sie vorsichtig sein solle. Aber, so die Mutter weiter: "Sie hat einfach jedem blind vertraut."

Hilferuf an Freundin per WhatsApp

Kurz vor ihrem Tod hatte Susanna dann aber offenbar doch Angst gehabt, wie ein jüngst veröffentlichter Bericht des SWR nach einem Blick in die Anklageschrift zeigt. Demnach hatte die 14-Jährige vor ihrem Tod noch per WhatsApp Kontakt mit einer Freundin aufgenommen und um Hilfe gebeten. Susanna habe geschrieben, dass sie Angst habe und dass Ali B. sie nicht gehen lasse. Die Freundin soll ihr daraufhin den Rat gegeben haben, nach Hause zu fahren.

Die Mainzer Anwältin Petra Kaadtmann, die Susannas Mutter im Prozess vertritt, sagte im SWR-Interview: "Diese Freundin hat weder die Polizei noch die Mutter von Susanna angerufen, um hier zu dokumentieren, dass Susanna sich in Schwierigkeiten befindet. Wenn das geschehen wäre, wäre es möglich gewesen, die Tat zu verhindern." Susannas Mutter hatte bereits zuvor bei Facebook gegen die Freundin ihrer Tochter schwere Vorwürfe erhoben.

Susanna soll Ende Mai 2018 in einem Waldstück nahe dem Wiesbadener Stadtteil Erbenheim getötet worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht von Heimtücke als Mordmerkmal aus. Die Leiche der Schülerin war am 6. Juni gefunden worden. Der mutmaßliche Täter Ali B. wurde zwei Tage später im Irak festgenommen und kurz darauf nach Deutschland zurückgebracht.

Gezielter Plan, sich an Susanna zu vergehen

Die Anwälte der Nebenklage gehen außerdem von einem gezielten Plan des mutmaßlichen Täters aus. In der Anklageschrift ist zu lesen, dass der 21 Jahre alte Flüchtling aus dem Irak wenige Stunden vor der Tat Vorkehrungen getroffen haben soll, um mit Susanna in der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden Alkohol zu trinken. Sie sehen darin den gezielten Plan von Ali B., die 14-Jährige in eine Falle zu locken, um sich an ihr zu vergehen.

Der Wiesbadener Kriminologe Martin Rettenberger ist der Meinung, dass bei Ali B. möglicherweise eine Lust an Gewalt und eine tief verankerte Persönlichkeitsstörung vorgelegen habe. Er gehöre zum Kreis der Intensivtäter. Rettenberger sagte dem hr: "Wenn so jemand nicht von außen gestoppt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Taten begangen werden."

Prozessbeginn am Dienstag

Der Prozess gegen Ali B. wegen Mordes und Vergewaltigung beginnt am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden. Ali B. hat zugegeben, die 14-Jährige getötet zu haben, eine Vergewaltigung bestreitet er allerdings. Er muss sich nicht nur wegen Mordes verantworten, gegen ihn wurden noch zwei weitere Anklagen zugelassen. So soll er laut Anklage auch an Schlägereien, Raub und der mehrfachen Vergewaltigung einer Elfjährigen beteiligt gewesen sein. Für den Prozess sind vorerst elf Verhandlungstage angesetzt.

Susannas Mutter sagte zum Gerichtsprozess: "Ich weiß, dass keine Strafe der Welt mir mein Kind zurückbringt. Dennoch hoffe ich, dass die Richter die richtige Entscheidung treffen."