Mujdah Ismaili, Mutter des vor viereinhalb Jahren verschwundenen kleinen Aref

Im April 2016 verschwand der fünfjährige Aref von einem Spielplatz in Wanfried. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. Nun spricht seine Mutter: Sie glaubt fest daran, dass ihr Kind noch lebt.

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"Jeden Tag gucke ich an der Tür und hoffe, dass er reinkommt. Aber bis jetzt ist noch nichts passiert. Es ist sehr schwer, sehr schwer." Diese Worte von Mujdah Ismaili lassen erahnen, in welchem Schwebezustand die Mutter des kleinen Aref aus Wanfried (Werra-Meißner) lebt, seit er vor viereinhalb Jahren spurlos verschwand.

Es war der 4. April 2016, gegen 18 Uhr: Mujdah Ismaili war mit ihren Kindern auf einem Spielplatz am Hafen der Kleinstadt an der Werra. Gerade noch hatte sie Aref gesehen. Als sie das nächste Mal nach ihm schaute, war ihr Junge weg. Einfach weg. Seitdem sah sie ihn nicht wieder.

Mutter geht von Entführung aus

Sie habe sofort an ein Verbrechen, eine Entführung geglaubt, nicht an einen Unfall, sagt die Mutter dem hr. Erstmals spricht die 28-Jährige ausführlich darüber, wie es ihr seitdem ergangen ist.

Die Polizei leitete noch am Abend jenes Apriltages eine große Suchaktion ein. Die Werra fließt direkt am Spielplatz vorbei, die Regenfälle der zurückliegenden Tage hatten ihren Pegel ansteigen lassen und die Strömung verstärkt. Tagelang suchten hunderte Beamte nach dem fünfjährigen Jungen. Die Polizei ging davon aus, dass Aref ertrunken sei.

Einsatzkräfte an der Werra

Seine Mutter sagt: "In meinem Herzen lebt er. Nie hatte ich das Gefühl, dass er gestorben ist. Ich träume nachts von ihm, sehe im Traum, dass er lebt." Für die Eltern begann am Tag von Arefs Verschwinden ein Alptraum, der bis heute andauert.

Werra für Suche abgesenkt

"Ich denke immer daran, wenn ihn jemand mitgenommen hat, dass er mit uns Erbarmen hat, dass er mit einer Mutter Erbarmen hat, dass er mein Kind zurückbringt", sagt Mujdah Ismaili, die erst kurz vor dem Verschwinden ihres Kindes mit ihrer Familie aus Afghanistan geflohen und nach Hessen gelangt war.

Die Suche der Polizei blieb erfolglos. Sie veranlasste sogar, dass die Werra zwischen dem Wehr in Eschwege und Wanfried auf etwa neun Kilometern Länge um rund einen halben Meter auf Sichttiefe abgesenkt wurde. Sie fand: nichts.

Die Polizei ist ratlos

Auch einem Hinweis auf einen schwarzen BMW X5 mit getönten Scheiben und Berliner Kennzeichen, der zur Zeit von Arefs Verschwinden nahe des Spielplatzes gesehen worden war, gingen die Beamten nach: Wurde der Junge tatsächlich entführt? Doch auch hier verlief die Ermittlung im Sand. Die Polizei ist ratlos.

Die Mutter Mujdah Ismaili schwankt zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Ihren Schmerz will die 28-Jährige mit sich allein ausmachen, wie sie sagt, schließlich hat sie noch fünf Kinder: "Mit den anderen rede ich, lache ich. Mit meinen Kindern spiele ich. Niemand weiß, wie es in mir aussieht. Innerlich bin ich schon tot. Ich brauche keine Hilfe. Aref ist ein kleines Kind. Er braucht seine Mama, die Mutterliebe."

Mutter gibt Hoffnung nicht auf

Jede Nacht schläft sie auf einem kleinen Kopfkissen, das sie an ihren kleinen Jungen erinnert. Mujdah Ismaili erzählt: "Wenn ich koche, denke ich immer, warum ich nicht für sechs Teller vorbereite, warum nur für fünf. Wenn ich einkaufe für die Kinder, habe ich genau vor Augen, welche Größe er tragen würde. Wenn er da wäre. Da bete ich immer zu Gott, dass er kommt und ich die Sachen für ihn kaufen kann."

Sendung: hr-fernsehen, maintower kriminalreport, 22.11.2020, 19 Uhr