Anwalt mit der angeklagten Mutter im Gerichtssaal

In einem Missbrauchsverfahren muss sich eine Frau in Fulda vor Gericht verantworten. Sie soll mit ihrem Sohn mehrfach Sex gehabt haben, als der zwischen 12 und 15 Jahre alt war. Die als "liebevolle Mutter" beschriebene Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

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Audioseite Strafprozess in Fulda: Mutter soll mit eigenem Sohn Sex gehabt haben

Anwalt mit verpixelter Angeklagten im Gerichtssaal
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Ein Fall von sexuellem Missbrauch beschäftigt seit Mittwoch das Landgericht Fulda. Einer 38 Jahre alten Frau wird vorgeworfen, ihren eigenen Sohn missbraucht zu haben. Sie soll, als er zwischen 12 und 15 Jahre alt war, mit ihm Geschlechtsverkehr gehabt haben oder ihn zu sexuellen Handlungen bewegt haben. Die acht angeklagten Taten sollen sich zwischen Sommer 2014 und Frühjahr 2017 im Wohnhaus der Frau in Petersberg (Fulda) zugetragen haben.

Angeklagte bestreitet sexuelle Absichten

Der Prozessauftakt wäre am Mittwoch beinahe geplatzt. Die geladene Angeklagte erschien am Morgen nicht im Gericht. Sie musste von der Polizei vorgeführt werden. Beamte brachten sie von ihrem Aufenthaltsort Gersfeld (Fulda) in die Domstadt. Sie sagte, sie habe die Vorladung nicht wahrgenommen.

Während der Anklageverlesung kämpfte die Frau dann mit den Tränen, sie schüttelte den Kopf und blickte zu Boden. Mit den Vorwürfen konfrontiert bestritt sie, wie auch im bisherigen Ermittlungsverfahren, die Taten begangen zu haben. "Ich habe das nicht gemacht. Das steht fest", sagte sie. Wenn sie zu ihrem Sohn und ihren anderen Kindern zärtlich gewesen sei, habe es "keine sexuellen Absichten" gegeben.

Mutter schwärmte für ihren Sohn

Die Angeklagte bestätigte auf Nachfrage, dass sie ein besonders inniges Verhältnis zu ihren Kindern verspüre. Über ihren ältesten Sohn, den sie missbraucht haben soll, habe sie mal gesagt: "Ich könnte mich glatt in ihn verlieben, wenn er nicht mein Sohn wäre."

Dem damaligen Lebensgefährten der Angeklagten erschien laut eigener Aussage nichts auffällig. "Es war ein normales Mutter-Sohn-Verhältnis", befand der 35-Jährige, der als Zeuge aussagte. Er sei "überrascht über die Vorwürfe" und die Ermittlungen. Für ihn sei die Frau, die er nur mit Nachnamen nannte, eine "liebevolle Mutter". Von sexuellem Missbrauch habe er nichts mitbekommen. Allerdings sei er als Altenpfleger häufig im Spätdienst und nicht zu Hause gewesen. Die mehrjährige Beziehung endete, als die Frau die Trennung wollte und einen anderen Mann kennenlernte.

Der mutmaßlich missbrauchte Sohn, geboren im Februar 2002, ist das älteste ihrer fünf Kinder. Vom Vater der Kinder ließ sie sich scheiden wegen seines Alkohol- und Drogenkonsums sowie Gewalt gegen sie und ihre Kinder. Weil die Angeklagte selbst Drogen nahm, landeten alle fünf Kinder schließlich in der Obhut des Jugendamts.

Unsteter Lebenswandel und Drogenkonsum

Sie habe Amphetamine genommen und sei Joints zugeneigt, erklärte die 38-Jährige. Wegen ihres unsteten Lebenswandels habe sie keinen Kontakt mehr zu den Kindern. Sie sei als Kind missbraucht worden, sei unzufrieden mit ihrem Leben und könne den Kindern wegen ihrer Drogengeschichten nicht mehr unter die Augen treten. "Es ist alles schief gegangen."

Der älteste Sohn, mittlerweile 19 Jahre alt, lebt in einer betreuten Wohnstätte in einem Kinderdorf. Dort brachte er die Vorwürfe auch erstmals zur Sprache. Zur Tatzeit besuchte er seine Mutter einmal im Monat am Wochenende im gemieteten Haus in Petersberg.

Keine Gewalteinwirkung

Laut Anklage ist die Frau dort zudringlich geworden. Sie habe ihren Sohn gestreichelt, ihn entkleidet und auf einem Bett den Beischlaf vollzogen. Größere Gewalt soll sie nicht angewendet haben. Auch von Vergewaltigungen war nicht die Rede, aber von ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Schwanger werden konnte die Frau nach ihren letzten Kaiserschnitt-Geburten nicht mehr.

Der mutmaßlich missbrauchte Sohn machte am Mittwochnachmittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Aussage. Auch die Mutter musste den Saal verlassen. Sie bekam die Einlassungen per Video-Übertragung in einem Nebenraum zu sehen. Im Fall einer Verurteilung erwartet sie eine Freiheitsstrafe von nicht unter zwei Jahren. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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