Polizeiabsperrung am Frankfurter Hauptbahnhof

Ein achtjähriger Junge ist im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet worden. Seine Mutter konnte sich noch rechtzeitig aus dem Gleisbett retten. Passanten überwältigten den Tatverdächtigen.

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zum Video Mann stößt Mutter und Kind vor einfahrenden ICE

hs
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  • Mann stößt Mutter und Kind aus dem Hochtaunuskreis im Frankfurter Hauptbahnhof vor einfahrenden ICE
  • Achtjähriger stirbt, Mutter rettet sich von Gleisen, dritte Person wehrt Angriff ab
  • Tatverdächtiger Eritreer (40) am Dienstag vor Haftrichter, lebt seit 2006 in der Schweiz, offenbar keine Verbindung zu Opfern
  • Gleise bis zum Abend gesperrt, Ausfälle und Verspätungen im Zugverkehr
  • Ministerpräsident und Frankfurter OB bestürzt, Bundesinnenminister bricht Urlaub ab

Zahlreiche Zeugen beobachteten den Vorfall am Montagvormittag kurz vor 10 Uhr an Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs. Ein Mann in dunkler Kleidung soll zunächst eine am Bahnsteig stehende Frau und unmittelbar danach deren achtjährigen Sohn absichtlich vor einen ICE ins Gleisbett gestoßen haben.

Opfer aus dem Hochtaunuskreis

Während sich die 40 Jahre alte Mutter noch rechtzeitig auf einen schmalen Fußweg zwischen den Gleisen retten konnte, überrollte der einfahrende Schnellzug das Kind. Der Junge war sofort tot.

Die Mutter und der getötete Sohn stammen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt aus dem Hochtaunuskreis. Eine dritte Frau, die ebenfalls von dem Angreifer attackiert wurde, konnte sich wehren und in Sicherheit bringen. Die 78-Jährige erlitt einen Schock und leichte Verletzungen an der Schulter.

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zum Video Polizeisprecherin am Montagabend zum Stand der Ermittlungen

Polizeisprecherin Frankfurt vor Mikrofonen
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Passanten überwältigen Verdächtigen

Ein Flüchtender, auf den die Beschreibung des Verdächtigen zutraf, wurde von Passanten und einem Polizeibeamten in Zivil verfolgt und an der Bahnhofs-Südseite überwältigt. Der Mann wurde festgenommen.

@Ludovico_Ariost @MontgomeryCros2 @AnnetteLudwig Wir können bestätigen. dass der festgenommene Tatverdächtige eritreischer Staatsbürger ist. *fp

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Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft um einen 40-Jährigen mit eritreischer Staatsbürgerschaft. Er lebt seit 2006 in der Schweiz. Laut Staatsanwaltschaft ist er verheiratet und Vater von drei Kindern. Eine Beziehung zwischen ihm und den Opfern gebe es ersten Erkenntnissen zufolge nicht.

Die Mordkommission hat den Fall übernommen. Sie ermittelt wegen eines Mordes und zweifachem Mordversuch. Bislang äußerte sich der Verdächtige nicht zu der Attacke. Am Dienstag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Weitere Informationen

Zeugen gesucht

Die Polizei sucht weitere Zeugen, die zur Aufklärung der Tat beitragen können. Hinweise werden telefonisch (069-75551199) oder per Mail (hinweise-hauptbahnhof@polizei-hinweise.de) entgegengenommen. Über ein Formular können zudem Fotos und Videos des Geschehens hochgeladen werden.

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"Leute heulend zusammengebrochen"

Unmittelbar nach der Tat rückten die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot zum Hauptbahnhof an. Unter anderem waren 16 Rettungswagen und ein Hubschrauber vor Ort. In der Bahnhofshalle kam es zu dramatischen Szenen. "Die Leute sind heulend zusammengebrochen", berichtete eine Augenzeugin, die in dem einfahrenden ICE 529 aus Düsseldorf saß, der den Jungen erfasste.

Einsatzkräfte am Frankfurter Hauptbahnhof

Mehrere Reisende und Passanten mussten medizinisch versorgt und seelsorgerisch betreut werden. Der Bahnsteig sei voller Kinder gewesen, sagte die Zeugin dem hr. Eine Schaffnerin, die die Tat aus dem Zug heraus mit ansehen musste, habe laut geschrien, berichtete die Frau.

Gleise bis zum Abend gesperrt, Bahn bietet Hilfe an

Die Gleise 4 bis 9 wurden nach dem Zwischenfall gesperrt und erst am Abend wieder für den Bahnverkehr freigegeben. Dennoch kam es auch danach noch zu Verspätungen und Fahrplanänderungen.

Wir sind tief schockiert vom furchtbaren Geschehen am Frankfurter Hauptbahnhof. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen. Die DB schaltet in Kürze eine Sonder-Telefonnummer zur psychologischen Betreuung derer, die das miterleben mussten.

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Reisende wurden gebeten, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren. Am Hauptbahnhof wurde dazu auch ein provisorischer Infopoint eingerichtet. Die Bahn richtete unter der Telefonnummer 0800-3111111 zudem eine kostenlose Telefon-Hotline zur psychologischen Betreuung für Augenzeugen des Vorfalls an.

Politiker bestürzt

Bundes- und Landespolitiker reagierten bestürzt auf die Tat. "Es macht fassungslos, dass Mutter und Kind vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurden", sagte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte ein Treffen mit den Sicherheitsbehörden an.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigte sich ebenfalls tief betroffen von der Tat, die allem widerspreche, wofür Frankfurt stehe. "Wir Frankfurter stehen zusammen, wir haken uns unter, wir helfen selbstlos Menschen, wir retten sie aus der Not und sind füreinander da - auch an Tagen wie heute, wo ein Schatten über der Stadt liegt", twitterte der OB und sprach den Angehörigen des getöteten Jungen sein Beileid aus.

Zweiter Fall binnen weniger Tage

Erst vor wenigen Tagen war eine Frau am Bahnhof der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Voerde vor einen Zug gestoßen worden. Die 34 Jahre alte Mutter einer Tochter wurde überrollt und starb. Der 28 Jahre alte mutmaßliche Täter handelte offenbar ohne Vorwarnung.

In Hessen hatten zudem der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie das rassistische Attentat auf einen Eritreer in Wächtersbach für Aufsehen gesorgt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 29.07.2019, 19.30 Uhr