Trauerfeier für zwei der Opfer in Hanau

Ein Rassist hat in Hanau zehn Menschen ermordet und mehrere verletzt. Wir berichten im Ticker über die Ereignisse, Ermittlungen und Reaktionen. Die Entwicklungen und Ereignisse vom 22. Februar bis zum 29. Februar können Sie hier im Ticker nachlesen.

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Nach dem Anschlag in Hanau: Hier geht es zum Ticker mit den aktuellen Entwicklungen.

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MELDUNGEN VOM SAMSTAG, 29. FEBRUAR

+++ Seehofer richtet Expertenkreis zu Muslimfeindlichkeit ein +++

Anderthalb Wochen nach dem Anschlag von Hanau hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Einrichtung eines "Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit" beschlossen. "Der schreckliche Anschlag in Hanau ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Gift des Rechtsextremismus das Böse im Menschen zu Tage treten lässt", erklärte Seehofer am Samstag in Berlin. "Das ist ein Angriff auf Mitbürger und Freunde, ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte, der uns alle gemeinsam angeht." Die Arbeit des Expertenkreises soll nach Angaben des Innenministeriums auf mehrere Jahre angelegt sein.

MELDUNGEN VOM FREITAG, 28. FEBRUAR

+++ OB Kaminsky: "Opfer waren gut integriert" +++

18.02 Uhr: Bei der Trauerfeier für zwei weitere Todesopfer hat der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) eine Rede gehalten. Kaminsky betonte, dass die beiden Erschossenen keine Fremden, sondern gut integrierte "Hanauer Buben" gewesen sein. Die Stadt habe "zwei wundervolle Jungen" verloren. Er schloss mit den Worten: "Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtovic haben in unser aller Herzen ein Denkmal."

Der Hanauer Imam Mustafa Macit Bozkurt sprach ebenfalls. Er rief die Muslime in der Stadt zum Zusammenhalt mit Bürgern anderer Religionen auf und versicherte: "Wir in Hanau lassen uns von rechtsextremistischen Terroranschlägen nicht einschüchtern."

Nach dem Totengebet trugen Gemeindemitglieder die beiden Särge zu Leichenwagen, die sie zum Hauptfriedhof brachten. Der Imam rief dazu auf, keine lauten Parolen zu skandieren. Der Trauermarsch sollte in Stille stattfinden.

+++ Totengebet für zwei weitere Opfer +++

16.20 Uhr: Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau hat die Trauerfeier für zwei weitere Todesopfer begonnen. Am Freitagnachmittag startete das Gedenken für Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtovic auf dem Marktplatz vor dem Rathaus mit einem Totengebet. Anschließend sollten die beiden Opfer in einem Trauerzug zum Hauptfriedhof gebracht und dort auf einem muslimischen Gräberfeld beigesetzt werden. Nach Angaben der Polizei versammelten sich auf dem Marktplatz etwa 3.000 Menschen zu der Gedenkfeier.

+++ Bouffier empfängt Vertreter von Hanauer Opferverbänden +++

15.00 Uhr: Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) will kommende Woche Vertreter von Hanauer Opferverbänden in der Wiesbadener Staatskanzlei empfangen. Ziel des Treffens sei es, über die Anschläge in Hanau zu sprechen und gemeinsam zu erörtern, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. Das Treffen soll am Donnerstag, 5. März stattfinden. An dem Gespräch werden auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), der stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne), Innenminister Beuth (CDU), Justizminister Kühne-Hörmann (CDU) sowie Sozial- und Integrationsminister Kai Klose (Grüne) teilnehmen.

+++ Junge Erfurterin ruft #BriefeFürHanau ins Leben +++

12.13 Uhr: Mit einem einfühlsamen Brief Beistand für die Angehörigen der Anschlagsopfer von Hanau zeigen: Diese Idee hatte nach Angaben der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eine 23-Jährige aus Erfurt. Sie rief dazu auf, den Trauernden aufmunternde Botschaften per Post zukommen zu lassen. Die Aktion "#BriefefürHanau" ist auf Twitter zu sehen und wurde unter anderem von der EKHN weiterverbreitet. Briefe sollen an den Magistrat der Stadt Hanau gesandt werden.

Die Initiatorin will mit der Aktion nach eigenen Angaben verhindern, dass die Opfer zu schnell in Vergessenheit geraten. "Mit der Aktion 'Briefe für Hanau' wollen wir den Angehörigen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Dass viele Menschen aus ganz Deutschland an sie denken", sagte sie laut einer Pressemitteilung der EKHN. Die 23-Jährige kommt demzufolge aus einer evangelischen Familie und absolviert in Thüringen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr.

+++ VGF setzt Zeichen gegen Rassismus +++

12.09 Uhr: Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF setzt nach dem Anschlag in Hanau ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus. Auf Anzeigetafeln in den U-Bahnstationen wird die Botschaft angezeigt: "Alle fahren mit! Der VGF steht für Vielfalt und gegen Hass und Ausgrenzung. Wir trauern um die Opfer rassistischer Gewalt in Hanau."

+++ Verdi ruft zu Gedenkminuten auf +++

10.39 Uhr: Die Gewerkschaft Verdi hat dazu aufgerufen, am Mittwoch den 4. März, dem Tag der zentralen Trauerfeier in Hanau, um 11.50 Uhr in Betrieben und Verwaltungen für zehn Minuten die Arbeit ruhen zu lassen. "Wir wollen an diesem Tag die Initiative ergreifen und ein klares Zeichen aus den hessischen Betrieben und Verwaltungen gegen rechte Gewalt senden", schreibt Verdi Hessen in einer Mitteilung vom Freitag. Und weiter: "Wir wollen deutlich machen, dass dort kein Platz für Rassismus und Rechtsextremismus ist."

MELDUNGEN VOM DONNERSTAG, 27. FEBRUAR

+++ Zwei weitere Beerdigungen am Freitag +++

19.10 Uhr: Zwei weitere Opfer des Anschlags in Hanau werden am Freitag beerdigt. Um 15 Uhr wird es ein Gebet auf dem Hanauer Marktplatz geben. Danach sollen die beiden Opfer Said Nessar Hashemi und Hamza Kurtovic in einem Trauerzug zum Hauptfriedhof gebracht und dort beigesetzt werden. Die Stadt Hanau rechnet mit einer großen Anteilnahme. Zu den vorherigen Beerdigungen von Anschlagsopfern waren hunderte Menschen gekommen.

+++ Döner-Betreiber aus Halle sammelt Spenden für Hanau +++

17.34 Uhr: Der vom Terroranschlag in Halle (Saale) betroffene "Kiez-Döner" hat Spenden für die Opfer von Hanau gesammelt. Dazu verteilten die Mitarbeiter Essen gegen einen freiwilligen Geldbetrag. "Die ganzen Spenden, die reinkommen, gehen direkt an die Opfer", sagte Imbiss-Betreiber Izzet Cagac der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die Mitteldeutsche Zeitung berichtet. In dem Döner-Imbiss in Halle war am 9. Oktober ein 20 Jahre alter Mann erschossen worden - aus rechtsextremistischen Motiven.

+++ Hephata ruft zu Mahnwache auf +++

16.07 Uhr: Ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Akteure aus Schwalmstadt und dem Schwalm-Eder-Kreis hat für Samstag (29. Februar) zu einer Mahnwache aufgerufen. Unter dem Motto "Wir stehen zusammen in Schwalmstadt" werde die Aktion um 13 Uhr in der Treysaer Bahnhofstraße starten, teilte das am Aufruf beteiligte Diakoniezentrum Hephata am Donnerstag mit. Das knapp einstündige Programm werde mit Bläsermusik starten und mit einer Menschenkette sowie dem Lied "We shall overcome" enden. Auch kurze Redebeiträge seien geplant.

+++ Grüne Bayern fordern Sonderbericht +++

16.06 Uhr: Die Grünen im bayerischen Landtag fordern einen Sonderbericht des Münchner Innenministeriums über die Bezüge Täters nach Bayern. "Wir wollen wissen, welche Erkenntnisse den Sicherheitsbehörden über den Mörder von Hanau vorliegen", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze am Donnerstag in München. Aus diesem Grund sei es notwendig, dass Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in der nächsten Sitzung des Innenausschusses am 18. März 2020 einen "umfassenden öffentlichen Sonderbericht" abgebe. Tobias R. lebte zeitweise in Bayern und studierte in Bayreuth BWL.

+++ Attentäter hatte sich Waffe geliehen +++

15.45 Uhr: Tobias R. hat sich nach SWR-Informationen kurz vor seiner Tat eine Pistole bei einem örtlichen Waffenhändler ausgeliehen. Ob er diese auch benutzt hat, ist unklar. Bei der Waffe handelte es sich um eine Pistole der Marke "CZ", Kaliber 9mm. Diese bekam der mutmaßliche Todesschütze von einem Hanauer Waffenhändler. Möglich war dies, weil Tobias R. als Sportschütze legal eine Waffenbesitzkarte hatte. Sportschützen dürfen sich Waffen - etwa zu Testzwecken - für bis zu vier Wochen ausleihen. Der Waffenhändler in Hanau wollte sich gegenüber dem SWR nicht äußern. Er bestätigte allerdings, dass Tobias R. ein Kunde gewesen sei.

Generalbundesanwalt Peter Frank berichtete am Donnerstag in Berlin in nicht-öffentlicher Sitzung dem Innenausschuss des Deutschen Bundestags über bislang nicht bekannte Einzelheiten zu den tödlichen Schüssen in Hanau.

+++ Migranten fordern Maßnahmen gegen Rassismus +++

13.38 Uhr: Migrantenorganisationen haben konkrete Maßnahmen gegen Rassismus und Rechtsextremismus gefordert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert die Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen mehr Menschen mit Migrationshintergrund als politische Entscheidungsträger. Nötig sei zudem ein ständiger "Partizipationsrat Einwanderungsgesellschaft" aus Wissenschaftlern und Migranten-Vertretern, ähnlich dem Deutschen Ethikrat und angesiedelt beim Bundestag. Die Bundeskonferenz ist nach eigenen Angaben ein Netzwerk aus 40 Migrantenorganisationen in Deutschland.

+++ Tobias R. wegen Falschparkens kontrolliert +++

13.30 Uhr: Tobias R. wurde etwa eine Stunde vor Abgabe des ersten Schusses wegen Falschparkens kontrolliert. Wie Teilnehmer der nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses am Donnerstag berichteten, stand sein Auto in der Nähe des ersten Tatorts. Er habe bei der Kontrolle nicht aggressiv reagiert, erfuhren die Teilnehmer vom Generalbundesanwalt.

Den Angaben zufolge erschoss der mutmaßliche Attentäter Tobias R. am Mittwoch vergangener Woche um 21.58 Uhr zuerst einen Menschen auf der Straße. Dann floh er und tötete an mehreren Orten acht weitere Menschen, bevor er zur Wohnung seiner Eltern fuhr. Dort soll sein Auto um 23.10 Uhr festgestellt worden sein. Das Spezialeinsatzkommando sei um 3.03 Uhr in die Wohnung eingedrungen, berichteten Teilnehmer der Sitzung. Ihren Angaben zufolge lag seine Mutter tot im Wohnzimmer. Die Leiche von Tobias R. sei am Kellerabgang gefunden worden.

Die Polizei fand nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung drei Schusswaffen: eine lag im Auto, eine bei der Leiche von Tobias R., eine weitere an einem anderen Ort in der Wohnung. Der Todesschütze hat insgesamt 52 Schuss abgegeben. Im Wagen lagen noch 18 weitere Patronen. In einem Rucksack in seinem Zimmer fanden Ermittler später noch 350 Patronen.

+++ Schweigemarsch der Otto-Hahn-Schule +++

13.15 Uhr: Schüler der Otto-Hahn-Europaschule haben am Morgen mit einem Schweigemarsch der Opfer des Anschlags gedacht. Die Schule liegt etwas 500 Meter vom Kurt-Schumacher-Platz entfernt, dem zweiten Anschlagsort. Dort legten die Schüler nach dem Marsch einen Kranz nieder. Sie wollen damit auch das Geschehene verarbeiten. Einige Opfer beziehungsweise deren Verwandte besuch(t)en die Schule.

+++ Kritik an Hanauer Polizei +++

11.45 Uhr: Der Generalbundesanwalt hat auch rund eine Woche nach dem Anschlag von Hanau keine Hinweise auf mögliche Mitwisser oder Unterstützer des Todesschützen. Das berichteten Teilnehmer der nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestages am Donnerstag. Allerdings warteten die Ermittler noch auf Auskünfte des FBI zu möglichen Kontakten von Tobias R. während einer Reise in die USA im November 2018.

Die Abgeordnete Martina Renner (Linke) gab der AfD und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung aus Dresden eine Mitverantwortung. Sie hätten "die Opfer markiert", die dann von Neonazis und bewaffneten Rassisten ermordet worden seien. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU), sagte, er sehe "eine ganz klare Mitverantwortung" der AfD für die rechtsextremistisch motivierten Anschläge der vergangenen Monate.

Die Grünen fragten, warum der Täter am Mittwoch vergangener Woche so lange ungehindert quer durch die hessische Stadt fahren konnte. Wie habe es sein können, "dass der Täter insgesamt eine Stunde Menschen ermordet hat", ohne dass sich ihm ein Polizist in den Weg gestellt habe, fragte die Abgeordnete Filiz Polat. Abgeordnete der Union regten an herauszufinden, ob die Vorschriften zur Überprüfung von Waffenbesitzern in den Ländern richtig umgesetzt werden. Vorher sei es nicht sinnvoll, über eine Verschärfung des Waffenrechts zu sprechen, sagte die Ausschussvorsitzende Andrea Lindholz (CSU).

+++ Israels Botschafter sieht Demokratie bedroht +++

10.06 Uhr: Nach dem Anschlag von Hanau warnt der israelische Botschafter in Deutschland vor fatalen Folgen für die Demokratie in Deutschland. "Keine demokratische Gesellschaft kann überleben, wenn Minderheiten permanent bedroht oder geschädigt werden. Der Holocaust hat uns allen gezeigt, wohin ein solcher Hass führt und welche schrecklichen Folgen er haben kann - und genau darum geht es jetzt", sagte Jeremy Issacharoff der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag. Eine offene Gesellschaft könne viele Dinge tolerieren, aber niemals Gewalt. Das habe sich aber in den vergangenen Jahren geändert, aus Worten würden Taten.

Issacharoff appellierte aber an Juden und Muslime, ihre Religionszugehörigkeit nicht zu verstecken. "Keine Kippa oder keine muslimische Kopfbedeckung zu tragen, seinen Bart zu rasieren, würde auch bedeuten, das Problem zu verbergen. Wir müssen alle schützen, Terrorismus und Hass eindämmen und eine offene Gesellschaft bewahren, in der wir unsere Vielfalt feiern können." Issacharoff kritisierte überdies die AfD. "Für mich ist es einfach nicht haltbar, Kontakte zu dieser Partei zu haben, die zumindest eine Nostalgie für die Nazi-Vergangenheit hat."

+++ Friedberger gedenken der Opfer von Hanau +++

9.54 Uhr: Etwa 500 Menschen haben sich am Mittwochabend vor dem Friedberger Landratsamt versammelt, um der ermordeten Hanauer zu gedenken. Politiker verschiedener Landtagsfraktionen, Landrat Jan Weckler (CDU) oder der FDP-Bundestagsabgeordnete Peter Heidt hielten Reden und gaben Rechtspopulisten eine Mitschuld an der Eskalation von Hass und Hetze. Zum Gedenken aufgerufen hatten Organisationen wie die Antifaschistische Bildungsinitiative, Fridays for Future Friedberg, sowie die Ausländerbeiräte von Bad Nauheim und Bad Vilbel.

MELDUNGEN VOM MITTWOCH, 26. FEBRUAR

+++ Spendenaufruf für die Hinterbliebenen +++

17.38 Uhr: Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen haben zu Spenden für die Hinterbliebenen und weitere Betroffene der Gewalttat in Hanau aufgerufen. Der Spendenaufruf stammt von der Amadeu Antonio Stiftung, der Bildungsstätte Anne Frank, vom Verband der Beratungsstellen für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und von der Initiative 19. Februar Hanau. Die Spenden sollen zum Beispiel Trauerfeiern und Traumatherapien finanzieren und die Betroffenen auch langfristig unterstützen.

+++ AfD-Politiker: "Amoklauf der Lüge" nach Tat von Hanau +++

16.05 Uhr: Der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Gottfried Curio, hat jeglichen Zusammenhang zwischen der Politik seiner Partei und dem Anschlag von Hanau zurückgewiesen. "Die Tat von Hanau ist nicht das Ergebnis der politischen Diskussion der vergangenen Jahre", sagte Curio beim politischen Aschermittwoch seiner Partei im niederbayerischen Osterhofen. Wenn Politiker anderer Parteien diese Tat mit der Politik der AfD in Verbindung brächten, komme dies einer "widerlichen Verleumdung" gleich, sagte Curio. Nach der Tat von Hanau habe "ein Amoklauf der Lüge" stattgefunden. "Das ist die größte Bedrohung für Deutschland und seine Demokratie", betonte Curio.

Bei dem Täter von Hanau habe es sich um einen Psychopathen gehandelt. "Er war ein gefährlicher Psychopath, ein wirklich Geisteskranker", sagte Curio. Vertreter mehrerer Parteien wie etwa CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer oder SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatten nach dem Anschlag von Hanau betont, die AfD trage eine Mitschuld an den Morden. Auch 60 Prozent der Deutschen sind laut einer Umfrage des Instituts Kantar für "Bild am Sonntag" davon überzeugt, dass die AfD eine Mitverantwortung für rechtsextreme Gewalttaten wie die in Hanau trägt. Nur 26 Prozent glauben dies nicht, 14 Prozent sind unentschlossen.

+++ Überführte Opfer in der Türkei beigesetzt +++

14.08 Uhr: Zwei der Todesopfer des Anschlags in Hanau sind in der Türkei bestattet worden, nachdem sie am Montag dorthin überführt wurden. Laut der türkischen Religionsbehörde DiYANET wurde der 34-jährige Fatih Saraçoğlu noch am selben Tag in der Stadt İskilip in der Provinz Çorum beeerdigt. Ebenfalls noch am selben Tag wurde laut türkischen Medienberichten Gökhan Gültekin in der Stadt Eleşkirt (Provinz Ağrı) bestattet. Der 37 Jahre alte Maurer stammte aus einer kurdischen Familie.

+++ Zentrales Friedensgebet mit Bischöfin Hofmann +++

11.46 Uhr: In zahlreichen Kirchen in und um Hanau fanden bereits am Wochenende Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen statt. Nun lädt die Evangelische Kirche zu einem zentralen Friedensgebet in der Marienkirche Hanau am Mittwoch ein, Beginn ist um 20 Uhr. Landesbischöfin Beate Hofmann wird gemeinsam mit dem Dekan Martin Lückhoff das Gebet leiten, wie ein Sprecher der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mitteilte. Die Hanauer Kantorei wird das Gebet musikalisch begleiten. Eingeladen seien über konfessionelle Grenzen hinweg alle Menschen, "denen der Frieden in der Gesellschaft am Herzen liegt".

+++ Opferbeauftragte kümmern sich um Familien und Angehörige +++

10.11 Uhr: Damit die Hinterbliebenen der Opfer mit ihrer Wut und Trauer nicht alleine gelassen sind, sind mehrere Opferbeauftragte eingesetzt worden. Sie kümmern sich rund um die Uhr um die Familien der Opfer. Vom Bund wurde Edgar Franke und vom Land Helmut Fünfsinn ernannt. Außerdem beauftragte die Stadt Hanau die Vorsitzende des Hanauer Ärztevereins, Maria Haas-Weber, die Leiterin der städtischen Stabsstelle für Gesundheit, Silke Hoffmann-Bär, sowie Robert Erkan, der die Koordinierungsstelle für die Angehörigen leitet. Sie sollen vor allem die angestoßene Hilfe koordinieren. Mehr dazu erfahren Sie hier.

+++ Ausländerbeirats-Chefin: "Attentat hat tiefe Wunden verursacht" +++

9.43 Uhr: Eine Woche nach dem mutmaßlich rassistischen Anschlag ist das Gedenken an die Opfer in Hanau weiter sehr präsent. An beiden Tatorten liegen unzählige Blumen, Kerzen und Grablichter sind aufgestellt. "Dieses Attentat hat tiefe Wunden verursacht," sagt die Vorsitzende des Hanauer Ausländerbeirats, Selma Yilmaz-Ilkhan, über das Klima in der Stadt. Die Menschen hätten Angst und fragten sich, wie es habe passieren können, dass unschuldige junge Leute ermordet worden seien. "Für die Integration bedeutet dies, dass wir mehr partizipative Politik machen müssen. Wir müssen Menschen mitnehmen, die wir vernachlässigt haben."

Schon seit einigen Jahren beobachtet Yilmaz-Ilkhan in der Brüder-Grimm-Stadt wachsenden Rassismus. "Die Menschen fühlen sich in Hanau zu Hause, es gibt ein gutes Miteinander. Jedoch müssen wir auch erwähnen, dass auch wir in Hanau die bundesweite Entwicklung nach rechts spüren", sagt die Politik- und Sozialwissenschaftlerin. In den vergangenen Jahren hätten sich vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund an sie gewandt und über Ängste und Beschimpfungen auf der Straße berichtet.

+++ Weiteres Opfer bestattet +++

8.49 Uhr: Ein weiteres Opfer des Anschlags von Hanau ist in Dietzenbach (Offenbach) beerdigt worden. Sedat Gürbüz betrieb die Shisha-Bar, in der am Abend des 19. Februars die ersten Schüsse fielen. Nach dem Todesgebet in der Fatih-Moschee wurde der 30-Jährige am Dienstag auf dem muslimischen Grabfeld des Dietzenbacher Friedhofs beigesetzt. Sedat Gürbüz war in Dietzenbach aufgewachsen. Laut Bild.de kamen rund 1.000 Menschen, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Landrat Oliver Quilling (CDU) waren demnach unter den Trauergästen.

MELDUNGEN VOM DIENSTAG, 25. FEBRUAR

+++ Datum für zentrale Trauerfeier steht +++

21.03 Uhr: Die zentrale Trauerfeier nach dem Anschlag von Hanau wird nach Angaben der Stadt am 4. März stattfinden. An dem gemeinsamen Gedenken des Landes und der Stadt an die Opfer des Anschlags vom 19. Februar werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) teilnehmen, wie die Stadtverwaltung am Dienstagabend mitteilte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihr Kommen "nach momentaner Planung zugesagt".

Der Trauerakt soll um 18 Uhr im Veranstaltungszentrum Congress Park Hanau stattfinden und "wegen der zu erwartenden hohen Teilnehmerzahl" auf öffentliche Plätze übertragen werden. "Wenn hochrangige Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Hessen mit uns gemeinsam die Attentatsopfer betrauern, so ist dies eine Würdigung der Opfer", erklärte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

+++ Merkel will an Trauerfeier teilnehmen +++

16.30 Uhr: Nach dem Anschlag von Hanau wird die zentrale Trauerfeier möglicherweise kommende Woche stattfinden. Das teilte die Stadt heute mit. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher. Die Abstimmung mit Bund und Land laufe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe mitgeteilt, dass sie teilnehmen wolle. Da aber kein genauer Termin feststehe, gebe es hierfür noch keine Gewissheit, erklärte die Stadt. Auch ein Regierungssprecher in Berlin sagte auf Anfrage, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen.

MELDUNGEN VOM MONTAG, 24. FEBRUAR

+++ Beerdigung von Ferhat Unvar auf Hanauer Hauptfriedhof +++

17.00 Uhr: Der 22 Jahre alten Ferhat Unvar ist am Montagnachmittag auf dem Hanauer Hauptfriedhof beerdigt worden. Auch Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky hatte sich zu der Beerdigung des Anschlagsopfers angekündigt. Zuvor hatten sich rund 700 Menschen in der Heinrich-Heine-Schule zu einer Trauerfeier für Unvar getroffen.

+++ Kaminsky kritisiert Verbreitung von Falschnachrichten +++

15.20 Uhr: Hanaus OB Kaminsky wies darauf hin, dass in den sozialen Medien jeden Tag neue Verschwörungstheorien und Falschnachrichten zu dem Anschlag in Hanau kursierten. Er habe selbst schon erfahren, wie Fakten verdreht werden, so Kaminsky. Nach seinem Live-Interview mit der Bild-Zeitung in der Tatnacht gebe es nun ein Video, in dem verbreitet wird, dass die Zeitung dem OB vorgeschrieben habe, was er sagen dürfe. "Das ist natürlich völliger Quatsch. Als ich mitten in der Nacht angerufen wurde, habe ich spontan geantwortet", stellte Kaminsky klar.

Der Hanauer OB nannte ein weiteres Beispiel: Es habe sich in den sozialen Medien eine Sprachnachricht verbreitet, die von marodierenden Neonazis berichtete. "Fakt ist jedoch, dass die Sprachnachricht, dessen Urheber uns persönlich bekannt ist, etwa vier Jahre alt ist und in einem völlig anderen Zusammenhang gestanden hat", sagte er.

+++ Bildungsstätte Anne Frank fordert neue Strategie gegen Rassismus +++

15.00 Uhr: Nach dem Anschlag in Hanau fordert auch die Bildungsstätte Anne Frank ein entschlossenes Programm gegen Rechtsextremismus und Rassismus in Hessen. "Nach den ersten Tagen des Schocks und der Trauer um die Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau dürfen wir jetzt nicht wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern müssen zügig eine neue Strategie gegen Rechtsextremismus und Rassismus in Hessen auf den Weg bringen", sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte.

+++ Rund 1.500 Menschen trafen sich zum Trauergebet +++

14.15 Uhr: Bei einem öffentlichen Gebet auf dem Hanauer Marktplatz haben am Mittag rund 1.500 Menschen der bei dem Anschlag getöteten Opfer gedacht. Drei Särge, die in türkische Fahnen gehüllt waren, standen vor einer Bühne, auf der muslimische Geistliche Trauergebete sprachen. Nach dem Abschluss der Gebete in türkischer Sprache wurden die Särge in bereitstehende Leichenwagen getragen.

Angemeldet war das Trauergebet für die Opfer Fatih Saraçoğlu, Gökhan Gültekin und Sedat Gürbüz. Zwei der Leichen sollten in die Türkei überführt werden.

+++ Mehr Prävention in Schulen gefordert +++

14.00 Uhr: Als Konsequenz aus dem rassistischen Anschlag in Hanau hat der hessische Ausländerbeirat eine verstärkte Präventionsarbeit in den Schulen gefordert. Die Kinder und Jugendlichen müssten mehr dafür sensibilisiert werden, gegen Diskriminierung vorzugehen, sagte der Vorsitzende des Landesverbands, Enis Gülegen, in Wiesbaden. Die Schüler dürften keine Angst haben, fremdenfeindliche Dinge beim Namen zu nennen und Vorkommnisse zu melden.

Der Ausländerbeirat fordert von der Landesregierung nicht nur, dass die Demokratievermittlung und -erziehung in den Schulen ausgebaut wird. Es werde auch erwartet, dass die Programme gegen Rechtsextremismus und Hetze als Konsequenz aus der Gewalttat nochmals deutlich ausgeweitet werden.

+++ Freunde und Verwandte nehmen Abschied +++

13.20 Uhr: Zahlreiche Menschen haben auf dem Neuen Friedhof in Offenbach Abschied von Mercedes Kierpacz genommen, einem Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau. Die mit zahlreichen Blumen geschmückte Trauerhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt, während sich Freunde und Angehörige am geöffneten Sarg von der Getöteten verabschiedeten. Der Vater der Toten sagte: "Sie hat das Leben so sehr geliebt."

Auch Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky kam zur Beisetzung. Er kritisierte das Wort Fremdenfeindlichkeit in den Berichten über die Toten. Die anderen Ermordeten seien keine Fremden gewesen. "Sie waren Mitbürger unserer Gesellschaft", sagt er.

+++ Trauerfeier für Ferhat Unvar in Hanau +++

12.50 Uhr: Der 22 Jahre alte Ferhat Unvar wird in Hanau bestattet. Die Trauerfeier hat um 12 Uhr in der Heinrich-Heine-Schule begonnen, die Beerdigung findet um 15.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof statt. Auch zu dieser Beerdigung hat sich Hanaus OB Kaminsky angekündigt.

Ferhat Unvar hat kurdische Wurzeln und wurde in Deutschland geboren. In der Türkei war er nie. Er hatte laut seiner Familie viele Pläne und Träume. Sein Cousin Aydin Yilmaz sagte dem hr, dass Ferhat Unvar gerade seine Lehre zum Heizungs- und Gasinstallateur abgeschlossen habe und dabei gewesen sei, seine eigene Firma zu gründen.

+++ Beerdigung von Mercedes Kierpacz in Offenbach +++

11.25 Uhr: Die Beerdigungs-Zeremonie für das Opfer Mercedes Kierpacz hat um 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Offenbach begonnen. Dort soll laut Stadt gegen 13 Uhr auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprechen.

Das 35 Jahre alte Opfer Mercedes Kierpacz war laut dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma deutsche Staatsbürgerin und Angehörige der nationalen Minderheit der Roma. Sie hinterlässt zwei Kinder. Am Tatabend soll sie in der Arena Bar, einem Kiosk mit angeschlossener Shisha-Bar, gearbeitet haben.

+++ Zentrale Hanauer Trauerfeier wohl erst im März +++

11.13 Uhr: Die zentrale Trauerfeier für die Opfer des Anschlags in Hanau wird wohl erst im März stattfinden. Zunächst werde abgewartet, bis das letzte Opfer beigesetzt oder übergeführt sei, sagte eine Sprecherin der Stadt am Montag. Die große Trauerfeier wird demnach in Abstimmung mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden vorbereitet. Einen Termin gebe es noch nicht, so die Sprecherin. Aber in dieser Woche werde die Veranstaltung sicher nicht stattfinden.

+++ Polizeiverband gegen schärferes Waffenrecht +++

10.11 Uhr: Der Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, wendet sich nach dem Anschlag in Hanau gegen vorschnelle Diskussionen über ein verschärftes Waffenrecht. Zunächst sollten alle abwarten, was die Ermittler wirklich zu Tage fördern, "und vielleicht dann noch mal neu sprechen", sagte er am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Nötig sei dagegen ein stärkeres Durchgreifen gegen Hasskriminalität im Internet. Nutzer sollten in sozialen Netzwerken wie Twitter ihre Identität gegenüber dem Unternehmen offenlegen, verlangte er.

+++ Köln und Düsseldorf mit Motivwagen für Hanau +++

9.27 Uhr: Der rechtsextremistische Anschlag von Hanau wird auch bei den Rosenmontags-Umzügen in Köln und Düsseldorf allgegenwärtig sein. Laut einem WDR-Bericht wird es in den beiden Karnevalshochburgen Motivwagen geben, die sich mit den Ereignissen auseinandersetzen. Während in Köln ein weinender Dom um die Opfer trauert, stellt Düsseldorf Rassismus als Waffe dar, die aus dem Mund eines Mannes mit hochrotem Kopf ragt. Auf seiner Wange steht: "Aus Worten werden Taten!" An der Seite stellen die Jecken um Wagenbauer Jacques Tilly den Kontext zu rechtsextremen Taten her: "NSU, W. Lübcke, Halle, Hanau".

+++ Shisha-Bars bleiben leer +++

8.32 Uhr: Im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen sind am Wochenende viele Shisha-Bars und Imbissbuden leer geblieben. Wie die FNP berichtet, beklagten einige Wirte Umsatzeinbrüche und kurzfristige Reservierungs-Absagen. "So leer wie am Freitag und Samstag war es noch nie. Alle sind schockiert", sagte der Betreiber einer Shisha-Bar in Alt-Sachsenhausen. Deutlich weniger los war auch in den umstehenden Falafel- oder Dönerläden. "Wir hatten in den letzten beiden Tagen einen Umsatzeinbruch von 70 bis 80 Prozent. Das gab es noch nie", so Mohammed Jaber von L'Amir Sandwich.

+++ Rosenmontag-Umzüge gegen den Hass +++

7.57 Uhr: Die traditionellen Fastnachts-Umzüge in Marburg und Seligenstadt (Offenbach) finden am heutigen Rosenmontag wie geplant statt, sie stehen allerdings im Zeichen des Anschlags. In Marburg wird der Magistratswagen ein Banner mit der Aufschrift "Helau gegen den Hass. Marburg sagt Ja zu Vielfalt und Nein zu Rassismus" tragen. "Marburg steht zusammen, gedenkt zusammen und feiert auch mit allen zusammen", betonte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD). In Seligenstadt wird der Zugmarschall Trauerflor tragen und so symbolisch der Opfer gedenken. "Der Rosenmontag ist ein Highlight und Ablenkung vom Alltag. Wir wollen den wahnsinnigen Idioten keinerlei Plattform bieten", unterstrich Günter Hüttig, der Vorsitzende des Dieburger Karnevalvereins.

+++ Erste Opfer werden beigesetzt +++

7.21 Uhr: Fünf Tage nach dem rechtsextremen Anschlag von Hanau werden am Montag zwei der insgesamt zehn Todesopfer beigesetzt. Das teilten die Familien in öffentlichen Einladungen mit. Die Beisetzung von Mercedes Kierpacz findet ab 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Offenbach statt. "Jeder ist willkommen. Die Tür der Kirche ist offen", schrieben die Hinterbliebenen. Der 22 Jahre alte Ferhat Unvar wird in Hanau bestattet. Die Trauerfeier beginnt um 12 Uhr in der Heinrich-Heine-Schule, die Beerdigung ist um 15.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof.

MELDUNGEN VOM SONNTAG, 23. FEBRUAR

+++ Lichterkette in Büdingen +++

19.40 Uhr: Im Gedenken an die Opfer von Hanau haben sich am Sonntag im nahe gelegenen Büdingen (Wetterau) knapp 1.000 Menschen zusammengefunden, um eine Kette durch die Stadt vom Bahnhof über die türkische Moschee und das Jerusalemer Tor bis zur Marienkirche zu bilden. Sie zündeten Lampen und Kerzen an und bildeten so eine rund einen Kilometer lange Lichterkette. Dazu aufgerufen hatten die Stadt, die Kirchen, die muslimische Ditip- und Ahmadiyha-Gemeinde sowie das Büdinger Bündnis Demokratie leben.

+++ Erneut Tausende bei Trauermarsch in Hanau +++

15.15 Uhr: Wie schon am Tag zuvor haben am Sonntag in Hanau mehrere tausend Menschen der Opfer des rassistischen Anschlags vom Mittwoch gedacht. Nach Polizeiangaben zogen rund 6.000 Teilnehmer vom Tatort am Kurt-Schumacher-Platz zum Marktplatz in der Innenstadt. Einige hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie: "Liebe für Alle. Hass für Keinen." Auch türkische und rumänische Flaggen sowie Fotos der Getöteten waren zu sehen.

Organisiert wurde der Trauerzug von verschiedenen Hanauer Vereinen. "Wichtig ist für uns, Flagge zu zeigen. Gegen Terror, Fremdenfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus", sagte Mitorganisator Teyfik Oezcan. "Unsere Botschaft lautet: Wir sind Deutschland. Wir gehören zusammen." Für den Nachmittag war eine Kundgebung am Marktplatz geplant. Dort wollten unter anderem der türkische Botschafter Ali Kemal Aydin, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Vertreter verschiedener Religionen sprechen.

+++ Beuth ruft Bürger zu Meldungen auf +++

14.22 Uhr: Innenminister Peter Beuth (CDU) hat in einem Interview mit der Zeitung Welt am Sonntag an alle Bürger appelliert, potenziell gemeingefährliche Menschen zu melden: "Wenn also ein Mitbürger den begründeten Verdacht hat, dass sich jemand aus seiner Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis radikalisiert, dann schicke ich lieber einmal mehr einen Streifenwagen los oder lasse durch den Verfassungsschutz einen möglichen Extremismus-Verdacht prüfen als einmal zu wenig."

Beuth räumte ein, dass sich auch damit nicht jede Straftat wie die Morde in Hanau verhindern lasse, zumal wenn ein gewaltbereiter Rassist zurückgezogen lebe. Jedoch seien die Behörden "auf die wachsamen Augen und Ohren der Bevölkerung angewiesen", wenn so jemand sich vielleicht doch offenbare: in den Sozialen Medien oder in einer Kneipe. "Wir wollen keine Totalüberwachung in Deutschland, wie werden uns aber auch nicht unsere freie Gesellschaft von Extremisten kaputt machen lassen", betonte der Minister.

+++ BKA öffnet Hinweisportal +++

11.50 Uhr: Das Bundeskriminalamt (BKA) hat ein Hinweisportal online gestellt. Um das Tatgeschehen lückenlos aufzuklären, wurden Zeugen gebeten, Videos und Fotos auf dem Portal hochzuladen. Außerdem könnten telefonisch Hinweise unter der kostenlosen Rufnummer 0800 0130110 gegeben werden, teilte die Behörde am Sonntag auf ihrer Internetseite mit.

+++ Menschen- und Lichterkette in Büdingen geplant +++

9.49 Uhr: Das Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt sowie die Kirchen rufen für Sonntag zu einer Menschen- und Lichterkette auf. Treffpunkt ist um 18 Uhr am Bahnhof. Geplant ist, eine Achse aus Menschen durch die Stadt zu bilden. Es von der türkisch-islamischen Moschee in der Nähe des Bahnhofs bis zur evangelischen Marienkirche in der Altstadt. Der Weg führt durch das Jerusalemer Tor und je nach Teilnehmerzahl zur katholischen Kirche in der Gymnasiumstraße. Die Aktion soll den Charakter eines stillen Gedenkens haben, Reden sollen nach Angaben der Veranstalter nicht gehalten werden.

+++ Amokforscherin kritsiert AfD-Fraktionschef Alexander Gauland +++

9.40 Uhr: Die Gießener Kriminologin Britta Bannenberg hat den AfD-Fraktionschef Alexander Gauland scharf kritisiert. "Das perfide Spiel, das Gauland jetzt treibt, muss man unterbinden", sagte die Professorin in einem Gespräch mit dem Pressedienst epd. Gauland hatte die Vorwürfe einer AfD-Mitverantwortung für die Tat von Hanau zurückgewiesen und auf die geistige Verwirrtheit des Täters hingewiesen.

Bannenberg betonte: "Selbst wenn man sagt, dieser Hanauer Einzeltäter war ein kranker Mensch, dann heißt das noch lange nicht, dass man keine Verantwortung für Hassreden und rechte Hetze trägt." Das sei schließlich der Nährboden solcher Taten.

+++ Sportschützen gegen schärferes Waffenrecht +++

7.30 Uhr: Der Deutsche Schützenbund (DSB) lehnt eine Verschärfung des Waffenrechts ab. "Als Sportschützen macht es uns besonders betroffen, dass der mutmaßliche Täter ein Mitglied unserer Vereine war", sagte Robert Garmeister, DSB-Leiter für Recht und Verbandsentwicklung, in Wiesbaden. Doch gegen menschliches Fehlverhalten und kriminelle Energie würden die besten Gesetze nicht helfen. Gleichzeitig würden weitere gesetzliche Restriktionen zusätzliche bürokratische und finanzielle Hürden aufbauen. Diese gefährdeten die Zukunft des Schießsports und Schützenwesens als Kulturgut.

Zuvor hatte unter anderem der frühere Grünen-Chef Jürgen Trittin vorgeschlagen, dass Sportschützen ihre Waffen nicht mehr mit nach Hause nehmen dürfen, sondern im Verein einschließen müssen. Seine Fraktion im Bundestag regt in einem Aktionsplan auch an, dass Munition nur noch dort gelagert werden darf, wo auch geschossen werden darf.

MELDUNGEN VOM SAMSTAG, 22. FEBRUAR

+++ Am Sonntag weitere Demo in Hanau geplant +++

19.13 Uhr: Für Sonntagnachmittag ist in Hanau eine weitere Demonstration angekündigt. Auf Initiative mehrerer Hanauer Vereine soll um 14 Uhr eine Kundgebung auf dem Kurt-Schumacher-Platz, einem der beiden Tatorte, stattfinden. Von dort soll ein Demonstrationszug zum Marktplatz ziehen. Die Veranstalter rechnen erneut mit 3.000 Teilnehmern.

+++ 6.000 Menschen bei Demo in Hanau +++

17.21 Uhr: Die Zahl der Teilnehmer an der Demonstration in Hanau hat die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen. Mit 2.000 hatten sie gerechnet, nach Polizeiangaben kamen mindestens 6.000 Menschen zu einer Kundgebung auf dem Freiheitsplatz und der anschließenden Kranzniederlegung vor dem Tatort am Heumarkt. Auch Marburg und Idstein zeigten Flagge gegen rechts. Eine Zusammenfassung zu den Demonstrationen finden Sie hier.

+++ Informationszentrum für Betroffene geschlossen +++

16.35 Uhr: Die Polizei in Hanau hat ihr Informationszentrum für Betroffene inzwischen geschlossen. Laut dem Landeskriminalamt konnte dort mehreren hundert Betroffenen und Angehörigen der Opfer geholfen werden. Die weitere Betreuung der Opferfamilien übernehmen dem LKA zufolge speziell geschulte Beamte der Polizei in Kooperation mit der Hanauer Hilfe und dem Weißen Ring. Das Informationszentrum wurde am Freitagmorgen eingerichtet.

+++ LKA warnt vor Falschmeldungen +++

16.26 Uhr: Das Landeskriminalamt warnt vor Falschinformationen im Zusammenhang mit der Gewalttat von Hanau. Wie das LKA mitteilte, kursierten derzeit vermehrt falsche Spekulationen über den Tathergang in den Sozialen Medien. "Aus Sicht der hessischen Polizei gibt es zur Zeit keinen Grund, in diesem Zusammenhang von einer akuten weiteren Gefahr auszugehen." Allen Hinweisen werde akribisch nachgegangen.

+++ Özdemir legt Kranz für die Opfer in Hanau nieder +++

15.59 Uhr: Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat Hanau besucht und einen Kranz für die Opfer des Anschlags niedergelegt. Es sei schwer, Worte zu finden, sagte er auf dem Heumarkt, wo der Attentäter mehrere Menschen erschoss. Er hoffe, "dass dieses Jahr in die Geschichte eingeht als das Jahr, in dem die Republik ernst macht gegen Rechtsradikalismus". Im Beisein von Angehörigen der Opfer forderte Özdemir: "Es darf keine neue Tat mehr geben!"

+++ Mahnwachen und Demos in Hanau und Marburg +++

14.20 Uhr: Bei einer Demonstration im Marburg sind nach Angaben der Stadt am Samstag rund 4.500 Menschen zusammengekommen, um gegen Hass und Hetze, gegen Ausgrenzung, gegen Terror und Gewalt zu demonstrieren. Der Magistrat der Stadt hatte dazu aufgerufen, gemeinsam der Opfer zu gedenken, das Mitgefühl mit ihren Angehörigen auszudrücken und "allen Menschen unter uns, die durch diesen Akt des Terrors in Angst versetzt wurden, deutlich zu machen: Sie sind nicht allein!"

Mehrere hundert Menschen demonstrieren zur Stunde in Hanau gegen Hetze und Menschenverachtung. Auf Plakaten steht "Muss erst getötet werden, damit Ihr empört seid?" oder "Menschenrechte statt rechte Menschen". Für die Demonstration vom Freiheitsplatz in der Innenstadt zu den beiden Tatorten erwarteten die Veranstalter insgesamt bis zu 2.000 Teilnehmer.

+++ Hanau bereitet zentrale Trauerfeier vor +++

13.35 Uhr: Hanau plant eine zentrale Trauerfeier für die Opfer des Attentats. Diese werde in Abstimmung mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden vorbereitet, teilte die Stadt am Samstag mit. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) berief für Montag eine Sondersitzung des Runden Tischs der Religionen ein. "Wir wollen sichergehen, dass wir immer nach den wirklichen Bedürfnissen der Angehörigen handeln", sagte er. Dem Gremium gehören laut Stadt 36 Hanauer Kirchen- und Religionsgemeinschaften an, die sich regelmäßig treffen.

+++ Demo gegen Menschenverachtung ab 14 Uhr +++

9.00 Uhr: Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau will das Bündnis "Solidarität statt Spaltung" heute ab 14 Uhr in der Stadt gegen Hetze und Menschenverachtung auf die Straße gehen. Zur Demonstration vom Freiheitsplatz in der Hanauer Innenstadt zu den beiden Tatorten am Heumarkt und im Stadtteil Kesselstadt erwarten die Veranstalter nach Angaben der Stadt bis zu 2.000 Teilnehmer. Um 16 Uhr ist auf dem zentralen Marktplatz von der Europäischen Bürgerinitiative Plattform zudem noch eine Mahnwache geplant. Bereits am Donnerstag und Freitag gab es Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen.

+++ Grüne fordern Krisenstab und Sofortmaßnahmen +++

8.30 Uhr: Nach dem Mordanschlag haben die Grünen im Bundestag "Sofortmaßnahmen für eine sichere Gesellschaft" vorgelegt. Darin fordern sie die Bundesregierung auf, einen Krisenstab mit allen relevanten Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft einzurichten. Im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) müsse ein Sofort-Konzept zur Bewertung aller rechtsterroristischen Verdachtsfälle entwickelt werden. So seien etwa ein Rassismusbeauftragter, ein besserer Schutz von Moscheen und Synagogen und schärfere Waffengesetze notwendig.

Die Meldungen von Donnerstag und Freitag, 20. und 21. Februar, im unserem Ticker gibt es hier zum Nachlesen.