Ein Schild "Einfahrt verboten", darunter der Zusatz "frei bis Bächergrund". Im Hintergrund der Kirchturm des Ortes.

Im Juli unterspülte das Rhein-Hochwasser die B42 zwischen Rüdesheim und Lorch. Die Rheingau-Gemeinde ist seitdem vom Verkehr abgeschnitten, die Bundesstraße bis Dezember dicht. Und der Frust darüber nimmt zu.

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hessenschau vom 17.10.2021
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Als Mitte Juli das Rhein-Hochwasser die Rheinufermauer im Bereich der Baustelle des Rhein-Radweges ausspülte und Risse in der Fahrbahn der Bundesstraße 42 verursachte, blieb man in Lorch (Rheingau-Taunus) noch halbwegs gelassen. Immer wieder hatten in den vergangenen Jahren schließlich die Bauarbeiten des Geh- und Radweges direkt am Fluss für Sperrungen und Verkehrsbehinderungen gesorgt.

Als Lorcher musste man damit leben, "wir haben uns damit abgefunden", sagte ein Rathaus-Sprecher dem hr. Doch da ahnte er auch nicht, wie lange Lorch mit der durch das Hochwasser verursachten Sperrung der B42 würde leben müssen.

Von zwei Wochen war zunächst die Rede. Ende September teilte dann die Straßenverkehrbehörde Hessen Mobil mit, die Fahrbahn erst Mitte Dezember wieder freigeben zu können.

"Eine Katastrophe für alle hier"

"Hessen Mobil hat leider verpasst, das Hochwasser aus der Schweiz entsprechend zu würdigen und seine Baustelle zu sichern", sagt der parteilose Lorcher Bürgermeister Ivo Reßler. Der wirtschaftliche Schaden für alle Betriebe in seiner Gemeinde steige mit jedem Tag der Vollsperrung.

"Das ist eine Katastrophe für alle hier in Lorch", schrieb Reßler jüngst auf Facebook. "Die Attraktivität der Stadt Lorch für Zuziehende ist derzeit am Nullpunkt, die Gastronomie leidet immens, Erholungssuchende werden systematisch ferngehalten." Er könne nicht verstehen, dass Hessen Mobil seine Bauarbeiter nicht anweise, "nach diesem Ding 24/7 zu arbeiten", legte Reßler gegenüber dem hr nach.

Gefahr weiterer Fahrbahnabsackungen

Bei Hessen Mobil kann man Reßlers Frust durchaus nachvollziehen - aber nichts daran ändern. "Wir konnten erst ab September beginnen, den Schaden zu begutachten und ihn zu reparieren", sagt der für den Rheingau-Taunus-Kreis zuständige Sprecher Stefan Säemann. Zuvor sei schlicht das Wasser im Rhein noch zu hoch dafür gewesen. Für diese Naturgewalt könne Hessen Mobil nichts.

Nun müssten unter anderem Dammbereiche wiederhergestellt werden, die Standsicherheit des Straßendamms gewährleistet werden. "Es besteht die Gefahr von Fahrbahnabsackungen und -nachbrüchen", sagte Jens Arnold, der Leiter des Dezernats Planung und Bau für die Region Rhein-Main.

Eine Karte zeigt die Orte Lorch und Assmannshausen und den Teilbereich der B42, der gesperrt ist.

Deswegen könne die Fahrbahn erst im Dezember wieder freigegeben - und einer anderen Forderung des Lorcher Bürgermeisters nicht stattgegeben werden. Ivo Reßler hatte verlangt, zumindest den heimischen Winzern bis zum Ende ihrer Weinlese zu gestatten, die B42 zu befahren. Schließlich könne ja auch der Schwerlastverkehr für den Baubetrieb die gesperrte und beschädigte Straße befahren.

Weitere Vollsperrungen im Frühjahr

Diese Baustellen-Fahrer aber seien dafür extra geschult und mit kritischen Punkten vor Ort vertraut, erklärt Hessen Mobil. Aus Gründen der Verkehrssicherheit könne sonst niemandem gestattet werden, die Fahrbahn zu nutzen.

Bis Mitte Dezember. Dann werde die Strecke halbseitig wieder freigegeben, auch, weil man den Lorchern nicht zumuten will, im winterlichen Wetter die weitläufige Höhen-Umgehung über Presberg fahren zu müssen. Bis voraussichtlich nächsten März. Dann sollen die ursprünglich geplanten Baumaßnahmen fortgesetzt werden - was weitere Vollsperrungen mit sich bringen wird.

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