Moritz Nohlen sitzt auf seinem wiedergefundenen Lastenrad und fährt damit auf einem Parkplatz. Im Hintergund ist unscharf ein Gefängnis zu sehen.

Einem Familienvater wird sein teures Lastenrad gestohlen. Die Polizei macht ihm wenig Hoffnung - und wird eines Besseren belehrt. Denn weder die Beamten noch die Täter rechneten mit der Technik-Vorliebe des Bestohlenen.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Schatz, unser Lastenrad ist weg

mt_280721
Ende des Videobeitrags

Moritz N., ein Familienvater aus Frankfurt, wachte eines Nachts auf und wunderte sich, warum es draußen auf der Straße so laut war. Mehr aber auch nicht. Er ärgerte sich kurz über die Störung und schlief wieder ein. Er ahnte nicht, dass diesem nächtlichen Aufwachen eine Verbrecher-Jagd durch die ganze Stadt folgen sollte.

"Am nächsten Morgen bin ich mit meinen drei kleinen Kindern und vollbepackt im morgendlichen Wegbring-Stress in die Tiefgarage gehetzt", berichtet N. Wie immer wollte er die beiden Söhne und seine Tochter im Lastenfahrrad zur Kita und Betreuung fahren. Knapp 6.000 Euro hatte er vor nicht allzu langer Zeit in sein Gefährt investiert.

Hessenweit mehr als 10.000 Diebstähle oder Versuche

"Doch als wir unten ankamen, war das Rad weg", sagt der Familienvater. Die Tochter und der jüngere Sohn weinten, der Achtjährige stellte nur fest: "Die haben unser Fahrrad geklaut."

Der Fall von Moritz N. reiht sich ein in einen zweifelhaften Trend. Für das Vorjahr weist die Polizei-Statistik hessenweit mehr als 10.000 versuchte oder erfolgte Fahrrad-Diebstähle aus.

Die wenigsten von ihnen werden nach Angaben der Polizei aufgeklärt. Auch Moritz N. machte sich wenig Hoffnung, nachdem er die Kinder im Auto weggebracht und die Tiefgarage und die Nachbarschaft abgesucht hatte.

Als er bei der Polizei anrief, um den Diebstahl zu melden, bekam er den Tipp, Inserate für Lastenräder auf Ebay-Kleinanzeigen und in Facebook-Gruppen im Auge zu behalten. N. erzählt: "Die Beamten waren sehr freundlich, meinten aber, ich würde mein Fahrrad eher nicht wiedersehen."

Verbrecher-Verfolgung per App

Doch weder die Polizei noch der Dieb hatten mit Moritz N.s Technik-Vorliebe gerechnet. Nachdem ihm schon einmal ein teurer Akku eines E-Bikes gestohlen worden war, hatte er nach dem Kauf des Lastenfahrrads einen Tracker angebracht. Per Smartphone konnte er so sein abhanden gekommenes Rad orten.

"Am Nachmittag hat sich meine App zum ersten Mal gemeldet", berichtet er: "Die Screenshots der übermittelten Standorte habe ich an die Polizei weitergeleitet und sie aufgefordert, dem nachzugehen."

Doch die Standorte bewegten sich quer durch Frankfurt, das Rad musste auf einen Anhänger oder in einen Transporter geladen worden sein. Und natürlich, so erklärten es die Beamten, konnte die Polizei nicht jedes entsprechende Fahrzeug auf Verdacht kontrollieren.

Wie James Bond durch Frankfurt

"Also bin ich mit meiner Freundin selbst hinterhergefahren", sagt N., der sich längst fühlte wie James Bond. Auf Verbrecherjagd durch die Großstadt, bis das verdächtige Auto, ein Transporter, in Offenbach geparkt wurde.

"Das habe ich bei der Polizeiwache um die Ecke gemeldet, bin dann mit den Polizisten im Auto zu dem Transporter gefahren und hatte Gänsehaut", berichtet der Hobby-Verbrecherjäger. Vor Ort erkannte er durch die abgedunkelten Fensterscheiben sein Lastenrad.

Doch vom Fahrer keine Spur. Auch nicht, nachdem die Polizisten den Wagen oberserviert hatten. Also ließen sie diesen abschleppen und dem Halter des Transporters mitteilen, er möge sich am Verwahrhof einfinden und sich erklären.

Verdächtiger bestreitet Diebstahl

Das tat er nun. Am Mittwochmorgen war Moritz N. dabei, als der Fahrzeughalter, der sein Lastenrad im Auto hatte, mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. "Der hat gesagt, er habe für das Rad bezahlt, habe aber nichts von einem Diebstahl gewusst und es in seinen Transporter reingeschoben bekommen", berichtet N. Ohne seinen Anwalt habe der Verdächtige nichts weiter sagen wollen.

Moritz N. hat nun Anzeige erstattet. An seine Verbrecherjagd wird er sich jedenfalls noch lange erinnern.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen