Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei
Die Polizei rückte mit einem Spezialkräften an (Archivbild) Bild © Imago

Nach einem Rap-Videodreh samt Einsatz von Polizei-Spezialkräften in einer Frankfurter Tiefgarage droht der Offenbacher Produktionsfirma ein teures Nachspiel. Auch das Ordnungsamt will Konsequenzen ziehen und seine Drehgenehmigungen präzisieren.

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Spezialeinsatzkräfte der Polizei

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rapper Kianush: "Die Polizei hat das gefeiert"

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Spätestens als plötzlich die echten schweren Jungs mit Sturmmasken, Kampfausrüstung und vollautomatischen Handfeuerwaffen anrückten, war den Verantwortlichen der Offenbacher Produktionsfirma "1take films" klar: Hier ist bei den Vorbereitungen der Dreharbeiten für ein Video des deutschen Rappers Kianush etwas gehörig aus dem Ruder gelaufen.

Polizei könnte Rechnung schicken

Ein Großaufgebot der Polizei stürmte am vergangenen Freitagnachmittag die Tiefgarage eines Rewe-Supermarkts am Frankfurter Berg. Besorgte Zeugen hatten dort von rund 20 maskierten und mit Maschinenpistolen ausgerüsteten Personen berichtet. Speziell ausgebildete Interventionskräfte eilten daraufhin zum Einsatzort – und trafen auf die verdutzten Gangster-Rapper mit ihren Waffenattrappen.

Für die Filmfirma könnte der missglückte Dreh ein teures Nachspiel haben. Noch prüft die Polizei, ob sie dem Offenbacher Unternehmen den Großeinsatz in Rechnung stellen wird. Zur genauen Zahl der eingesetzten Beamten machte eine Sprecherin am Montag zwar keine Angaben. Aber es sei "schon ein größerer Einsatz" gewesen - da gehen die Kosten leicht in die Tausende.

Pauschale Jahres-Drehgenehmigung

Dabei hatte die Produktionsfirma, die unter anderem für das Video des Nummer-1-Hits "Was du Liebe nennst“ von Bausa für einen Echo-Preis nominiert war, ganz regulär eine Erlaubnis für die Filmaufnahmen eingeholt. Das Ordnungsamt Frankfurt bewilligte demnach am 5. Februar eine in solchen Fällen übliche Jahres-Drehgenehmigung - gültig für zwölf Monate, ohne konkrete Zeit- und Ortsangaben.

"Bisher gab es damit nie Probleme", sagte ein Behördensprecher. Anders als in der Genehmigung gefordert, klärte die Produktionsfirma aber offenbar nicht rechtzeitig über den konkreten Drehtermin auf. "Die Nachbarschaft und das zuständige Polizeirevier sind zu informieren", erläuterte der Sprecher die Regularien. Dies ist nach Schilderungen von Polizei und Ordnungsamt nicht geschehen.

Geschäftsführer bestreitet Vorwürfe

Bei "1take films" hält man sich zum Sachverhalt bedeckt. Öffentlich wolle man sich vorerst nicht äußern, teilte das Unternehmen auf Nachfrage mit. Auf Facebook bestritt einer der Geschäftsführer allerdings die verpasste Dreh-Anmeldung bei der Polizei: "Wir haben Bescheid gegeben. Die haben intern nur die Informationen nicht weitergegeben", hieß es dort. Der betroffene Rapper Kianush präzisierte auf Instagram zudem die Personenzahl in der Tiefgarage: "Wir waren nur zu sechst."

Die Polizei wollte diese Darstellungen nicht kommentieren. Unklar ist auch, ob die Filmaufnahmen tatsächlich in der privaten Garage stattfinden sollten. Laut Rewe-Marktleiter hatte sich die Produktionsfirma lediglich um Örtlichkeiten zum Abstellen ihrer Autos und zum Umziehen erkundigt. Die Dreherlaubnis von "1take films" galt für den öffentlichen Raum.

Ordnungsamt will nachbessern

Beim Frankfurter Ordnungsamt will man Lehren aus dem verunglückten Video-Dreh ziehen. Genehmigungen sollen demnach fortan nicht mehr blanko erteilt werden: "Wir wollen von den Antragstellern wissen, was genau sie vorhaben", sagte der Behördensprecher. Auch auf die Gefahren eines Einsatzes waffenähnlicher Gegenstände werde man konkreter hinweisen.

Für die Offenbacher Produzenten kommen diese Tipps womöglich zu spät. Ihnen droht eine saftige Polizei-Rechnung. Immerhin kommen die maskierten Darsteller mit den Maschinenpistolen-Attrappen laut Polizei um strafrechtliche Konsequenzen herum. Ein etwaiger Nachholtermin für den verpassten Rap-Clip ist offen.

Sendung: hr4, 10.2.2019, 14 Uhr