"Die Bahn fährt wieder vom Hbf Wiesbaden." steht auf einem Schild, aufgestellt im Stadtraum.

Nach einem halben Jahr ohne Bahnverkehr soll in der Nacht zum Mittwoch um 0.54 Uhr die erste S-Bahn am Wiesbadener Hauptbahnhof einfahren. Damit dürfte für viele Pendler die Leidenszeit seit Sperrung und Abriss der Salzbachtalbrücke enden.

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Züge fahren wieder über den Wiesbadener Hauptbahnhof

hs
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Als am 18. Juni Betonteile von der Salzbachtalbrücke fielen, wurde der Wiesbadener Hauptbahnhof zum Geisterbahnhof. Seit diesem heißen Freitagabend fuhren kaum noch Züge in die Landeshauptstadt, bis auf die Ländchesbahn war der Bahnverkehr zum Hauptbahnhof komplett eingestellt worden. Das hat nun ein Ende: In der längsten Nacht des Jahres, planmäßig um 0.54 Uhr soll die S1 aus Ober-Roden als erste S-Bahn wieder am dann eiskalten Hauptbahnhof einfahren.

"Roter Teppich" für erste Fahrgäste

"Wir haben immer noch Corona, wir müssen uns beim Feiern ein bißchen einschränken, aber wir werden natürlich die ersten Fahrgäste, die ersten Züge angemessen begrüßen", sagte Julia Katzenbach-Trosch, Sprecherin der Bahn. "Wir werden den roten Teppich ausrollen für unsere Fahrgäste."

Voraussichtlich um 3.18 Uhr soll die erste S-Bahn in Wiesbaden starten, eine S8 nach Hanau. Und dann rollt mit dem morgendlichen Pendlerverkehr auch der Normalbetrieb wieder an: Die Hessische Landesbahn fährt um 4.36 Uhr in Richtung Aschaffenburg ab, ein Vias-Zug um 5:32 Uhr nach Frankfurt.

Schienenersatzverkehr wird eingestellt

Für die Fahrgäste heißt das: Die Bahnlinien RB10, RB33, RB75, S1, S8 und S9 des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) fahren wieder ganz normal über "Wiesbaden Hauptbahnhof". Der Schienenersatzverkehr, der per Bus die Haltestellen Wiesbaden-Ost, Biebrich und Mainz anfuhr, wird nicht mehr benötigt und deshalb eingestellt; ebenso die extra geschaffene Buslinie 928 (letzter Betriebstag: 23.12.). Die Buslinie 172 fährt wieder ihren normalen Linienweg. Die Verstärkerfahrten der Expressbuslinie X26 bleiben hingegen erst einmal erhalten.

Die marode Salzbachtalbrücke war am 18. Juni gesperrt worden, nachdem dort die Fahrbahn abgesackt und Betonteile heruntergefallen waren. Anfang November wurde sie gesprengt. Zuvor mussten darunter liegende Bahngleise, Signalanlagen und Oberleitungen abmontiert und danach wieder aufgebaut werden.

Studie: Fahrzeit stieg um 50 Prozent

Wie stark sich Havarie und Sprengung der Salzbachtalbrücke auf den Verkehr im gesamten Rhein-Main-Gebiet ausgewirkt haben, untersuchte jüngst die University of Applied Sciences in Frankfurt: Dazu fragten Wissenschaftler mehr als 1.300 Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet, wie sie vor und nach der Sperrung unterwegs waren.

Bei fast 70 Prozent der Befragten war das Mobilitätsverhalten direkt betroffen, weil sie normalerweise über die Salzbachtalbrücke, Mainzer Straße oder zum Hauptbahnhof Wiesbaden fuhren. 25 Prozent der Befragten waren indirekt betroffen, weil der Verkehr auf ihren Strecken nach der Sperrung dichter geworden ist. Die meisten mussten ihre Wege und teilweise auch ihre Verkehrsmittel ändern. Laut Befragung stieg die durchschnittliche Fahrzeit für Hin- und Rückweg jeweils um 50 Prozent.

"Insofern sind wir sehr froh, dass diese lange Durststrecke nun endlich vorbei ist", sagte Bahn-Sprecherin Katzenberg-Trosch.

A66-Verkehr muss warten

Schon seit einigen Tagen ist die B263 für Autofahrer wieder freigegeben, auf der Mainzer Straße, die wie die Bahntrasse unter der Salzbachtalbrücke verlief, gibt es keine Einschränkungen mehr. Bis die neue Brücke gebaut ist und auch die Autobahn A66 wieder freigegeben werden kann, wird es vermutlich aber noch bis Mitte 2023 dauern.

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