Frankfurt Heddernheim "Klaa Paris" Fastnachtsumzug

Einen Tag nach dem Angriff auf den Rosenmontagsumzug in Volkmarsen haben rund 80.000 Menschen auf den Straßen in Frankfurt-Heddernheim gefeiert. Im Vergleich zum Vorjahr blieben einige Fastnachter zu Hause. Andere Züge wurden ganz abgesagt.

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Trotz der Tat in Volkmarsen sind am Dienstagnachmittag rund 80.000 Feiernde zum Fastnachtsumzug "Klaa Paris" in Frankfurt-Heddernheim gekommen. Im Vergleich zum Vorjahr sei durchaus eine Abwanderung zu verzeichnen gewesen, berichtete die Polizei Frankfurt am Dienstagnachmittag. 2019 hatten rund 100.000 Besucher beim Stadtteil-Umzug am Fastnachtsdienstag zusammen gefeiert.

Oberbürgermeister ermutigte Feiernde

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte die Besucher zum Feiern aufgerufen. "Wir lassen uns in dieser Stadt von nichts und niemandem einschüchtern", sagte Feldmann am Dienstag.

Frankfurt lasse sich die gute Laune und das Feiern nicht verbieten und sich keine Wertvorstellung mit Gewalt aufzwingen. "Es ist unsere Stadt, die wir heute auch mit diesem Umzug verteidigen." Um 14.31 Uhr setzte sich der Zug bei strahlendem Sonnenschein in Bewegung.

Politische Themen auf den Motivwagen waren Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball oder der AWO-Skandal. Das diejährige Motto lautete "Alle Narren wissen dies, Wechsel nun in Klaa Paris!". Nach 34 Jahren wechselte in diesem Jahr der Vorsitz der Zuggemeinschaft "Klaa Paris".

Fastnachtsumzug "Klaa Paris" in Frankfurt-Heddernheim

Weitere Umzüge fanden statt

Auch in Dieburg fand am Dienstag einer der größten Umzüge im Land statt. "Wir wollen ein Signal gegen all das Destabilisierende setzen", sagte der Vorsitzende des Karnevalvereins Dieburg, Günter Hüttig.

In den sozialen Medien habe der Verein am Dienstag gegen Gerüchte gearbeitet, der Umzug mit 111 Nummern würde ausfallen. Auch in Rodgau-Jügesheim (Offenbach), Erbach (Odenwald) und Friedberg hielten die Veranstalter an den geplanten Umzügen fest.

Mehr Polizisten im Einsatz

Das Innenministerium hatte am Vormittag mitgeteilt, dass es keine konkreten Hinweise darauf gebe, dass sich die Gefährdungslage nach den Vorkommnissen in Nordhessen für die noch geplanten Umzüge im Land erhöht habe. Dennoch wurden vielerorts die Sicherheitsvorkehrungen ein weiteres Mal kontrolliert und verbessert.

In Frankfurt wurde das Sicherheitskonzept in Absprache mit der Polizei überprüft, wie ein Sprecher der Zuggemeinschaft "Klaa Paris" sagte. Die Polizei war während des Umzugs mit erhöhter Präsenz vor Ort. Nach eigenen Angaben seien Beamte im "mittleren dreistelligen Bereich" in Heddernheim unterwegs gewesen, darunter auch Polizisten in Zivil.

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Die Feierei in Heddernheim verlief insgesamt sehr friedlich, hieß es bei der Polizei. Es habe keine Meldungen von körperlichen Auseinandersetzungen gegeben.

Unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen fand auch der Fastnachtsumzug in Heusenstamm (Offenbach) statt, wie die Stadt auf ihrer Homepage mitteilte. Verwaltung und Vertreter der Polizei hätten die Sicherheitslage neu bewertet und sich gegen eine Absage entschieden.

Andere Städte verzichten auf Umzüge

Anders als in Heddernheim fielen auch einige Umzüge in Hessen aus. Dazu zählte auch der Kinderumzug in Wiesbaden-Frauenstein. Das hatte die Polizei Westhessen via Twitter angekündigt.

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Auch in Fritzlar habe man sich schweren Herzens den Empfehlungen der Polizei gebeugt, die aus Sicherheitsgründen zu einer Absage des Kinderumzugs geraten habe, sagte der Präsident des Vereins "Die Eddernarren", Otto May. Dabei habe es ein umfassendes Sicherheitskonzept mit Betonklötzen an den Zufahrtswegen gegeben. Statt des Umzuges konnten die Teilnehmer nun zu einer Fastnachtsveranstaltung in die Stadthalle kommen.

Abgesagt wurden auch drei Umzüge im Main-Kinzig-Kreis: In Mittel-Gründau, Brachttal-Hellstein und Gelnhausen-Höchst fanden die Umzüge in diesem Jahr nicht statt. "Das passiert einerseits aus Solidarität, andererseits aus Sicherheitsgründen", sagte Gelnhausens Bürgermeister Daniel Christian Glöckner (FDP) auf Nachfrage. "Wer hätte gedacht, dass so etwas in einer Kleinstadt wie Volkmarsen passieren kann? Man hat einfach kein gutes Gefühl", erläuterte der Rathauschef die Entscheidung.

Auto raste in Karnevalsumzug in Volkmarsen

Hintergrund für die Absagen war die Tat an Rosenmontag im nordhessischen Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg). Ein Autofahrer raste gegen 14.30 Uhr in eine Menschenmenge beim Karnevalsumzug. Dabei wurden laut Stand der Polizei vom Dienstag fast 60 Menschen verletzt, darunter 18 Kinder. 35 Menschen erlitten schwere Verletzungen. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wollte am Dienstag einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragen.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 25.02.2020, 19.30 Uhr