Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich

Gegen den Bürgermeister von Neukirchen wird ermittelt, seitdem dort drei Geschwisterkinder im Dorfteich ertranken. Jetzt tauchte ein Peilsender am Auto des Bürgermeisters auf. Der reagierte schockiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Peilsender an Auto von Bürgermeister Olbrich gefunden

Weiher in Neukirchen mit Schild: Teichanlage, Betreten auf eigene Gefahr.
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Es war ein Zufallsfund: Bei Reparaturarbeiten an dem Auto des Neukirchener (Schwalm-Eder) Bürgermeisters Klemens Olbrich (CDU) wurde in der vergangenen Woche ein Peilsender entdeckt. Das sagte Olbrichs Anwalt Karl-Christian Schelzke am Montag dem hr und bestätigte damit einen Bericht der HNA.

Wer den Sender dort angebracht hat, ist unklar. Olbrich selbst vermutet, so sagte er der Zeitung, dass Polizeibeamte den Sender bei einer Durchsuchung seines Privathauses an dem Auto installierten.

Staatsanwaltschaft: "Operative Maßnahmen ausgeführt"

Handelt es sich um eine ermittlungstechnische Maßnahme? Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Marburg sagte dem hr lediglich, es seien im Fall Olbrich "operative Maßnahmen aufgrund richterlicher Anordnung ausgeführt" worden. Es gehe um die Aufklärung eines Sachverhalts.

Der Sachverhalt ist folgender: Olbrich wird seit dem Prozess um den Tod von drei Geschwisterkindern im Neukirchener Dorfteich verdächtigt, eine warnende Risikoanalyse zum Dorfteich unterdrückt und Zeugen zur Falschaussage angestiftet zu haben.

Das Amtsgericht Schwalmstadt hatte ihn in einem Urteil vom Februar mitverantwortlich dafür gemacht, dass drei Kinder 2016 in dem Teich ertrunken waren. Der Rathauschef war nach Überzeugung des Gerichts seiner Verkehrssicherungspflicht für den Teich nicht nachgekommen.

Für Olbrich war das nicht nachvollziehbar. Er legte deshalb Berufung gegen das Urteil ein - wie auch die Anklagebehörde. In den Jahren vor dem Unglück habe niemand den Teich als Gefahr gesehen, so lautete die Kernthese seiner Verteidigung.

Falschaussagen zugunsten des Bürgermeisters?

Die Ermittler durchsuchten mehrere Objekte - und fanden im Rathaus unter anderem die warnende Risikoanalyse einer Versicherung aus dem Jahr 2014. Die Staatsanwaltschaft wirft einigen Zeugen nun vor, zugunsten des Bürgermeisters vor Gericht gelogen zu haben. Gleichlautende Antworten seien wahrscheinlich abgestimmt worden. Den Verdacht, Olbrich habe möglicherweise Einfluss auf die Zeugen genommen, wies dessen Anwalt Schelzke zurück.

Ein Zaun umrandet in Teilen das Rasenufer eines Dorfteichs in Neukirchen.

Olbrich selbst zeigte sich der HNA gegenüber "schockiert", dass an seinem Auto ein Peilsender angebracht wurde. Er habe sofort die Polizei verständigt. Sollte es sich tatsächlich um eine Maßnahme der Ermittler handeln, komme ihm diese "völlig unverhältnismäßig" vor. Seine Persönlichkeitsrechte und die seiner Frau würden mit Füßen getreten.

Im Sommer 2016 waren drei Geschwisterkinder im Alter von 5, 8 und 9 Jahren in dem Teich im Neukirchener Ortsteil Seigertshausen ertrunken. Erst nach dem Prozess gegen den Bürgermeister ließ die Stadt den Teich teilweise einzäunen.

Sendung: hr4, 22.06.2020, 17.40 Uhr; hr-fernsehen, hessenschau, 22.06.2020, 19.30 Uhr