Am Bahnübergang in Frankfurt-Nied fährt ein Zug bei halbgeöffneter Schranke durch

Im Mai starb in Frankfurt-Nied eine Jugendliche an einem gefährlichen Bahnübergang. Anwohner fordern dort seit Jahren eine Unterführung. Jetzt soll sie kommen, schneller als geplant. Eine Bürgerintitiative ist noch skeptisch.

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Seit Jahren haben Bürger im Frankfurter Stadtteil Nied gefordert, den Bahnübergang Oeserstraße durch eine Unterführung zu ersetzen. Im Mai war dort eine 16-Jährige ums Leben gekommen, als sie von einem Zug erfasst wurde. Ein Radfahrer und eine Autofahrerin wurden schwer verletzt. Die Schranken waren zum Unglückszeitpunkt oben.

Dreistufiger Plan zum Rückbau des Bahnübergangs

Jetzt wurde der Protest offenbar gehört. Die Deutsche Bahn hat am Dienstag zusammen mit der Stadt Frankfurt einen mehrstufigen Maßnahmenplan vorgestellt, wonach der Bahnübergang mittelfristig durch eine Unterführung für Fußgänger und den Autoverkehr ersetzt werden soll. Dazu sei eine Taskforce gebildet worden, um Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse zu verkürzen.

In einer ersten Stufe werde die Technik der Sicherungsanlage bis zum kommenden Jahr erneuert, teilte die Bahn mit. Die Schranken sollen dann automatisch schließen, sobald sich ein Zug nähert. Erst nach Überprüfung durch einen Schrankenposten vor Ort wird die Freigabe für den Zug erteilt. Geplant ist außerdem eine zusätzliche Ampel.

Fußgängerunterführung bis 2024

In einem zweiten Schritt werde eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer gebaut. Bis 2023/2024 soll sie nach derzeitiger Planung in Betrieb gehen. Mit der letzten Maßnahme, dem Bau einer Straßenunterführung für den Autoverkehr, werde der Bahnübergang dann komplett wegfallen. Auch hier soll die Planung beschleunigt werden. In weniger als zehn Jahren soll die Unterführung fertiggestellt sein. Finanziert werde das Vorhaben von der Bahn und der Stadt.

Mit den Schranken hatte es immer wieder Probleme gegeben. Oft waren sie trotz der Durchfahrt eines Zuges nicht geschlossen oder sie waren minutenlang unten, obwohl gar kein Zug kam. Viele Anwohner, deren Kinder auf dem Weg zur Schule die Bahnlinie überqueren, machten sich große Sorgen. Nach dem tödlichen Unfall kamen rund 200 Menschen zu einer Mahnwache - um der 16-Jährigen zu gedenken, aber auch, um ihrer Forderung nach mehr Sicherheit Nachdruck zu verleihen.

Bürgerinitiative bleibt skeptisch

Im Netz gründete sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen "Die Schranke muss weg". Innerhalb kurzer Zeit hatte sie mehr als 1.000 Mitglieder. Mitgründerin Heike Stoner ist noch sehr skeptisch, was die Ankündigung der Bahn betrifft.

Man werde die kommende Entwicklung kritisch begleiten und abwarten, wie der Informationsfluss in den nächsten Tagen sei, sagte sie dem hr. Sollte der Bau wie geplant umgesetzt werden, würde sie sich darüber freuen. "Aber ich glaube das erst, wenn der erste Spatenstich gesetzt ist."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 7.10.2020, 12.50 Uhr