Teich Neukirchen

Nachdem 2016 drei Kinder ertrunken waren, wurde der Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Weniger Wasser im Teich soll nun für mehr Sicherheit sorgen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nach Unglück: Teich in Neukirchen ausgepumpt

Neukrichen Teich
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Vom Teich im Neukirchener Ortsteil Seigertshausen (Schwalm-Eder) ist nur noch Schlamm und etwas braunes Wasser übrig. Bürgermeister Klemens Olbrich (CDU) ließ den Teich auspumpen, aus Sicherheitsgründen. Im Sommer 2016 ertranken hier drei Geschwisterkinder. Noch immer stehen an einem kleinen Steg Kerzen und Kuscheltiere, die an sie erinnern.

Zäune, Warnschilder, Auspumpen

Für Olbrich hatte das Unglück juristische Folgen. Im Februar wurde er wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht befand, dass das Ufer nicht ausreichend abgesichert war und die Kinder so ins Wasser gelangen und ertrinken konnten. Eine Entscheidung, die von Kommunen in ganz Deutschland beobachtet wurde. Olbrich legte Berufung ein.

Nach dem Unglück wurden Teile des Teichs eingezäunt und Warnschilder aufgestellt. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss im Juni, der Bürgermeister müsse noch mehr tun, am besten eine komplette Einzäunung. Aber das sei finanziell, zeitlich und gerade in der Urlaubssaison nicht schnell genug möglich gewesen, sagte Olbrich dem hr: "Das Einfachste war, den Wasserspiegel abzusenken, das war schnell zu bewältigen."

Anrufe aus dem Schwarzwald und Mecklenburg-Vorpommern

Seit Montag wurde gepumpt. Etwa die Hälfte des Wasser soll verbleiben, damit die Fische noch etwas Lebensraum haben. Um den Brandschutz müsse sich angesichts des halbleeren Teichs keiner sorgen, sagt Olbrich, es gebe genug Reserven für die Feuerwehr.

Seit dem Urteil im Fall der drei toten Kinder erreichten Olbrich Solidaritätsbekundungen und viele Anrufe: Es hätten sich Gemeinden von der Mecklenburgischen Seenplatte, aus dem Oldenburger Land und dem Schwarzwald gemeldet, sagt er. Alle Orte stellt das Urteil vor die Frage: Wie können künstliche Gewässer wie Teiche, Bäche, aber auch Baggerseen sicherer gemacht werde?

Alle müssten nun "vernünftige Lösungen" finden, sagt Olbrich. In Bebra (Hersfeld-Rotenburg) wurde etwa diese Woche ein Teich mit in einem Park komplett mit einem Bauzaun umzäunt - eine Reaktion auf das Urteil gegen Olbrich, berichtet die Hersfelder Zeitung.

Ermittlungen gegen Zeugen

Nach der Verurteilung im Februar ermittelte die Staatsanwaltschaft Marburg gegen sechs Zeugen wegen Falschaussage. Ein Schreiben einer Versicherung aus dem Jahr 2014 war aufgetaucht, die die Teichanlage für Kinder als verkehrsgefährdend einstufte und eine Einzäunung empfahl, um spielende Kinder fernzuhalten.

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, die Zeugen hätten im Prozess falsch ausgesagt, um Olbrich zu schützen. Olbrich leitete im Mai eine interne Untersuchung ein, um herauszufinden, wer von dem Dokument wusste.

Im November wird ein neuer Bürgermeister gewählt in Neukirchen, es gibt nur einen Kandidaten. Olbrich wird dann in Rente gehen. Nach 30 Dienstjahren bildeten die vergangenen Jahre kein schönes Ende, sagt Olbrich: "Das tragische Unglück der drei Kinder wird mich mein Leben lang begleiten."

Sendung: hr4, 21.08.2020, 12.15 Uhr