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Audioseite Mit-Organisatorin spricht über Gegendemo von Schülern in Ranstadt

Etwa 100 Teilnehmer versammelten sich zur Gegendemo ohne Demo in Ranstadt.

Ein Gericht hat eine Mahnwache der NPD für einen erstochenen Jugendlichen in Ranstadt erlaubt. Am Ende war von den Rechtsextremen nichts zu sehen. Stattdessen sandten Mitschüler ein Zeichen.

Rund 100 Menschen haben sich am frühen Dienstagabend in Ranstadt (Wetterau) versammelt, um nach dem gewaltsamen Tod eines 18-Jährigen vor einer Schule eine Instrumentalisierung der Tat durch die NPD zu verhindern. Unter den Gegendemonstranten waren Mitschüler des Getöteten und deren Eltern.

Ihnen gegenüber stand aber niemand: Die rechtsextreme NPD hatte ihre zuvor angemeldete Mahnwache nach Angaben der Polizei vor Ort kurzfristig abgesagt.

Organisatoren der Gegendemo

Um die NPD-Mahnwache hatte es bis zuletzt Wirbel gegeben. Nachdem der Kreis die Veranstaltung mit Verweis auf die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit untersagt hatte, zog die NPD per Eilantrag vor das Verwaltungsgericht Gießen. Das entschied am Dienstagnachmittag: Die Mahnwache darf stattfinden, wenn auch unter Auflagen - unter anderem eine Begrenzung auf 15 Teilnehmer, die einen Mund-Nase-Schutz tragen müssen.

"Kein Millimeter nach rechts"

"Ich bedauere sehr, dass das Gericht unserer Ansicht nicht gefolgt ist und die Versammlung mit ihrem ganz offensichtlich volksverhetzenden Motto erlaubt", teilte die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch (SPD) zu der Entscheidung mit. Die NPD hatte die Mahnwache unter dem Motto "Migration tötet - Messerstecher konsequent abschieben" angemeldet.

Eine Botschaft, die die Mitschüler des Opfers so nicht stehen lassen wollten. Deswegen versammelten sie sich am frühen Abend vor dem Rathaus und hielten auch ohne die Adressaten Schilder mit Botschaften wie "Respekt" und "Kein Millimeter nach Rechts" hoch. Auch Reden wurden gehalten.

"Sein Tod wird bereits instrumentalisiert"

Jennifer, eine Mitschülerin des Getöteten und Mitorganisatorin der Gegendemo (Nachname der Redaktion bekannt), war die Demo nach eigener Aussage ein besonderes Anliegen. "Alex' Tod wird bereits instrumentalisiert", sagte sie mit Blick auf den NPD-Aufruf. Dem wolle sie im Namen ganz Ranstadts einen Kontrast gegenüberstellen: "Wir wollen ein schönes Bild abgeben."

Jennifer, Ex-Mitschülerin des Getöteten und Mitorganisatorin der Gegendemo, mit einer klaren Botschaft an die NPD.

Der 18-Jährige wurde am Mittwoch vergangener Woche mit einem Messerstich getötet. Er, der mutmaßliche Haupttäter und ein weiterer 17-Jährigen waren zuvor in Streit geraten. Die Hintergründe sind unbekannt. Der mutmaßliche Täter sitzt in U-Haft. Er ist nach Angaben der Polizei ein Deutscher.

Trauernde haben Kerzen und Blumen am Tatort in Ranstadt niedergelegt.

Sendung: hr-iNFO, 26.1.2021, 18 Uhr