Menschen trauern an einer Straßenkreuzung im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, an der Blumen und Kerzen an die Opfer eines tödlichen Verkehrsunfalls vom vergangenen Samstag erinnern. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei waren zwei Fußgänger von einem Pkw erfasst worden, da der Fahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war.

Bei zwei Verkehrsunfällen mit Autos innerhalb weniger Wochen kamen in Frankfurt Fußgänger ums Leben - vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit. Blitzer können nach Ansicht der Stadt nur bedingt helfen. Es brauche härtere Strafen für zu schnelles Fahren.

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Audioseite hr-Reporter: "Kerzen und Blumen liegen hier"

Trauer nach dem Unfall
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"Mir war klar, dass hier einer Tote in Kauf nimmt. Das war eine Amok-Fahrt." So beschreibt ein Zeuge das, was am Samstag im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen passiert ist. Die Polizei geht aktuell davon aus, dass der 38 Jahre alte Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Mörfelder Landstraße unterwegs war und eine rote Ampel überfuhr. Dabei erfasste er zwei Fußgänger, die an ihren schweren Verletzungen starben.

Mehr als 50 Zeugen sagten laut Polizei mittlerweile aus, dass der Fahrer eines Peugeot 208 zu schnell unterwegs gewesen sei. Der Straßenzug im Stadtteil Sachsenhausen ist laut städtischem Straßenverkehrsamt bisher nicht für häufige Unfälle bekannt gewesen.

Nicht als Unfallschwerpunkt bekannt

"Natürlich gibt es dort auch Unfälle, aber angesichts der Verkehrsbedeutung ist die Unfallbelastung nicht auffällig", erklärt Leiterin Petra Lau. Das würden die Ergebnisse der mobilen Geschwindigkeitskontrollen bestätigen.

Auch dem zuständigen Ortsbeirat 5 ist die Mörfelder Landstraße bisher nicht als Unfallschwerpunkt aufgefallen. Laut Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) ist die Straße aber in einem desolaten Zustand.

Seit 2018 habe der Ortsbeirat deshalb mehrere Anträge bei der Stadtverordnetenversammlung eingebracht, unter anderem zur Sanierung der Straße, zur Erneuerung der Eisenbahnüberführung und zum Ausbau des Radwegenetzes. "Aber gegen ein bewusstes Übertreten der Geschwindigkeit und das Überfahren einer roten Ampel hilft das auch nicht", sagt Becker.

Allgemeine Verkehrssicherheit nicht verschlechtert

Der Fall vom Wochenende erinnert in vielerlei Hinsicht an einen Unfall aus dem November. Dabei wurden im Frankfurter Ostend drei Menschen erfasst. Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer eines SUV zu schnell unterwegs war. Zwei der Unfallopfer starben, eines wurde schwer verletzt.

Straßenverkehrsamt-Leiterin Lau sieht in der Häufung solcher Unfälle keinen Hinweis darauf, dass die allgemeine Verkehrssicherheit sich verschlechtere. Mit der wachsenden Einwohnerzahl von Frankfurt habe zwar auch der Verkehr zugenommen. Dennoch sinke die Zahl der im Verkehr zu Schaden gekommenen Personen seit einigen Jahren. "Diese Raserunfälle sind ein eigenes, sehr besorgniserrendes Phänomen."

Das deckt sich mit dem aktuellen Verkehrssicherheitsbericht der Frankfurter Polizei aus dem Jahr 2019. Danach ist die Zahl der Unfälle mit Todesfolge durch überhöhte Geschwindigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Aber was tun? Eine Bürgerinitiative etwa fordert seit dem Unfall im Ostend Tempolimit 30 und mehr Blitzer für die Oskar-von-Miller-Straße und die Sonnemannstraße. Über 5.800 Personen haben eine entsprechende Onlinepetition unterzeichnet.

Mobile Blitzer für mehr Kontrolle?

Die Stadt will nun in einer systematische Überprüfung ermitteln, ob die in der Oskar-von-Miller-Straße gefahrenen Geschwindigkeiten allgemein zu hoch sind oder ob der Unfall aus dem Herbst ein Einzelfall war. Dabei kommen unter anderem mobile Blitzer-Anhänger, sogenannte Enforcement Trailer zum Einsatz. Sie können unbemannt Tag und Nacht im Einsatz sein.

Weil er rechtlich wie eine ortsfeste Anlage behandelt wird, muss ein neuer Standort laut der Leiterin des Straßenverkehrsamts aber umständlich beantragt werden. Im Falle der Oskar-von-Miller-Straße sei das zwar schnell genehmigt worden. "Die Standorte sind wie die anderen festen Anlagen aber natürlich sehr schnell bekannt. Wir würden uns dringend wünschen, die Trailer genau so flexibel einsetzen zu dürfen wie unsere bemannten Radarautos", so Lau.

Härtere Strafen für Raser gefordert

Dass infrastrukturelle Maßnahmen derartige Unfälle zukünftig verhindern können, bezweifelt sie aber und nimmt den Bundesverkehrsminister in die Pflicht: "Insgesamt ist aus unserer Sicht der Umgang mit verkehrsgefährdendem Regelbruch in diesem Land weiterhin viel zu lasch."

Allein die Stadt Frankfurt kontrolliere jährlich über eine Million Autos mit den mobilen Radarwagen. "Aber auf die lange überfällige Novelle des Bußgeldkatalogs mit seinem viel zu niedrigen Sanktionsniveau wartet das ganze Land noch immer. Da werden die Kommunen einfach allein gelassen."

Ortsvorsteher Becker formuliert es noch drastischer: "Wer einen Führerschein bekommt, erhält eine große Verantwortung, vor allem für andere. Ich muss wissen, mit welcher Waffe ich unterwegs bin." Wer dem nicht gerecht werde, müsste hart bestraft werden. "Bei so was reicht ein Bußgeld nicht mehr aus. Solchen Fahrern darf man den Führerschein nie wieder geben. Es muss gezeigt werden, dass so etwas nicht geht in unserer Gesellschaft."

Weitere Informationen

Neuer Bußgeldkatalogs außer Kraft gesetzt

Im Februar letzten Jahres wurde auf Bundesebene zwar eine Änderung der Straßenverkehrsordnung und des Bußgeldkatalogs beschlossen. Sie sah auch deutlich härtere Strafen für zu schnelles Fahren vor. Wegen eines Formfehlers wurde die Anwendung aber außer Kraft gesetzt.

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Sendung: hr-iNFO, 15.02.2021, 11:20 Uhr