Zerstörte Bushaltestelle nach dem Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof

Nach dem tödlichen Busunglück in Wiesbaden ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen zwei Busfahrer wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Möglicherweise wurde der Bus nicht ordnungsgemäß übergeben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ermittlungen gegen Busfahrer in Wiesbaden

Collage: Busunfall vor dem Hauptbahnhof in Wiesbaden
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Es wird sowohl gegen den 65 Jahre alten Fahrer des Unfallbusses ermittelt, als auch gegen den Fahrer, der ihm den Bus übergeben hatte. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Die Ermittlungen liefen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung.

Es besteht der Verdacht, dass der Bus vor dem Unfall am 21. November 2019 in einem nicht ordnungsgemäßen Zustand übergeben wurde, wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn dem hr sagte. "Ob dies tatsächlich der Fall war, ist ebenso Gegenstand der Ermittlungen wie die Frage, ob in diesem Fall eine Kausalität für das Unfallgeschehen angenommen werden kann."

FAZ: Druckluftbremse fehlerhaft eingestellt

Laut FAZ führten eventuell fehlerhafte Einstellungen der Druckluftbremse und der Automatik-Schaltung zu dem Unglück. Es gibt demnach in jedem Bus einen Notlöseknopf. Wird dieser gedrückt, löst sich die Haltestellenbremse, die mit Druckluft funktioniert. Dann können die Fahrer auch mit geöffneten Türen losfahren und diese später vom Fahrersitz aus schließen.

Busfahrer sollen dem Bericht zufolge zum Beispiel so vorgegangen sein, wenn der Bus an einer Haltestelle abgesenkt worden war und sich die geöffneten Türen am Bordstein verkeilten. Eigentlich sollten sie vom Fahrersitz aufstehen und die Türen händisch wieder schließen.

Rundschreiben an Busfahrer

Zeugen berichteten, dass der Unfallbus mit geöffneten Türen losgefahren sei. Auch ein Rundschreiben des städtischen Unternehmens ESWE Verkehr deutet laut FAZ darauf hin, dass der Notlöseknopf im Bus von Fahrern hin und wieder betätigt wird, wenn kein Notfall vorliegt. Die Busfahrer des Unternehmens werden in dem Schreiben dazu angehalten, die Notlösevorrichtung für die Haltestellenbremse nur noch dann zu betätigen, wenn dies von der Leitstelle genehmigt wurde.

In dem Schreiben wird demnach auch erklärt, wie die Haltestellenbremse und die Einstellung der Automatikschaltung bei einem Fahrerwechsel vorzunehmen sind.

Ein Toter und 23 Verletzte bei Busunfall

Eine offizielle Bestätigung, dass falsche Einstellungen zu dem tödlichen Unfall führten, gibt es nicht. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Zeugen befragt. Die Zeugenvernehmungen sind zwar abgeschlossen, es fehlt aber noch das Sachverständigen-Gutachten für weitere Erkenntnisse zum Unfallhergang, wie die Staatsanwaltschaft weiter berichtete.

Der verheerende Busunfall hatte sich am 21. November vor dem Hauptbahnhof Wiesbaden ereignet. Der Fahrer des Linienbusses hatte laut Polizei beim Halt am Bussteig kurz vor dem Hauptbahnhof Fahrgäste ein- und aussteigen lassen. Statt dann nach rechts auf den Kaiser-Friedrich-Ring zu fahren, verlor er offenbar die Kontrolle über den Bus und fuhr geradeaus in Richtung Bahnhofsgebäude.

Der Bus schoss über mehrere Fahrspuren und stieß mit einigen Autos zusammen. Er fuhr über einen Grünstreifen und erfasste schließlich Wartende an einer Bushaltestelle. Ein 85-jähriger Mann kam dabei ums Leben. 23 Menschen wurden verletzt.

Der Fahrer des Unfallbusses äußerte sich bislang nicht zu dem Unglück.

Sendung: hr-iNFO, 06.02.2020, 15.00 Uhr