Verbotsschild an der Unglücksstelle in Trebur.

Vor einer Woche ertranken eine Mutter und ihr fünf Jahre alter Sohn im Rhein bei Trebur. Die Gemeinde stellte am Unglücksort "Baden verboten"-Schilder auf, muss diese jedoch wieder entfernen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trebur muss Warnschilder austauschen

Zwei Kreuze am Rhein in Trebur erinnern an den ertrunkenen Fünfjährigen und seine Mutter.
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Eine Sprecherin der Gemeinde Trebur (Groß-Gerau) teilte dem hr am Montag mit, man habe keine rechtliche Handhabe, an der Unglücksstelle ein Badeverbot auszusprechen. Der Rhein falle nicht in die Zuständigkeit der Kommune.

Beim Versuch, ihren fünfjährigen Jungen aus dem Rhein bei Trebur zu retten, kam am Samstag vor einer Woche eine 30 Jahre alte Frau ums Leben. Auch das Kind starb. Es war bei der Rheinstelle "Kornsand" in den Fluss geraten.

Für den Rhein ist der Bund zuständig

Unter dem Eindruck des tragischen Unfalls stellte die Gemeindeverwaltung zwei weiße Kreuze als Erinnerung an die beiden Toten und ein Schild mit dem Hinweis "Baden verboten" auf. Dieses Schild muss Trebur wieder entfernen, da nur die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ein Badeverbot für den Rhein als internationale Wasserverkehrsstraße aussprechen kann.

Suchaktion auf dem Rhein bei Trebur

Ein solches Verbot besteht laut der seit 1970 gültigen "Verordnung über das Baden in den Bundeswasserstraßen Rhein, Neckar, Main, Lahn, Mosel und Saar" jedoch nur in der Nähe von Häfen, Wehren und nach Stromkilometern genau beschriebenen Stellen. Dasselbe gilt für all die anderen Flüsse in Deutschland. An der Unglücksstelle bei Trebur, scheinbar eine seichte Bucht, ist Baden nicht verboten, wie ein Sprecher der hessischen Wasserschutzpolizei am Montag bestätigte.

Warnung vor Baden im Fluss

Die Polizei - ebenso wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) - rät jedoch vom Schwimmen im Rhein und anderen Flüssen wegen der tückischen Strömungsverhältnisse dringend ab. Die Verordnung aus dem Jahr 1970 soll in absehbarer Zeit novelliert werden.

Die Gemeinde Trebur hat bereits neue Schilder in Auftrag gegeben, die an der Unglücksstelle dringend vor dem Schwimmen im Fluss warnen sollen. Bis dahin sollen die Verbotsschilder stehen bleiben. Sie nach einem solchen Unfall einfach zu entfernen, erscheint der Gemeindeverwaltung unangebracht.

Sendung: hr4, 06.07.2020, 17.30 Uhr