Rückenansicht der 73-Jährigen Angeklagten an der Seite ihres Anwalts.

Einen Tag nach dem Mordurteil gegen eine mutmaßliche Sekten-Chefin in Hanau ist auch die Mutter des vor mehr als 30 Jahren getöteten Kindes verhaftet worden. Ihr wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Nachdem am Donnerstag eine mutmaßliche Sektenchefin aus Hanau wegen des Todes eines Vierjährigen vor 32 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, ist nun auch die Mutter des ermordeten Jungen verhaftet wurden. Wie die Staatsanwaltschaft Hanau am Freitagabend mitteilte, wurde die 59-Jährige in Leipzig festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte unmittelbar nach der Urteilsverkündung am Donnerstag einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gestellt. Die Ermittler werfen der Mutter Beihilfe zum Mord an ihrem Kind vor.

Mutter nahm Sektenchefin in Schutz

In dem Prozess vor dem Hanauer Landgericht hatte sich die 73-jährige Sylvia D., die einer Sekte vorstehen soll, wegen des Todes des damals vierjährigen Jan H. verantworten müssen. Das Gericht war zu der Überzeugung gelangt, dass Sylvia D. den Jungen in einen Leinensack geschnürt und dann sich selbst überlassen hatte. Das Kind hatte danach das Bewusstsein verloren und war an seinem eigenen Erbrochenen erstickt.

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Die Mutter von Jan H. , die ihr Kind in die Obhut der Sektenchefin gegeben hatte, hatte Sylvia D. im Prozess verteidigt und behauptet, dass diese "liebevoll" mit den Kindern der Gemeinschaft umgegangen sei.

Die Ermittlungsbehörden hatten den Fall über Jahrzehnte als Unfall behandelt. Erst als sich einige Sektenaussteiger dem hr und der Frankfurter Rundschau anvertraut hatten, waren die Ermittlungen wieder aufgenommen worden.