Der EnBW-Solarpark "Weesow-Willmersdorf" im brandenburgischen Landkreis Barnim. (ZB)

Die Gemeinde Niedernhausen im Taunus will bis 2030 klimaneutral werden. Allerdings ohne Windkraft, weil dafür Wald gerodet werden müsste. Stattdessen soll ein Solarpark entstehen – mitten im Naherholungsgebiet.

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Audioseite Anwohner protestieren gegen Solarpark

Protestplakate gegen den Solarpark in Niedernhausen
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Vor dem Eingang zur Autalhalle in Niedernhausen (Rheingau-Taunus) stehen Mitglieder einer Bürgerinitiative Spalier. Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend zum geplanten Solarpark halten sie Transparente hoch. "Geht‘s auch kleiner?", heißt es da in bunten Blockbuchstaben. Oder: "Ackerland nicht in Investorenhand", "Solarpark ja, aber nicht an diesem Standort".

Anwohnerin Christel Koch bringt die Stimmung der Protestierenden auf den Punkt: "Warum immer Niederseelbach? Wir haben die A3, den ICE, die Regionalbahn. Einen Solarpark in der Größe, wie er geplant ist, und vor allem, wo er geplant ist, brauchen wir definitiv nicht." Das fragliche Gelände, auf dem Solarpanels errichtet werden sollen, sei ein Naherholungsgebiet, ergänzt Mitstreiterin Ursula Jobelius: "Es gibt auf jeden Fall geeignetere Standorte."

Projektentwickler lobt idealen Standort

Es geht um 4,2 Hektar am Rand des Niedernhausener Ortsteils Niederseelbach. Die Firma Trianel aus Aachen, ein Netzwerk kommunaler Stadtwerke, will dort einen Solarpark bauen. Der soll fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern.

Alles spricht für diesen Standort, sagt Projektentwickler Bastian Fiedler: "Es ist sehr weit von der Wohnbebauung entfernt, es ist ein Südhang, der sehr effizient und gut nutzbar ist und es sind keinerlei Verschattungen vor Ort." Trianel entwickelt solche Projekte bundesweit und sucht dafür gezielt Flächen entlang von Schienen und Autobahnen. Denn dort werden sie nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert.

Bürgermeister sieht Chancen

Die Gemeinde Niedernhausen befürwortet den Solarpark und hat 2019 die Bauleitplanung auf den Weg gebracht. Seitdem sind zwei Jahre vergangen, in denen der Investor unter anderem Gutachten vorgelegt hat, dass die Solarpanels weder blenden noch Schall verstärken.

"Für das Projekt spricht sicherlich, dass wir mit dem Solarpark in Niederseelbach einen ganz wesentlichen Beitrag zur Erzeugung erneuerbarer Energien in unserer Kommune leisten können, der deutlich über dem Niveau dessen liegt, was bisher mit Photovoltaik hier erzielt wird", erklärt Bürgermeister Joachim Reimann (CDU).

Anwohner wollen Naherholungsgebiet behalten

Doch der Ortsbeirat Niederseelbach, die Jagdgenossenschaft und viele Anwohner lehnen das Vorhaben ab. Im September hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die mehr als 700 Unterschriften gesammelt hat. Nicht generell gegen einen Solarpark in Niederseelbach, sondern gegen den geplanten Standort in dem beliebten Naherholungsgebiet, betont der Vorsitzende Ingo Weber.

"Da sind Wanderstrecken, Menschen, die mit ihrem Hund spazieren gehen, da sind Sportler, Läufer, Fahrradfahrer", zählt Weber auf: "Wir haben sehr viele Menschen aus Frankfurt oder Wiesbaden, die das gerne als Wanderstrecke nutzen, um nach Idstein zu laufen oder zum Beispiel den Limesturm besuchen wollen." Bis zu drei Meter hohe Solarpanels dürften dort den Blick ins Grüne nicht verstellen, so die Forderung.

Ortsbeirat schlägt Alternativen vor

Der Ortsbeirat schlägt deshalb andere Flächen in Niederseelbach vor, etwa entlang der A3. Mehrere kleine Solarparks statt eines großen. Doch das lehnt der Investor Trianel als ineffizient ab. Die Bürger können ihre Bedenken im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung ab Dezember noch einbringen. Ob das Projekt 2023 ans Netz gehen kann, entscheidet letzten Endes die Gemeindevertretung.

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