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Audioseite Durchsuchungen gegen Rechtsextreme in ganz Hessen

Ein hessischer Polizist in Uniform mit Dienstwaffe.

Es geht um Volksverhetzung, Nazi-Symbole, Kinderpornographie: An mehreren Orten in Hessen hat die Polizei Wohnungen von Rechtsextremen durchsucht und Beweismaterial sichergestellt.

Am frühen Mittwochmorgen hat es eine groß angelegte, hessenweite Razzia gegen Rechtsextremismus gegeben. Wie das Landeskriminalamt (LKA) am Donnerstag mitteilte, durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft insgesamt acht Wohnungen an mehreren Orten: in den Kreisen Marburg-Biedenkopf, Darmstadt-Dieburg, Kassel und im Odenwaldkreis.

Neun Männer und drei Frauen tatverdächtig

Dabei habe es sich um Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Darmstadt, Frankfurt, Kassel und Marburg im Kampf gegen Rechtsextremismus gehandelt - unter Federführung des LKA.

Zwölf Tatverdächtige hatten die Ermittler dabei im Visier: neun Männer und drei Frauen im Alter von 14 bis 54 Jahren - alle sind deutsche Staatsangehörige. Ihnen werde unter anderem die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, sowie Volksverhetzung vorgeworfen, teilte das LKA mit. Im Laufe der Ermittlungen sei außerdem der Vorwurf Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Inhalte hinzugekommen.

Chatgruppen mit volksverhetzenden Posts

Die Staatsanwaltschaft Marburg erklärte auf hr-Anfrage, Anlass der Dursuchungen seien WhatsApp-Gruppen mit möglicherweise nationalsozialistischen Inhalten gewesen - unter anderem könnten dort Hakenkreuz-Bilder geteilt worden seien. Die Beschuldigten stünden im Verdacht, volksverhetzende Posts geteilt zu haben.

In einem Fall ging es laut den Ermittlern um Bilder, bei denen Opfer des Holocaust verächtlich dargestellt wurden. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft Marburg gegen sieben Beschuldigte. Vier von ihnen stünden außerdem im Verdacht, kinderpornographische Schriften verbreitet zu haben.

Frankfurter Rapper bedroht

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen einen 28-Jährigen, dessen Wohnung in Pfungstadt im Zuge der Razzia durchsucht wurde: Er soll einen Frankfurter Rapper mit rechtsextremistischen Äußerungen beleidigt und bedroht haben, teilte die Staatsanwaltschaft auf hr-Anfrage mit.

Festgenommen wurde laut Mitteilung des LKA niemand. Die Beamten beschlagnahmten Datenträger als Beweismittel: Sie nahmen Handys der Beschuldigten mit. Im nächsten Schritt müssten sie herausfinden, wer konkret in den Haushalten Mitglied der WhatsApp-Gruppen war, hieß es von der Anklagebehörde in Marburg. Die Zahl der Beschuldigten könne sich im Laufe der Ermittlungen reduzieren.

Durchsuchung gegen "Berserker" in Wiesbaden

Eine weitere Razzia führten die Beamten in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft Berlin durch: In Wiesbaden durchsuchten sie die Wohnung eines 57-Jährigen. Dies gehörte zu einer Aktion gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Gruppe "Berserker-Clan", die bereits am Mittwoch bekannt geworden war.

Die Beteiligten sollen sich über einen bewaffneten Aufstand gegen die bestehenden Strukturen in Deutschland ausgetauscht haben. Auch dem 57-Jährigen werde vorgeworfen, Mitglied bei den "Berserkern" zu sein.

Im Zuge der "Berserker"-Razzia am Mittwoch hatten Beamte mehrerer Spezialeinsatzkommandos 14 Wohnungen und Büros in Berlin, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hessen durchsucht. Dabei wurden Beweismittel und Waffen sichergestellt.

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