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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hanau Thema im Innenausschuss des Bundestags

Eine Frau steht auf dem Marktplatz am Denkmal der Brüder Grimm, an dem die Bürger mit Blumen, Plakaten und Kerzen ihre Trauer zum Ausdruck bringen.

Der Todesschütze von Hanau hatte noch 350 Patronen in seinem Rucksack, als die Polizei seine Leiche fand. Das und weitere Details aus der Tatnacht berichtete der Generalbundesanwalt im Innenausschuss des Bundestages.

Generalbundesanwalt Peter Frank berichtete am Donnerstag in nicht-öffentlicher Sitzung dem Innenausschuss des Deutschen Bundestags über bislang nicht bekannte Einzelheiten zu den tödlichen Schüssen in Hanau mit insgesamt elf Toten.

Der schnelle Überblick:

  • Tobias R. wurde vor dem Attentat wegen Falschparkens kontrolliert
  • er erschoss ab 21.58 Uhr innerhalb von zwölf Minuten neun Menschen
  • gut fünf Stunden später stürmte SEK seine Wohnung und fand ihn und seine Mutter tot
  • Polizei findet drei Schusswaffen und Rucksack mit 350 Patronen
  • Bundesinnenminister sieht hohe Bedrohungslage durch Rechtsextreme

Auto vor Attentat in Tatort-Nähe kontrolliert

Der Todesschütze von Hanau wurde etwa eine Stunde vor Abgabe des ersten Schusses wegen Falschparkens kontrolliert. Wie Teilnehmer einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestages am Donnerstag in Berlin berichteten, stand sein Auto in der Nähe des ersten Tatorts auf einem Behindertenparkplatz.

Er habe bei der Kontrolle nicht aggressiv reagiert und sein Fahrzeug schließlich an einer anderen Stelle geparkt, erfuhren die Teilnehmer demnach von Generalbundesanwalt Peter Frank.

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Hinweise über mögliche Mitwisser oder Unterstützer gebe es bislang nicht, berichteten die Abgeordneten. Allerdings warteten die Ermittler noch auf Auskünfte des FBI zu möglichen Kontakten von Tobias R. während einer Reise in die USA im November 2018.

Neun Tote in zwölf Minuten

Den Angaben zufolge erschoss der mutmaßliche Attentäter Tobias R. am Mittwoch vergangener Woche innerhalb von zwölf Minuten neun Menschen. Er suchte offensichtlich gezielt Menschen mit ausländischen Wurzeln als Opfer aus. Er sei "sehr strategisch und planvoll vorgegangen", sagte Konstantin von Notz (Grüne).

Die Abgeordneten berichteten unter Berufung auf Frank, der Attentäter habe um 21.58 Uhr zuerst einen Menschen auf der Straße erschossen. Dann sei er geflohen und habe unterwegs einen zweiten Menschen getötet, bevor er weiter zur Bar Midnight fuhr und dort vier Schüsse durch die Tür abgab.

An diesem Tatort sei ein Mensch gestorben, hieß es. Als er weiterfuhr, tötete der Mann einen weiteren Menschen. Im Vorraum eines Kiosks habe er dann vier Menschen getötet. In der benachbarten Arena Bar gab es demnach einen Toten und mehrere Verletzte.

SEK stürmt Wohnung um 3.03 Uhr

Um 22.10 Uhr sei der Todesschütze dann mit dem Auto zur Wohnung seiner Eltern gefahren. Dort soll sein Auto - nach Auswertung einer Video-Aufnahme und Kennzeichen-Abfrage - um 23.10 Uhr festgestellt worden sein. Wie ein Abgeordneter berichtete, klingelte die Polizei erst - vergeblich - an der Tür.

Dann sei eine Drohne losgeschickt worden, um durch das Fenster schauen zu können. Das Spezialeinsatzkommando sei um 3.03 Uhr in die Wohnung eingedrungen, berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung übereinstimmend.

Ihren Angaben zufolge lag die Mutter, die zuletzt pflegebedürftig gewesen war, tot im Wohnzimmer. Die Leiche von Tobias R. sei am Kellerabgang gefunden worden. Die Grünen fragten, warum es so lange gedauert habe, bis die Polizei zugriff.

Noch 350 Patronen im Rucksack

Die Polizei fand nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung drei Schusswaffen: Eine lag im Auto, eine bei der Leiche von Tobias R., eine weitere an einem anderen Ort in der Wohnung. Nach Informationen des SWR hatte sich Tobias R. kurz vor der Tat eine Pistole bei einem Hanauer Waffenhändler ausgeliehen.

Der 43-jährige Tobias R. besaß als Sportschütze eine Waffenbesitzkarte. Sportschützen dürfen sich Waffen - etwa zu Testzwecken - für bis zu vier Wochen ausleihen.

Die Abgeordneten erfuhren, der Todesschütze habe insgesamt 52 Schuss abgegeben. Im Wagen lagen noch 18 weitere Patronen. In einem Rucksack in seinem Zimmer fanden Ermittler demnach später noch 350 Patronen.

Der rechtsextreme Tobias R. litt offensichtlich unter Wahnvorstellungen. Er hatte im November 2019 ein Schreiben an den Generalbundesanwalt geschickt, in dem er erklärte, er werde illegal überwacht.

Bundesinnenminister: "Hohe Bedrohungslage" durch Rechtsextremismus

Die Sitzung begann mit einer Gedenkminute für die Opfer des Anschlags. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, es gebe aktuell eine "hohe Bedrohungslage" durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Er sei jetzt im Gespräch mit islamischen Gemeinden dazu, wie Moscheen am besten geschützt werden könnten.

Die Polizei stuft derzeit bundesweit 59 Menschen als rechtsextremistische Gefährder ein. Das sind Menschen, denen man eine schwere staatsgefährdende Straftat zutraut, bis hin zu einem Anschlag. Weitere 126 Menschen gelten als "relevante Personen" im rechtsextremen Spektrum.

Sendung: hr-iNFO, 27.02.2020, 17.40 Uhr