Eingangsbereich von Land- und Amtsgericht Limburg
In Limburg wird der Doppelmord aus Frankfurt neu verhandelt. Bild © picture-alliance/dpa

Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat vor dem Landgericht Limburg der neue Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder vom Frankfurter Justizzentrum begonnen. Ein älteres Urteil war gekippt worden.

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Zeugentisch in einem Verhandlungssaal im Landgericht Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neuer Prozess nun vor dem Landgericht Limburg

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Nun geht der ganze Prozess wieder von vorne los und dieses Mal in Limburg: Der heute vermutlich 58 Jahre alte Hayamon S. muss sich seit Freitag wegen zweifachen Mordes vor der Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht verantworten. Zu dem Alter des Mannes gibt es unterschiedliche Angaben. Die Verhandlung begann in gereizter Stimmung. "Die haben meinen Bruder getötet", rief der Angeklagte, als die Anklage verlesen wurde. Dafür entschuldigte er sich später.

In einer Erklärung räumte er die Bluttat erneut ein und "bedauerte" diese. Als der Verteidiger die Glaubwürdigkeit eines Zeugen bezweifelte, bezeichnete dies der Staatsanwalt als "frech".

Hinrichtung vor vielen Zeugen

Der Angeklagte war im Mai 2015 von der Frankfurter Schwurgerichtskammer wegen Doppelmordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Außerdem stellen die Richter damals die besondere Schwere der Schuld fest, damit der Mann das Gefängnis nicht nach 15 Jahren wieder verlassen kann. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hatte das Urteil im Frühjahr jedoch wegen missverständlicher Äußerungen des Richters gekippt.

Hayamon S. hatte im Januar 2014 zwei 45 und 50 Jahre alte Landsleute im Frankfurter Justizviertel auf dem Weg in den Gerichtssaal im Landgericht vor den Augen von Richtern, Staatsanwälten, Anwälten und Sicherheitsleuten erschossen und erstochen. Auch Kinder einer Schulklasse wurden zu Zeugen der Bluttat. Schüsse waren nur knapp an Unbeteiligten vorbei gegangen, weitere Verletzte hatte es wie durch ein Wunder nicht gegeben.

Befangenheit des Richter schien möglich

Den zwei Männern sollte der Prozess gemacht werden, weil sie im Verdacht standen, den Bruder von Hayamon S. getötet zu haben. Den Gewalttaten liegt offenbar ein Streit um Stellplätze im Autohändlermillieu zugrunde, der seit 2007 schwelte.

Der Bundesgerichtshof hob das Mord-Urteil gegen den zweifachen Todesschützen auf, weil der Richter in der Urteilsbegründung von "Selbst- und Lynchjustiz" gesprochen und den Angeklagten als "impertinenten Vater" bezeichnete hatte.

Eine Befangenheit des Richters schien dem BGH mit diesen Äußerungen zumindest möglich. Dieser Umstand reicht aus, um ein Urteil zu kippen. Nun wird der zweite Prozess gegen Hayamon S. in Limburg geführt.

Angeklagter hörte auf "innere Stimme"

Die Staatsanwaltschaft sieht nach eigenen Angaben weiterhin das Mordmerkmal der Heimtücke gegeben, während die Verteidigung offenbar eine Verurteilung wegen Totschlags für den Angeklagten erreichen will. Gesprächswünsche der Verteidigung im Vorfeld des Prozesses hatte der zuständige Staatsanwalt nach eigenen Aussagen jedoch abgelehnt.

Um seinen Mandanten emotional nicht zu belasten, schlug der Verteidiger vor, die Übersetzung für den schlecht Deutsch sprechenden Afghanen während des Prozessauftakts zeitweise auszusetzen. Sein Mandat reagiere immer noch sehr gereizt und sei schnell außer sich, wenn er von seinem getöteten Bruder höre, argumentierte der Verteidiger. Das lehnte das Gericht mit dem Hinweis ab, dass der Angeklagte wissen müsse, was in seinen Namen erklärt werde.

Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten, der wegen Körperverletzung vorbestraft ist, dass dieser sehr aufgeregt über die Vorkommnisse berichtet habe. So sei seine Familie anonym mit dem Tod bedroht worden. Der Angeklagte habe ihm mitgeteilt, dass eine "innere Stimme" kurz vor der Tat zu ihm gesagt habe: "Jetzt musst du schießen, sonst wirst du sterben."

19 Verhandlungstage geplant

In seiner ursprünglichen Erklärung hatte der Angeklagte, der sich derzeit in psychotherapeutischer Behandlung befindet, ebenfalls mitgeteilt, vor dem Prozess gegen die beiden Opfer bedroht worden zu sein. Angeblich hätten afghanische Anrufer ihn mit den Worten gewarnt: "Sei dir im klaren, wie viel Macht wir auch in Deutschland haben. Wenn du aussagst, werden wir deine ganze Familie töten." Eines der Opfer soll in Afghanistan als Leibwächter eines Politikers gearbeitet haben.

Der Prozess wird fortgesetzt. Es sind 19 Verhandlungstage bis zum 29. Januar kommenden Jahres angesetzt.