Alte Gedenklichter stehen am Löschteich von Seigertshausen.

Der Bürgermeister von Neukirchen ist nach dem Tod dreier Kinder in einem Dorfteich zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht hält ihn mitverantwortlich für das Unglück. Er sei als Bürgermeister seinen Pflichten nicht nachgekommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neukirchner Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Klemens Olbrich, Bürgermeister von Neukirchen
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Im Prozess um den Tod von drei in einem Dorfteich ertrunkenen Kindern ist der Bürgermeister von Neukirchen (Schwalm-Eder), Klemens Olbrich (CDU), am Donnerstag zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt worden. Eine Geldstrafe von 12.000 Euro wurde für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt.

Das Amtsgerichts in Schwalmstadt (Schwalm-Eder) sah es als erwiesen an, dass Olbrich seiner "Verkehrssicherungspflicht" nicht nachgekommen sei: Der Teich war vor Jahren saniert worden, dabei war ein Teil des Ufers mit Pflastersteinen befestigt worden. Diese Steine seien über die Jahre glitschig geworden und es sei eine gefährliche Stelle entstanden, wo die drei Geschwister im Alter fünf, acht und neun Jahren im Juni 2016 ertranken.

Bürgermeister: Eine "Tragödie"

Olbrich hätte diese Stelle mit Rettungssteinen oder Gittern sichern müssen, urteilte das Gericht. Der Anwalt von Bürgermeister Olbrich, Karl-Christian Schelzke, kündigte nach dem Urteilsspruch an, in Berufung zu gehen. Er hatte einen Freispruch gefordert und immer wieder darauf hingewiesen, dass es nicht für jedes Unglück einen Schuldigen geben könne.

Olbrich hatte am Donnerstag in seinem Schlussvortrag von einer "Tragödie" gesprochen, die ihm außerordentlich leid tue. Die Zeit seit dem Ertrinken sei für ihn eine "Tortur" gewesen, die ihn wahrscheinlich sein ganzes Leben belasten werde. Olbrich hatte seine Mitverantwortung im Prozess zurückgewiesen, "die Nutzung dieses Teiches obliegt dem allgemeinen Lebensrisiko" , hatte er zu Beginn des Prozesses gesagt.

Staatsanwaltschaft: "Bürgermeister trägt Verantwortung"

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag eine Geldstrafe von 9.000 Euro gefordert. Nach Ansicht von Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier, trage der Bürgermeister eine Mitschuld am Ertrinken der drei Geschwister. "Ein Bürgermeister trägt die Verantwortung für seine Bürger", sagte sie. Die Anwälte der beiden Nebenkläger - Mutter und Vater der Kinder - schlossen sich der Forderung der Staatsanwaltschaft mit einer Geldstrafe an.

Der Fall in Neukrichen hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, viele Kommunen hatten auf die Entscheidung im Prozess gewartet, die auch EInfluss auf andere Gemeinden haben könnte, die ähnliche Teiche und Gewässer haben. Der Teich in Neukirchen war in den vergangenen Jahren als Freizeitanlage mit Grillplätzen genutzt worden, nur ein Schild wies auf mögliche Gefahren hin: "Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder." Die Kinder hatten alleine an dem Teich gespielt und wurden von ihrem elfjährigen Bruder gefunden.

Sendung: hr4, 20.02.2019, 16 Uhr