Weiher in Neukirchen mit Schild: Teichanlage, Betreten auf eigene Gefahr.
In diesem Weiher in Neukirchen sind vor gut zwei Jahren drei Kinder ertrunken. Bild © picture-alliance/dpa

Das Unglück sorgte 2016 deutschlandweit für Schlagzeilen: Drei Kinder ertranken in einem Dorfteich in Neukirchen. Die Staatsanwaltschaft hat den Bürgermeister angeklagt - aber ein Gericht lehnte den Fall ab. Wie es weitergeht, ist unklar.

Die Aufklärung lässt auf sich warten - auch zwei Jahre, nachdem drei Geschwister im Dorfteich von Neukirchen (Schwalm-Eder) ertrunken sind. Zwar hat die Staatsanwaltschaft Marburg vor einiger Zeit Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen Bürgermeister Klemens Olbrich (CDU) erhoben. Allerdings ist unklar, wie und wann es weitergeht.

Beim Amtsgericht Schwalmstadt lag zuletzt die Entscheidung, ob es die Anklage zulässt und einen Prozess eröffnet. Nach monatelanger Prüfung teilte das Gericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: Der Strafrichter halte seine Zuständigkeit "wegen der Bedeutung der Sache" für nicht gegeben.

Warten auf die Stellungnahme

Die Akten sollen nun dem Landgericht Marburg vorgelegt werden. Es hat zu entscheiden, ob es den Fall übernimmt oder ihn wieder zurück an das Amtsgericht Schwalmstadt verweist. Das kann aber Wochen dauern.

Derzeit liegen die Akten wieder bei der Staatsanwaltschaft Marburg, wie eine Sprecherin bestätigte. Der zuständige Dezernent werde nun eine Stellungnahme verfassen, welches Gericht seiner Auffassung nach für den Fall zuständig ist.

Der Knackpunkt: Welchen Zweck erfüllte der Teich?

Die drei Kinder im Alter von fünf, acht und neun Jahren hatten sich an einem Juniabend 2016 an dem Teich im Ortsteil Seigertshausen aufgehalten und waren darin ohne Fremdeinwirkung ertrunken. Laut Staatsanwaltschaft versäumte es Bürgermeister Olbrich als Verantwortlicher für Sicherungsmaßnahmen, den Löschteich als potenzielle Gefahrenquelle abzusichern und einzuzäunen.

Die Behörde geht davon aus, dass es dem Rathaus-Chef bekannt war, dass die Fläche rund um den Teich als Freizeit- und Spielfläche genutzt wurde. Unklar war lange Zeit, welchen Zweck der Dorfteich überhaupt erfüllt und ob und wie er hätte gesichert werden können oder müssen.

Bürgermeister Olbrich, gelernter Jurist und seit mehr als 25 Jahren im Amt, sprach von einem "Fischteich" oder "Freizeitteich", der keines Zaunes bedürfe. Für die Staatsanwaltschaft ist es hingegen ein "Löschwasserrückhalteteich" - und für den hätten Sicherungspflichten bestanden, für die der Bürgermeister verantwortlich sei. Laut dem Strafgesetzbuch liegt der Strafrahmen für fahrlässige Tötung bei einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe.

Ein Junge ertrank, obwohl er schwimmen konnte

Der elf Jahre alte Bruder hatte seine Geschwister an dem Abend des Unglücks gesucht und nach Hause holen wollen. Als er das Unglück sah, alarmierte er Nachbarn und diese dann die Rettungskräfte. Nach Erkenntnissen der Ermittler konnten der fünfjährige Junge und seine achtjährige Schwester nicht schwimmen. Der Neunjährige konnte schwimmen, er kam in dem trüben, 40 Meter breiten und ein bis zwei Meter tiefen Teich dennoch ums Leben. Die syrische Familie verlor drei ihrer fünf Kinder.

Gegen die Mutter, die ihre Aufsichtspflicht verletzt haben könnte, ist das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg sagte. Der Vater sei nicht beschuldigt, weil er zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen sei.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.07.2018, 19.30 Uhr