Das Löschwasser kommt mit deutlich zu wenig Druck aus dem Hydranten geschossen.
Das Löschwasser kommt mit deutlich zu wenig Druck aus dem Hydranten geschossen. Bild © Heiko Schneider/hr

Die Freiwillige Feuerwehr in Bad Orb schlägt Alarm: Wenn es brennt, kann sie nicht helfen. Denn in Teilen der Stadt gibt es nicht genug Löschwasser. Jetzt wurde zumindest eine Übergangslösung gefunden.

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Es sind drastische Worte, mit denen sich die Freiwillige Feuerwehr Bad Orb (Main-Kinzig) an die Bewohner der Stadt richtet: "Wir empfehlen allen Bürgerinnen und Bürgern, ihre Rauchmelder regelmäßig zu überprüfen und im Fall einer Auslösung so schnell wie möglich das Gebäude zu verlassen", warnt die Feuerwehr auf Facebook mit dem Hashtag #badorbbrennt. Der Grund: Sie könne "auch künftig nicht die notwendigen Maßnahmen zur Rettung von Menschen und Sachwerten in der erforderlichen Zeit einleiten".

Rückblick: Im Mai 2018 brennt in der Bad Orber Marktbrunnenstraße der Dachstuhl eines Hauses. Die Freiwillige Feuerwehr rückt aus, um den Brand zu löschen. Doch vor Ort stellen die Feuerwehrleute fest: Aus den Hydranten fließt kaum Wasser durch die Schläuche. "Damals hat der Schlauch im Prinzip so direkt runter gehangen", erinnert sich Feuerwehrfrau Sabine Kailing. Sie habe ein sogenanntes Standrohr gesetzt, den Schlauch angeschlossen und die Wasserzufuhr geöffnet. "Und habe festgestellt, dass so gut wie kein Wasser zur Verfügung steht."

Hydranten seit 20 Jahren nicht gewartet

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Beim Brand dieses Hauses fiel das Problem erstmals auf.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Freiwillige Feuerwehr in Bad Orb schlägt Alarm

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Die Feuerwehrleute haben schlicht zu wenig Wasser zum Löschen. Zwar kommen Feuerwehren aus Nachbar-Kommunen zur Hilfe und versorgen die Kollegen mit Löschwasser. Trotzdem brennt das Haus komplett ab. Immerhin wird niemand verletzt. "Aber es hätte natürlich auch ganz anders ausgehen können", sagt Stadtbrandinspektor Steffen Sonnabend. "Wir hatten Leute da drin, die im Feuer gestanden haben, und die hatten plötzlich kein Wasser mehr."

Mittlerweile ist klar: Die Hydranten in Bad Orb sind seit mehr als 20 Jahre nicht mehr gepflegt und gewartet worden. Weil außerdem der Wasserdruck in Teilen der Stadt nicht stark genug ist, kommt aus vielen Hydranten einfach zu wenig Wasser.

Auf diesen Missstand macht die Freiwillige Feuerwehr seit einem Jahr aufmerksam. Getan hat sich nichts. Stadtbrandinspektor Sonnabendhat ein Konzept zur Lösung des Problems erstellt: Weil eine komplette Erneuerung des Wasser- und Hydrantennetzes zu teuer und aufwendig wäre, sollte die Stadt einen sogenannten Wechsellader anschaffen. Damit könnte man aus Sicht der Feuerwehr ausreichend Wasser aufbewahren. Doch die Stadtverordneten lehnten den Vorschlag Ende Mai ab.

Ärger in der Stadtverordnetenversammlung

Bürgermeister Roland Weiß (parteilos) hat gegen diese Entscheidung Widerspruch eingelegt, sodass das Konzept in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung erneut zur Abstimmung stand. Doch erneut stimmten die Parlamentarier dagegen – mit 15:13 Stimmen. Weiß will dagegen jetzt rechtlich vorgehen. "Weil ich möchte, dass unsere Feuerwehrkameraden nach dem Einsatz hier wieder sicher landen – und auch, dass für die Bürger Sicherheit gegeben ist."

Solch drastische Probleme wie in Bad Orb sind laut Landesfeuerwehrverband aus anderen Städten und Gemeinden in Hessen nicht bekannt. Experten gehen aber davon aus, dass es sie dennoch gibt. Sie seien schlicht noch nicht bemerkt worden, weil es an den entsprechenden Stellen noch nicht gebrannt habe.

So sieht es aus, wenn ein Hydrant richtig funktioniert.
So sieht es aus, wenn ein Hydrant richtig funktioniert. Bild © Heiko Schneider/hr

Hilfe kommt von außerhalb

Er habe ein mulmiges Gefühl, gibt Stadtbrandinspektor Steffen Sonnabend zu: "Bei jedem Brand denkt man jetzt: Wie wird das ausgehen? Haben wir genug Wasser?"

Das immerhin soll jetzt gesichert sein: Bad Orb hat mit den Nachbarkommunen eine Vereinbarung getroffen, die vorsieht, dass bei einem Brand in Bad Orb automatisch auch die umliegenden Feuerwehren alarmiert werden. Sie sollen die Kurstadt mit ausreichend Löschwasser versorgen. Eine Dauerlösung könne das aber nicht sein, warnt Bürgermeister Weiß. Denn was passiere, wenn es zeitgleich in Bad Orb und in einer Nachbargemeinde brenne, könne er nicht sagen. Das wolle er sich auch gar nicht ausmalen.

Sendung: hr1, 25.6.2019, 6 Uhr