Eine Frau bekommt einen Rachenabstrich an der Corona-Teststation am Hauptbahnhof.

Bis der harte Lockdown wirkt, dauert es. Die Zahl der neuen Coronafälle und die der Toten in Hessen ist an diesem Sonntag höher als vor einer Woche. Auf drei neue Ausgangssperren kommt immerhin erstmals eine aufgehobene.

Fast jeder siebte Bürger in Deutschland glaubt, die Corona-Pandemie sei gewiss oder wahrscheinlich eine Erfindung zur Unterdrückung der Menschen. Das Coronavirus selbst zeigt sich jedoch auch an diesem Wochenende in Hessen unbeeindruckt vom Ergebnis solcher Umfragen, wie sie die Konrad-Adenauer-Stiftung laut Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) gerade erhoben hat.

Die Zahl der registrierten neuen Infektionen in Hessen steigt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) weiterhin spürbar an. 2.019 Fälle wurden von den Gesundheitsämtern am Sonntag gemeldet. Das ist ein Anstieg um mehr als ein Drittel gegenüber dem Sonntag vor einer Woche, als der harte Lockdown beschlossen wurde, der seit Mittwoch gilt. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg ebenfalls– von 30 Verstorbenen am vergangenen Sonntag auf 36 an diesem.

Drei weitere Landkreise neu dabei

Angesichts der Entwicklung müssen nun weitere Landkreise zur harten Maßnahme der nächtlichen Ausgangssperre greifen, weil die Sieben-Tage-Inzidenz bereits den dritten Tag hintereinander den Wert von 200 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohnern überschritten hat.

Zu den Kreisen und kreisfreien Städte in Hessen, die am Sonntag in der neu geschaffenen und höchsten Eskalationsstufe "Schwarz" angekommen sind, gehören nun auch die Kreise Waldeck-Frankenberg, Bergstraße und Darmstadt-Dieburg. Die höchste Inzidenz hatte der Odenwaldkreis mit 368,4. Es folgten der Main-Kinzig-Kreis (306,8) und der Vogelsbergkreis (286,9).

In ganz Hessen lag die Inzidenz in den vergangenen sieben Tagen bei 201. Angestrebt wird ein Wert von maximal 50. Dann könnten, so heißt es, die Gesundheitsämter die Ansteckungsketten neuer Fälle wieder ausreichend nachverfolgen.

Ein bisschen Lockerung im Kreis Groß-Gerau

Immerhin meldet ein Landrat auch eine Lockerung. "Bereits am Sonntagabend gilt die nächtliche Ausgangssperre im Kreis nicht mehr", teilte Thomas Will (SPD) für Groß-Gerau mit. Dafür musste, wie in der Verordnung vorgesehen, die Sieben-Tage-Inzidenz den fünften Tag in Folge unter die 200er-Marke gefallen sein. Die Inzidenz verlief laut Kreisverwaltung folgendermaßen: 197,1 (Mittwoch), 195,3 (Donnerstag), 171,3 (Freitag), 176,3 (Samstag) und schließlich (186,1) am Sonntag.

Es ist das erste Mal seit der Einführung der Ausgangssperren-Regelung, das eine aufgehoben worden ist. Damit gilt derzeit in 17 Landkreisen und kreisfreien Städte Hessens eine nächtliche Ausgangssperre. Für besondere Fälle wie Berufstätigkeit, Besuch beim Lebenspartner oder Begleitung Sterbender sind Ausnahmen vorgesehen.

"Im Krankenhaus keine Corona-Leugner"

Wie viele seine Amtskollegen vor ihm appellierte Landrat Christian Engelhardt (CDU) aus dem Kreis Bergrstraße eindringlich an die Bevölkerung, sich auch an die von Montag an geltenden Ausgangsbeschränkungen in der Zeit von 21 bis 5 Uhr zu halten. "Um unser Gesundheitssystem nicht zu überfordern, sollten diese Regeln unbedingt eingehalten werden", sagte er am Sonntag.

Ob Ansteckungen, Erkrankungen oder Sterbefälle: Die Wirkung des harten Lockdowns auf die Ansteckungszahlen kann erst mit Verspätung ankommen - auch in den unter der extremen Dauerbelastung stehenden Kliniken. Beispielhaft berichtete der Lungenfacharzt Cihan Çelik in der FAS, am Darmstädter Klinikum steige die Zahl der schwer erkrankten Covid-Patienten zur Zeit noch.

Çelik war selbst an Covid-19 erkrankt und hatte unter schweren Komplikationen gelitten. Auf die Corona-Verschwörungstheorien angesprochen, sagte er: "Komischerweise sieht man im Krankenhaus keine Corona-Leugner."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.12.2020, 19.30 Uhr