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Audioseite Arzt aus Nordhessen soll 18 Menschen gefoltert haben

Statue der Justizia vor einer historischen Fachwerkhausfassade.

Einem Mann soll er Gift gespritzt, einen anderen ohne Narkose operiert und weitere Menschen geschlagen und verbrannt haben. Wegen dieser Vergehen im syrischen Bürgerkrieg ist ein Arzt aus Hessisch Lichtenau angeklagt.

Die Bundesanwaltschaft hat einen Arzt aus Nordhessen wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit sowie Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt. Er soll während des Bürgerkriegs in Syrien mindestens 18 Regierungsgegner gefoltert und schwer misshandelt haben.

Laut Anklage arbeitete der Mann in den Jahren 2011 und 2012 in mehreren Militärkrankenhäusern und einem Gefängnis in der syrischen Hauptstadt Damaskus und in der westsyrischen Stadt Homs, wo der Geheimdienst mutmaßliche Oppositionelle festhielt.

Gift gespritzt und Genitalien angezündet

Der Arzt soll unter anderem einem Gefangenen, der sich gegen Schläge und Tritte wehrte, eine tödliche Substanz gespritzt haben, an der er binnen Minuten starb. Ein anderer Gefangener, der einen epileptischen Anfall hatte, starb, ohne dass die Todesursache eindeutig geklärt werden konnte. Zuvor hatte ihm der Arzt der Bundesanwaltschaft zufolge ins Gesicht geschlagen.

In anderen Fällen soll der Angeklagte Genitalien und andere Körperteile seiner Opfer mit brennbaren Flüssigkeiten übergossen und angezündet haben. Neben schwersten körperlichen und seelischen Misshandlungen wirft ihm die Bundesanwaltschaft vor, dass er zweimal versucht habe, Männer ihrer Fortpflanzungsfähigkeit zu berauben. Einen weiteren Mann habe er operiert, ohne ihn ausreichend zu betäuben.

Der Syrer war 2015 nach Deutschland eingereist und arbeitete unter anderem in einer orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner). Seit seiner Festnahme im Juni 2020 sitzt er in Untersuchungshaft. Die Verhandlung wird vor dem Oberlandesgericht Frankfurt stattfinden.

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