Weil ein kaputter Stromabnehmer die Oberleitung beschädigte, strandete in der Nacht zu Samstag bei Gernsheim ein ICE. Der Strom fiel aus, Toiletten waren defekt. Erst Stunden später ging es weiter.

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zum Video ICE mit 750 Fahrgästen gestrandet

ICE in der Dunkelheit und Feuerwehrkräfte im Einsatz
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Eine harte Geduldsprobe für hunderte Zugpassagiere in der Nacht zu Samstag: Weil der Stromabnehmer gebrochen war und die Oberleitung beschädigt hatte, ist der ICE 615 auf der Fahrt von Dortmund nach München in Gernsheim (Groß-Gerau) liegen geblieben. Rund 750 Reisende mussten in dem Zug ausharren, bis die Bahn einen Ersatzzug parat hatte, teilte die Bundespolizei mit.

Gegen 21.16 Uhr blieb der Zug stehen, teilte die Bahn mit. Da die Stromversorgung unterbrochen war, fiel das Licht aus. Auch Klimaanlagen und Toiletten funktionierten nicht mehr. Davon berichteten zahlreiche Fahrgäste unter anderem auf Twitter.

Willkommen im Wochenende: Vier Stunden im stehengebliebenen #ICE615 . Erst Notstrom, dann komplett dunkel. Keine Lüftung, kein WC. „Fremdrettung“ mit Evakuierungszug und Feuerwehr ist angelaufen #Bahn

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Ach nur "ca. 340 Minuten" verspätet. Na sowas. #ICE615

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Erst gegen 2 Uhr morgens war die Evakuierung abgeschlossen, die Passagiere stiegen in einen auf dem Nebengleis haltenden Ersatzzug um. Um 2.45 Uhr war der Ersatzzug in Mannheim, mit 340 Minuten Verspätung.

Materialermüdung war wohl die Ursache

Die Feuerwehr war mit 20 Einsatzkräften vor Ort, unter anderem leuchteten die Einsatzkräfte den Übergang vom defekten in den Ersatzzug aus. Vorsichtshalber waren auch acht Kräfte vom Rettungsdienst dabei. Verletzte habe es aber keine gegeben, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Evakuierung geglückt! #ICE615 steht 5 Stunden ohne Strom, Klimaanlage & Toiletten großer Dank an die FFW Klein-Rohrheim, Gernsheim und das DRK! Professionelles Zugbegleiter-Team Fahrgäste jubeln & bedanken sich Ein Schleifleistenbruch war schuld! 🤷🏼‍♀️ #Bahn @DB_Bahn

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Ein Sprecher der Bundespolizei teilte mit, dass vermutlich Materialermüdung die Ursache für den Zwischenfall war.

Zahlreiche Verspätungen im Fern- und Nahverkehr

Gegen halb fünf war ein Gleis wieder befahrbar, die Züge zwischen Frankfurt und Mannheim fahren seither wieder auf dem Regelweg. Im Regionalverkehr fielen Züge aus oder waren verspätet, insgesamt elf Züge wurden umgeleitet. Auch zahlreiche Strecken wie Frankfurt - Paris, Hamburg - München oder Kiel - Stuttgart waren von der Störung betroffen. Am Nachmittag teilte eine Bahnsprecherin mit, es komme im Fernverkehr noch zu Verspätungen von zehn bis 20 Minuten auf der Strecke.

Sendung: hr-iNFO, 19.10.2019, 8 Uhr