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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Polizei kontrolliert verstärkt im Frankfurter Bahnhofsviertel

Ein Mann wird von Polizeibeamten im Frankfurter Bahnhofsviertel festgenommen

Mit verstärkten Kontrollen hat die Polizei auf den Vorwurf reagiert, sie vernachlässige die Sicherheit im Frankfurter Bahnhofsviertel. Die erste Bilanz: Seit Anfang Juli wurden 2.800 Menschen kontrolliert und 39 festgenommen. Beendet sind die intensiven Maßnahmen damit nicht.

Drogenkonsum auf offener Straße, Schlägereien, illegale Prostitution: Seit Beginn der Corona-Pandemie beklagen Anwohner und Gastronomen im Frankfurter Bahnhofsviertel unhaltbare Zustände. Auf den Vorwurf, sie vernachlässige die Sicherheit vor Ort, begegnete die Polizei Ende Juni mit der Ankündigung, mehr Beamte auf Streife zu schicken.

Gut zwei Wochen später zogen die Beamten am Freitag eine erste Bilanz - mit vielen Zahlen: Seit Anfang Juli seien fast 2.800 Personen kontrolliert und 39 festgenommen worden, erklärte das Polizeipräsidium. Mehr als 500 Menschen hätten einen Platzverweis erhalten, bei 19 sei ein Haftbefehl vollstreckt worden.

Illegale Straßenprostitution nimmt zu

Die Polizei berichtet außerdem von einer Zunahme der illegalen Straßenprostitution im Viertel. Fast täglich hätten die Beamten zwischen zehn und 30 Frauen angetroffen. In diesem Zusammenhang seien 62 Mal Personen kontrolliert und belehrt worden, anschließend seien Platzverweise erteilt worden. Weil sich einige Frauen mehrfach nicht daran hielten, seien vier Strafverfahren eingeleitet worden, sagte eine Sprecherin.

Erst am Donnerstag hatten mehrere Bordell-Betreiber Polizei und Stadt erneut vorgeworfen, nichts gegen illegale Prostitution auf den Straßen, in Wohnungen und Hotels zu unternehmen. Wegen der Corona-Pandemie sind Rotlichtbetriebe seit vier Monaten geschlossen. Den Prostituierten sind dadurch meist sämtliche Einnahmen weggebrochen, manche bieten ihre Dienste deswegen illegal an. Mit einem "Tag der offenen Tür" hatten zwei Laufhäuser im Bahnhofsviertel am Donnerstag auf die problematische Situation aufmerksam gemacht und auf eine Wiedereröffnung mit Hygienekonzept gedrängt.

Offener Drogenkonsum in 100 Fällen

Zu den fast 470 geahndeten Ordnungswidrigkeiten im Bahnhofsgebiet zählten laut Polizei auch 100 Fälle von öffentlichem Drogenkonsum. In 80 weiteren Fällen hätten die Beamten neben rund einem Kilo Marihuana 80 Gramm Heroin und kleinere Mengen Kokain und Crack sichergestellt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung seien 1,7 Kilo Amphetamin und 1.000 Ecstasy-Tabletten entdeckt worden.

In einem anderen Fall hätten Beamte einen Drogenhandel beobachtet, bei dem rund 500 Gramm Marihuana übergeben wurden. Käufer und Verkäufer seien im Anschluss festgenommen worden.

Reaktion auf Petition der Gastronomen

Rund 40 Gastronomen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel hatten sich Mitte Juni mit einer Petition an die Stadt gewandt. Sie beklagten, dass wegen der offenen Drogenszene und Konfliken mit Bettlern und Obdachlosen immer mehr Gäste wegblieben. "Die Sicherheit im Bahnhofsviertel ist nicht mehr gewährleistet", hieß es in dem Brief. Die Polizei sei immer seltener und statt zu Fuß oft nur noch im Streifenwagen unterwegs.

Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) hatte daraufhin versprochen, gemeinsam mit den anderen Behörden eine neue Einsatzplanung für das Bahnhofsviertel zu vereinbaren. Polizeipräsident Gerhard Bereswill kündigte an, "in einsatzrelevanten Zeiträumen" mindestens zehn Polizeibeamte zusätzlich einzusetzen. "Es darf nicht sein, dass sich Menschen in bestimmten Straßen nicht mehr sicher fühlen. Wir werden es nicht zulassen, dass sich diese negative Entwicklung fortsetzt und so unsere Erfolge der letzten Jahre wieder zunichtegemacht werden", so Bereswill.

Die Polizei will auch weiterhin verstärkt im Bahnhofsviertel kontrollieren, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigte. Solange man nicht feststelle, dass ein nachhaltiger Effekt sichtbar sei, würden die Maßnahmen erst einmal aufrecht erhalten.

Sendung: hr4, hessenschaureport, 17.07.2020, 17.30 Uhr