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Audioseite Partsch lädt zu Gesprächen über Baumfällungen

Kombo Protestplakat an Baum und gekennzeichnete Bäume

Die geplante Fällung von 125 Buchen am Darmstädter Waldkunstpfad ruft Oberbürgermeister Partsch auf den Plan. Der Grüne lehnt den Eingriff ab und bittet das Forstamt und seine Parteifreundin im Umweltministerium um Gespräche.

In den Streit um die Fällung von mehr als 100 Bäumen am Waldkunstpfad in Darmstadt hat sich jetzt auch Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) eingeschaltet. Der OB lud Vertreter von HessenForst und des Waldkunstpfadvereins für kommende Woche zu Gesprächen ein, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Da es sich um Staatswald handelt, ist HessenForst für die Fällungen zuständig.

Grüner OB nimmt grüne Ministerin in die Pflicht

Partsch bezog in der Mitteilung sehr deutlich Stellung: Es sei nachvollziehbar, dass Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Bürger getroffen werden müssten. Man sei aber "als Stadt Darmstadt mit dem geplanten und offenbar drastischen Einschlag durch HessenForst keinesfalls einverstanden", wird der OB zitiert. Im Namen der Stadtregierung hätten sich Bürgermeisterin Barbara Akdeniz und Umweltdezernent Michael Kolmer bereits vergangene Woche an Umweltministerin Priska Hinz (alle Grüne) gewandt.

Das Schreiben an Hinz sei in der Absicht erfolgt, "die geplante Fällung von 160 beziehungsweise mittlerweile 125 Bäumen zu reduzieren und im besten Fall sogar zu verhindern", so Partsch. Als Umweltministerin obliegt Hinz die dienstliche Kontrolle über den Landesbetrieb HessenForst und dessen Forstämter. Ob und wie sie auf das Schreiben reagiert hat, war zunächst nicht bekannt.

Widerstand gegen geplante Fällung

Das Forstamt Darmstadt hatte in dem Wald 160 Buchen für die Fällung vorgesehen und entsprechend markiert. Begründet wurde dies mit der notwendigen Wegesicherung. Die durch die Dürre der vergangenen Jahre geschädigten Buchen gefährdeten die Sicherheit der Waldbesucher. In dem Zuge sollten aber auch gesunde Bäume gefällt werden.

Die Bürgerinitiative "Pro Walderhalt" und der Umweltverband Westwaldallianz liefen Sturm gegen die Pläne. Sie warfen HessenForst vor, die Bäume, bei denen es sich zum Teil um bis zu 200 Jahre alte Naturdenkmäler handele, wirtschaftlichen Interessen opfern zu wollen.

Teilrückzug nach Demo

Am vergangenen Samstag demonstrierten etwa 100 Menschen am Waldkunstpfad gegen die Fällungen. Das Forstamt erklärte als Reaktion auf die Proteste, 35 Bäume in einem Fauna-Flora-Habitat (FFH-Gebiet) verschonen zu wollen. Statt ursprünglich 160 würden nur noch 125 Bäume gefällt.

Weder der Bürgerinitiative noch der Stadtregierung ist das aber genug. Waldgebiete seien für ein gesundes Stadtklima zwingend notwendig, so Partsch: "Darüber hinaus erstaunt es in diesem Fall sehr, entlang eines Waldkunstpfades, der den Wald auf eine ganz besondere Art erlebbar machen soll, Fällungen in diesem Ausmaß vornehmen zu wollen."

Dass die Stadt eigentlich keine Handhabe hat, die Maßnahmen in dem Staatswald zu verhindern, räumt Partsch ein. Man setze sich aber für eine Lösung ein, "die einerseits der Sicherheit, aber auch der generellen Bedeutung des Waldes für uns Darmstädterinnen und Darmstädter gerecht wird".

Kritik auch vom Umweltschutzverband Nabu

Kritik am Forstamt kam auch vom Landesverband des Umweltschutzverbands Nabu. "Wegesicherung muss sein", sagte Vorstandsmitglied Gerhard Eppler. "Aber es darf nicht mehr eingeschlagen werden als nötig." Er hätte sich einen Ortstermin gewünscht, ehe man vollendete Tatsachen schaffe, so Eppler.

Der Akivistin Ute Promies zufolge soll auch eine alte Buche neben dem Goethefelsen am Herrgottsberg gefällt werden. Um das zu verhindern, will sie den Baum zum Naturdenkmal erklären lassen. Auch hierbei soll sie der Nabu unterstützen.

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