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Gewalttätiger Angriff auf Pflegerin in forensischer Klinik

Die Klinik für forensische Psychiatrie in Riedstadt

Beim Angriff eines Patienten in der forensischen Psychiatrie in Riedstadt ist eine Pflegerin schwer verletzt worden. Die Klinikleitung bedauerte den "einmaligen Vorfall". Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi ist die Personal-Situation an den Kliniken problematisch.

In einem Wohngebäude auf dem Gelände der forensischen Psychiatrie in Riedstadt (Groß-Gerau) ist eine 49 Jahre alte Pflegerin von einem Patienten bei einem Angriff schwer verletzt worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des Darmstädter Echo. Demnach ereignete sich der Vorfall bereits am 9. Januar, wurde aber erst jetzt bekannt.

Auge schwer verletzt

Den Angaben zufolge hatte der 33-Jährige die Frau getreten und geschlagen, auch mit einem Gegenstand. Die Pflegerin erlitt unter anderem schwere Verletzungen an einem Auge.

Man müsse davon ausgehen, dass sie auf dem Auge blind bleibe so der Sprecher. Lebensgefährlich seien ihre Verletzungen nach erster Einschätzung nicht gewesen. Dem widersprachen allerdings Stimmen aus dem persönlichen Umfeld der Betroffenen und der Klinikbelegschaft.

Auch wenn der Mann schuldunfähig ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Ob es dabei bleibe, sei noch unklar. Es müssten weitere Zeugen gehört werden. Ermittelt werde auch, ob es für einen bevorstehenden Übergriff im Vorfeld Anzeichen gegeben habe.

Klinik: "Furchtbar tragisch"

Eine Sprecherin des Klinikbetreibers, der Vitos GmbH, bedauerte den Vorfall. "Es ist furchtbar tragisch, was da passiert ist." Man werde alles dafür tun, dass sich das nicht wiederholt. Es handele sich um einen in dieser Form einmaligen Fall in der Geschichte der hessischen Forensik. Eine angespannte Personalsituation sieht die Sprecherin in den Vitos-Kliniken nicht. Es gebe weder eine Unterbesetzung noch eine Überlastung.

Die Gewerkschaft Verdi dagegen sieht ein grundsätzliches Problem. Derzeit gebe es eine große Nachfrage nach Plätzen in der forensischen Psychiatrie, sagte Armin Löw vom Fachbereich Gesundheit des Landesverbands. Dies wisse er aus Rückmeldungen der Betriebsräte, ohne konkrete Gründe für den Anstieg benennen zu können.

Aufgrund einer Vorgabe des Landes müssten zugewiesene Patienten auch aufgenommen werden. Oft fehlten dafür aber die räumlichen und personellen Kapazitäten. Kurz gesagt: zu wenige Pflegekräfte für zu viele Patienten. "Da entstehen dann Situationen, die teilweise auch kritisch werden", sagte Löw. Teilweise würden Aufgaben auch auf fachfremdes Personal verteilt. "Das macht die Situation äußerst schwierig."

Personal für neue Stationen gesucht

Kürzlich wurde die Klinik in Riedstadt erweitert. Laut Kliniksprecherin sind von mehr als 150 Plätzen 119 belegt. Eine neue Station wurde im August vergangenen Jahres in Betrieb genommen. "Wir sind im Moment in der Personalakquise, um weitere Stationen eröffnen zu können."

Die forensische Klinik in Riedstadt ist eine von fünf Kliniken in Hessen, die erwachsene psychisch kranke und suchtkranke Straftäter betreut. Neben der südhessischen Einrichtung gibt es weitere in Eltville (Rheingau-Taunus), Bad Emstal (Kassel), Hadamar (Limburg.-Weilburg) und Haina (Waldeck-Frankenberg). Außerdem gibt es eine Jugendforensik in Marburg.

Alle Kliniken werden von der Vitos GmbH mit Sitz in Kassel betrieben. Alleiniger Gesellschafter ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen.