Historisches Toilettenhäuschen auf der Mathildenhöhe in Darmstadt

Einst stinkendes Schmuddelklo, erstrahlt die historische Toilettenanlage auf der Darmstädter Mathildenhöhe nun in neuem Glanz. Der Oberbürgermeister verspricht sich von dem denkmalgeschützten stillen Örtchen einen Schub für die Welterbe-Bewerbung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Historisches Toilettenhäuschen auf der Mathildenhöhe saniert

Neue Toilette, historischer Boden
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Der unverwechselbare Hochzeitsturm mit seinen fünf Fingern, die reich verzierte Russische Kapelle, die imposanten Wohnhäuser und Ateliers der Künstlerkolonie mit ihren lieblichen Jugendstil-Elementen: Auf den Hügeln der Darmstädter Mathildenhöhe liegt Kunst in der Luft.

Jahrelang ein beißender Gestank

In der historischen Toilettenanlage, die Besuchern und Besucherinnen seit über 100 Jahren zur Erleichterung dient, roch es dagegen lange Zeit nach deutlich weniger Erbauendem: Selbst die frisch vermählten Brautpaare auf dem Vorplatz des Hochzeitsturms rümpften wegen des beißenden Gestanks aus der heruntergekommenen Anlage regelmäßig ihre Nasen.

Doch damit ist nun Schluss: Die Stadt hat die 1908 zusammen mit den Ausstellungsgebäuden der Künstlerkolonie errichtete und heute denkmalgeschützte Sanitäranlage von Grund auf restauriert – und nun können alle Kunstinteressierten und jene, die nur so tun, ihr kleines oder großes Geschäft in historisch angehauchter Wohlfühlatmosphäre erledigen. Frei nach dem Motto: Pinkeln wie zu Kaisers Zeiten.

Großteil der historische Bausubstanz erhalten

Erst im Februar 2020 hatten Unbekannte die Toiletten verwüstet, im folgenden Herbst begannen die Reparatur- und Sanierungsarbeiten, die sich die Stadt hat 230.000 Euro kosten lassen. Dabei konnte ein Großteil der historischen Bausubstanz erhalten werden. So wurde etwa der Terrazzoboden im Innenbereich in Stand gesetzt und poliert, Fenster und Türen wurden aufgearbeitet und die Geländer im Eingangsbereich mit ihren Rauten-Ornamenten erhalten. Auch die Basaltstufen zu den tiefer gelegenen Eingängen sind weiterhin vorhanden.

Alle sanitären Objekte, wie etwa Waschbecken, Toiletten, Fliesen oder Leitungen sind dagegen auf dem neuesten Stand. Allerdings wurde auch hier bei der Auswahl der Materialien darauf geachtet, das Gesamtbild im Sinne des Jugendstils der Mathildenhöhe zu wahren. Architekt Hans Luft attestiert dem neuen stillen Örtchen sogar "etwas Zauberhaftes". Wie viel Magie auf einer Toilette herrschen kann, sei mal dahingestellt. Jedenfalls sorgt eine Deckenstrahlheizung künftig an kalten Tagen für die nötige Wohlfühltemperatur beim Erleichtern.

Erleichterung aller Orten

Erleichterung ist auch das Stichwort bei der Stadt, denn das neue Künstler-Klo könnte eine gewichtige Rolle für den Tourismus-Standort spielen: Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ist froh, dass die einstige Schmuddel-Anlage pünktlich zur Entscheidung über den Welterbestatus der Mathildenhöhe "in neuem Glanz erstrahlt", wie er am Freitag zur Eröffnung der Toilettenanlage sagte.

Gerade noch rechtzeitig, denn laut Partsch könnte die UNESCO die Entscheidung, ob die Mathildenhöhe in den Status des Welterbes erhoben wird, bereits am 24. Juli fällen. Bekommt Darmstadt den Zuschlag, dürfte es noch einmal deutlich mehr Touristen auf die Mathildenhöhe ziehen. Und die sollen schließlich eine gute Zeit in Darmstadt verbringen. Auch auf dem Klo.

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