Markus H. (rechts) mit seinem Verteidiger Björn Clemens

Im Prozess um den Mordfall Lübcke hat am Dienstag das Plädoyer der Verteidigung des Mitangeklagten Markus H. begonnen. Diese sieht ihren Mandanten zu Unrecht angeklagt.

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Der Lübcke-Prozess in Frankfurt
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Im Prozess um den tödlichen Anschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sieht die Verteidigung des Mitangeklagten Markus H. eine Mittäterschaft ihres Mandanten als nicht erwiesen an. "Er sitzt hier zu Unrecht", erklärte Verteidiger Björn Clemens am Dienstag.

Keine Beihilfe, keine Radikalisierung

In seinem Plädoyer betonte Clemens, dass Markus H. weder konkrete noch psychische Beihilfe zur Tötung Walter Lübckes durch den Hauptangeklagten Stephan Ernst geleistet habe. H. sei bei der Tat nicht wie von Ernst behauptet anwesend gewesen. Die Schilderung des Tatablaufs durch Ernst habe sich in der Hauptverhandlung nicht belegen lassen. Teilweise widersprächen Ernsts Angaben - etwa zur vermeintlichen Position von Markus H. bei der Schussabgabe - den Erkenntnissen von Sachgutachten.

H. habe Ernst auch nicht in seinem Tatentschluss bestärkt, so Verteidiger Clemens. Der Mitangeklagte habe "von der konkreten Tat keine Kenntnis" gehabt. Ein psychologisches Gutachten habe Ernsts rassistisches Weltbild und die daraus resultierende Gewalt als "eingeschliffenes Verhalten" beschrieben. Eine Radikalisierung durch H. habe daher erst gar nicht stattfinden können. H. selbst sei seit 2009 nicht mehr politisch aktiv gewesen und habe das "Musterbeispiel eines legalen Lebens" gelebt, erklärte Clemens. Markus H. sei dementsprechend vom Vorwurf der Beihilfe freizusprechen.

Die Co-Verteidigerin von Markus H., Nicole Schneiders, forderte zudem auch einen Freispruch bezüglich des Vorwurfs des illegalen Waffenbesitzes. Für H. sei nicht erkennbar gewesen, dass eine von ihm auf einer Waffenmesse erworbene Deko-Waffe nicht sachgemäß unbrauchbar gemacht worden wäre.

Nebenklage sieht Mittäterschaft

Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer hingegen eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und acht Monaten wegen Beihilfe zum Mord gefordert. Die Nebenklagevertretung der Familie Lübcke sah sogar eine direkte Mittäterschaft von Markus H. als erwiesen an.

Zum Ende des Prozesstages hatten die beiden Angeklagten das letzte Wort. Stephan Ernst wandte sich erneut an die Hinterbliebenen Walter Lübckes, die das Plädoyer verfolgt hatten: "Ich möchte nochmal sagen, dass es mir sehr leid tut, was ich ihnen und ihrer Familie angetan habe", erklärte Ernst. Zugleich distanzierte er sich von den Aussagen der Verteidigung seines ehemaligen Freundes Markus H. : "Was Frau Schneider in ihrem teilweise politischen Plädoyer gesagt hat, wäre das, wovon ich mich abwenden möchte.

Markus H. erklärte, dass "nicht alles, was hier gesagt wurde, hat zur Aufklärung beigetragen." Ansonsten schließe er sich den Ausführungen seiner Anwälte an. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag, 28. Januar verkündet werden.