Ein Mitarbeiter der Stadtreinigung entfernt mit einer Schaufel Abfall vor der Alten Oper, nachdem Besucher den Platz verlassen mussten.

Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, räumte die Stadt Frankfurt den Party-Hotspot Opernplatz um Mitternacht. Statt Krawallen gab es in der Nacht zum Samstag politische Statements - und Vorwürfe.

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hessenschau vom 25.07.2020
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Nach den Krawallen am vergangenen Wochenende hat die Stadt Frankfurt in der Nacht zum Samstag das Betretungsverbot am Opernplatz durchgesetzt. Das Verbot gilt bis Anfang September jeden Freitag und Samstag von Mitternacht bis fünf Uhr morgens.

Zwar feierten auf dem Opernplatz am Abend wieder einige hundert Menschen, doch die Nacht verlief wesentlich ruhiger als die eskalierte Party am vergangenen Wochenende. Neben rund 500 feiernden Menschen hielten sich am späten Abend zahlreiche Polizisten und Journalisten am Opernplatz auf.

Scheinwerfer statt Flaschenwerfer

Die Räumung verlief nach Polizeiangaben friedlich. Kurz vor Mitternacht fuhren Einsatzwagen des Technischen Hilfswerks auf den Opernplatz und stellten Flutlichter auf. Auch Mitarbeiter der Stadtreinigung standen bereit, um die Spuren der Partygäste zu beseitigen.

Per Lautsprecherdurchsagen verlas die Polizei in Dauerschleife die Allgemeinverfügung, nach der der Platz ab Mitternacht nicht mehr betreten werden darf. Am Donnerstag hatte Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) die neue Verfügung vorgestellt, nach der um 1 Uhr auch die letzten Feiernden den Platz verlassen haben müssen. Nicht einmal mehr Anwohner dürfen den Platz dann noch betreten.

Proteste gegen "Racial Profiling"

Vor Ort waren neben Sicherheitsdezernent Frank auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Polizeipräsident Gerhard Bereswill. "Gewalttouristen von außerhalb brauchen wir nicht in Frankfurt, und deshalb zeigen wir heute Flagge", sagte Feldmann, der dafür nach eigener Aussage extra seinen Urlaub unterbrochen hatte.

Zu Protesten kam es durch eine Gruppe, die den Behörden sogenanntes "Racial Profiling" vorwarf. Es seien in der Stadt gezielt Menschen mit Migrationshintergrund kontrolliert worden, kritisierte die Gruppe.

Sicherheitsdezernent: "Kein Platz für Krawall"

Oberbürgermeister Feldmann stellte sich gegen die Vorwürfe und versicherte, es habe kein Racial Profiling gegeben. Nur müsse die Polizei sicherstellen, dass die Randalierer von vergangener Woche nicht wieder auftauchten.

Nach Angaben des Sicherheitsdezernenten Frank hat das in der Nacht zum Samstag funktioniert: "Wir wollten ein Signal setzen, dass der Opernplatz kein Platz für Krawall ist. Und das ist auch deutlich geworden."

Am vergangenen Wochenende hatten 39 Menschen - die meisten von ihnen junge Männer mit Migrationshintergrund - Polizisten stundenlang mit Flaschen beworfen. Gegen acht von ihnen laufen Ermittlungsverfahren.

Weiter draußen feiern mit den "Kultursommergärten"

Um Nachtschwärmern das Feiern wieder im offiziellen Rahmen zu ermöglichen, plant die Stadt Frankfurt "Kultursommergärten" in Zusammenarbeit mit Clubbetreibern. Für die Veranstaltungsreihe von Mitte August bis Mitte September sind nach Gesprächen zwischen beiden Seiten vier öffentliche Flächen vorgesehen.

Allerdings müssen die Clubs coronagerechte Konzepte vorlegen, die das Land noch genehmigen muss. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) betonte am Freitag, die Idee gehe auf zahlreiche Schreiben von Künstlern zurück - und nicht auf die Krawallnacht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 25.07.2020, 19.30 Uhr