Polizeibeamtin mit einer Verkehrskelle in der Hand

Eine Schulbusfahrerin, die durch eine 30er-Zone heizt, eine Bundesstraße, die bei Rasern besonders beliebt zu sein scheint: Beim Speedmarathon hat die Polizei in Hessen rund 12.000 Fahrer geblitzt. Einige von ihnen werden mit Fahrverboten rechnen müssen.

Nach dem landesweiten Blitzer-Marathon hat die hessische Polizei am Donnerstagnachmittag eine positive Bilanz gezogen: Insgesamt wurden 310.000 Fahrzeuge kontrolliert, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren (2018: 245.000 Fahrzeuge; 2017: 190.000 Fahrzeuge). Mehr als 12.000 davon fuhren zu schnell. Die Quote der Verstöße liegt damit bei 3,92 Prozent. Dieses Ergebnis fällt etwas besser aus, als in den vergangenen Jahren (2018: 4,3 Prozent; 2017: 5 Prozent).

Innenminister zeigt sich zufrieden

Innenminister Peter Beuth (CDU) zeigte sich zufrieden. "Das Ergebnis des diesjährigen Speedmarathons zeigt, dass sich mehr Verkehrsteilnehmer als in den Vorjahren in Hessen an die vorgegebenen Geschwindigkeiten hielten und die Aktion alle Bürgerinnen und Bürger für das Thema Geschwindigkeit sensibilisiert hat."

Die Polizei selbst hatte auch noch eine andere Erklärung: "In Mittel-, Nord- und Osthessen hat es geregnet, vermutlich hat das zu verhältnismäßig weniger Verstößen geführt", erklärt Polizeisprecher Guido Rehr.

Sieben Autofahrer auf B7 geblitzt

Einige der Verstöße ragen heraus: auf der A480 beim Reiskirchener Dreieck fuhr ein Autofahrer 149 km/h statt 80. In der Innenstadt von Wiesbaden wurde ein Autofahrer mit 92 km/h geblitzt, erlaubt ist dort Tempo 50. Im Lahn-Dill-Kreis fuhr ein LKW 92 km/h statt 60. In Wabern (Schwalm-Eder) raste auf der B253 ein Auto mit 139 km/h durch eine 70er-Zone.

Besonders beliebt bei Rasern scheint die B7 in Vellmar (Kassel) zu sein: allein sieben Autofahrer wurden dort geblitzt und bekommen demnächst Post von der Bußgeldstelle. Einer fuhr statt Tempo 100 satte 179 Sachen, die anderen fuhren etwa 40 km/h zu schnell.

Mit dem Schulbus durch die Tempo 30-Zone gedonnert

Besonders bemerkenswert ist ein Fall aus der Wetterau: Eine Schulbus-Fahrerin donnerte in Büdingen mit 60 km/h durch eine 30er Zone - die Schulkinder saßen hinten drin.  Insgesamt 151 Verkehrsteilnehmer müssen nun mit Fahrverboten rechnen (mehr als 40 km/h zu schnell), 2.000 Fahrer müssen mit Bußgeldern zwischen 70 und 120 Euro und Punkten (21-40 km/h zu schnell) und 10.000 Verkehrsteilnehmer mit einem Verwarnungsgeld von 35 Euro (bis 20 km/h zu schnell) rechnen.

Noch eine Sache ist der Polizei aufgefallen: im Kreis Offenbach fuhren zwar auffällig wenige Verkehrsteilnehmer zu schnell, dafür aber viele mit dem Handy am Ohr. 

Bei dem europaweiten Blitzer-Marathon wurden am Mittwoch waren zwischen 6 und 22 Uhr rund 700 Polizisten eingesetzt, außerdem viele kommunale Verkehrsüberwacher. Die Kontrollen wurden an rund 260 Messstellen durchgeführt, viele von ihnen gelten als Unfallschwerpunkt. Dabei wurde modernste Technik eingesetzt, zum ersten Mal auch ein völlig autark arbeitender "Enforcement Trailer". Dieser Geschwindigkeitsmessanhänger sendet die Daten direkt an die Bußgeldstelle.

Raserei Todesursache Nummer eins auf Hessens Straßen

Das Ziel des Blitzermarathons war laut Polizeisprecher Rehr, auf die besonderen Gefahren von Geschwindigkeitsunfällen hinzuweisen, "damit das Leben ein bischen sicherer wird." Die Wirkung zeige sich deutlich – bis zwei Wochen nach dem Speedmarathon würden Autofahrer weniger rasen.

Und deshalb wird es auch im nächsten Jahr einen Blitzeraktionstag geben: erhöhte Geschwindigkeit ist laut dem aktuellen Straßenverkehrsbericht 2018 immer noch Todesursache Nummer eins auf Hessens Straßen. 239 Menschen sind im vergangenen Jahr auf den Straßen des Landes ums Leben gekommen, 81 von ihnen bei sogenannten Geschwindigkeitsunfällen.

Sendung: hr-iNFO, 04.04.2019, 16.20 Uhr