Kita Kinder Niederaula
Fast 200 Menschen haben sich an der Suchaktion nach den vermissten Mädchen aus der Kita in Niederaula (re.) beteiligt. Bild © osthessen-news.de

Einen Tag nach der Suchaktion nach drei Kindern im Wald bei Niederaula sind einige Fragen offen - zum Beispiel, wer den Einsatz bezahlt. Warum die Mädchen verschwunden sind, ist hingegen nun bekannt geworden.

Für fast sechs Stunden waren die drei Mädchen aus der evangelischen Kita in Niederaula wie vom Erdboden verschluckt. Eine dramatische Zeit für die Eltern, die zuständigen Erzieherinnen und die suchenden Polizeikräfte. Nur die verschwunden vierjährigen Kinder bekamen von der Aufregung wenig mit: Sie hätten "den schönsten Waldtag ihres Lebens" gehabt, sagte Kita-Leiterin Doris Krotzky am Dienstag dem hr.

"Echt? Cool!"

Alles hätte damit angefangen, dass eines der Mädchen bei einem der regelmäßigen Ausflüge in den Wald an eine Brennessel gekommen sei. Die beiden anderen Mädchen trösteten die "Verletzte" daraufhin, und als sie wieder aufsahen, waren die 20 anderen Kinder und die Erzieherinnen weg. So hätten es die Mädchen der Kita-Leiterin geschildert. Die drei hätten die Aufregung um sie gar nicht mitbekommen, sondern sich eher über den Hubschraubereinsatz gefreut, als sie davon erfuhren: "Echt? Cool!"

Rund 200 Einsatzkräfte von Polizei, Freiwilliger Feuerwehr, Förstern und Waldarbeitern sowie Eltern hatten am Montag nach den Kindern gesucht. Auch ein Hubschrauber und Spürhunde wurden eingesetzt. Ein Hobby-Jäger fand sie Stunden später etwa fünf Kilometer vom Ort des Verschwindens entfernt in einem Waldstück in Beiershausen bei Bad Hersfeld.

Aufsichtspflicht verletzt?

Während das Kita-Personal einfach nur erleichtert ist, stellen sich der Polizei vor allem zwei Fragen: Gab es auf Seiten der Erzieherinnen ein Fehlverhalten mit Blick auf die Aufsichtspflicht? Und muss eventuell jemand für die Kosten der großen und teuren Suchaktion aufkommen? Beides werde man prüfen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Hinweise auf eine Straftat - dass zum Beispiel ein Unbekannter die Kinder von der Gruppe weglockte - gebe es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Auch in der Kita hat der Vorfall Konsequenzen. Man sei zwar erleichtert, dass von Seiten der Eltern keine Vorwürfe gegen die Erzieherinnen erhoben wurden. Alle waren laut Leiterin Krotzky einfach nur froh, dass das Drama ein gutes Ende nahm. Die Waldtage, die die Kita vor 20 Jahren eingeführt hat, werde es aber "auf unbestimmte Zeit nicht mehr geben".

Sendung: hr3, Die Kate Menzyk Show, 08.05.2018, 13.30 Uhr