Fahndungsfoto nach Gaffer bei schlimmem Busunfall in Wiesbaden

Erstmals hat die Polizei mit Fahndungsfotos nach einem Gaffer gesucht - erfolgreich. Der junge Mann soll Bilder von dem tödlichen Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof ins Netz gestellt haben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gaffer stellt sich der Polizei

Collage: Busunfall vor dem Hauptbahnhof in Wiesbaden
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Nachdem die Ermittler am Dienstag Fotos eines jungen Mannes veröffentlicht hatten, der nach dem tödlichen Busunfall im November in Wiesbaden Aufnahmen von Verletzten gemacht und ins Netz gestellt haben soll, meldete sich noch am selben Tag ein 17-Jähriger auf einem Polizeirevier. Weil die Polizei davon ausgeht, dass es sich bei dem Jugendlichen tatsächlichen um den gesuchten Gaffer handelt, hat sie die Fahndung am Mittwoch zurückgezogen.  

Dem 17-Jährigen wird laut Staatsanwaltschaft Wiesbaden vorgeworfen, Bilder vom Unfallort in Wiesbaden veröffentlicht und somit die Hilflosigkeit der betroffenen Menschen auf entwürdigende Weise zur Schau gestellt zu haben. Die Ermittler beschlagnahmten das Smartphone des Verdächtigen, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Das werde jetzt von Fachleuten der Wiesbadener Kriminalpolizei ausgewertet. Im Falle einer Verurteilung erwartet ihn eine Geld- oder sogar eine Haftstrafe.

"Wir drehen den Spieß einfach um"

Erstmals überhaupt hatte die hessische Polizei öffentlich nach einem Gaffer gefahndet. Damit hob sie den Kampf gegen Gaffer auf ein neues Level. "So eine Öffentlichkeitsfahndung gab es noch nie", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen dem hr am Dienstag. Damit habe man bewusst ein Statement setzen wollen. "Wir drehen den Spieß einfach um." Wie zuvor die gefilmten Opfer sei nun der mutmaßliche Täter den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt worden.

Dafür war intensive Ermittlungsarbeit notwendig, wie der Sprecher sagte. Man habe die Aufnahmen aus diversen Kameras in Bussen mit den Aufnahmen im Netz abgeglichen und so den mutmaßlichen Gaffer ausmachen können. Auf den Videos sei zudem zu erkennen, dass der Filmende sogar andere Personen abgedrängt habe, um seine Aufnahmen zu machen.

Gaffer behindern durch ihr rücksichtsloses Verhalten oft nicht nur Rettungskräfte und gefährden somit die Gesundheit von Menschen, wie die Polizei betont. Durch das Fotografieren oder Filmen von Opfern verletzten sie auch die Würde der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Bereits im Dezember konnte die Polizei einen 38 Jahre alten Mann aus Wiesbaden identifizieren, der ebenfalls Aufnahmen von dem Busunfall mit einem Toten und 28 Verletzten gemacht haben soll. Die Beamten beschlagnahmten sein Handy und stellten Strafanzeige. Auch bei einem Lkw-Unfall in Frankfurt, bei dem im Dezember ein Radfahrer getötet wurde, fotografierten Gaffer das Opfer. Die Polizei erstattete Anzeige.

Sendung: hr1, 15.01.2020, 12.50 Uhr