Polizeibeamter in einem Streifenwagen mit Action-Cam
Polizeibeamter in einem Video-Streifenwagen mit Action-Cam Bild © picture-alliance/dpa

Die Zahl der Verkehrstoten in Hessen sinkt. Aber Raser, Handy-Nutzer im Blindflug und andere unbelehrbare Verkehrsteilnehmer bereiten der Polizei zunehmend Sorgen. Gegen Rettungsgassen-Muffel erhöht sie jetzt den Druck.

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Zu schnelles Fahren: Bei jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall auf hessischen Straßen war das im vergangenen Jahr eine der Hauptursachen. Und auch jeden vierten Crash mit Schwerverletzten haben Raser verursacht oder mitverursacht. So steht es in der Verkehrsunfallstatistik, die Landespolizeipräsident Udo Münch und Innenminister Peter Beuth (CDU) am Freitag in Wiesbaden vorstellten.

In dem Papier geht es unter anderem um die Unfallursachen, neue Möglichkeiten der Kontrolle und vor allem um die Verkehrsmoral. Gerade an ihr mangele es zunehmend. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Videostreifen gegen Moralverfall: Nach Einschätzung von Beuth und Münch sind Respekt und Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf dem Rückzug. So hielten Gaffer mitten auf der Fahrbahn, um schwere Unfälle zu fotografieren. Oder sie behinderten die Rettung, um schneller ans Ziel zu kommen. Zwölf Streifenwagen verfügen nun über hochauflösende Heck- und Frontkameras. Damit können die Beamten auf dem Weg zum Einsatzort im Vorbeifahren dokumentieren, wenn unbelehrbare Fahrer die Rettungsgasse missachten.
  • Weniger Verkehrstote: Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Verkehrstoten auf 213. Das sind so wenige Menschen wie nie zuvor seit Beginn der Statistik - und 2017 starb erstmals kein einziges Kind bei einem Verkehrsunfall. Die Entwicklung führt die Polizei auch auf die schnellen Rettungsketten zurück. Außerdem gebe es in modernen Autos mehr Sicherheitssysteme für die Insassen.
  • Mehr Unfälle: Die Gesamtzahl aller Unfälle wächst allerdings in Hessen seit 2014 stetig. Sie kletterte 2017 auf 150.014. Das ist vor allem eine Folge des zunehmenden Verkehrs mit mehr Pkw und Lkw auf den Straßen. Außerdem sind laut Beuth mehr Fahrzeuge aus dem Leasing-Segment oder dem Car-Sharing unterwegs. Hier würden wegen der Vorgaben der Versicherer oft auch Bagatellunfälle bei der Polizei angezeigt.
  • Unfallursachen: Mehr als die Hälfte aller Unfälle mit Toten und Verletzten gehen nach den Worten von Landespolizeichef Münch auf drei Ursachen zurück: zu geringer Sicherheitsabstand, missachtete Vorfahrt und eben zu hohe Geschwindigkeit. Um besonders an gefährlichen Stellen Raser zur Verantwortung ziehen zu können, hat inzwischen jedes Polizeipräsidium Blitzer-Anhänger, um unkompliziert den Einsatzort wechseln zu können.
  • Mit dem Handy auf Blindflug: Das Handy am Steuer ist nach den Worten des Polizeichefs "nach wie vor ein Punkt, der uns Sorge bereitet". Wer bei 80 km/h nur eine Sekunde nicht auf die Straße schaue, sei 22 Meter im Blindflug unterwegs. Es gibt keine Statistik, aber ein Indiz dafür, dass an vielen Unfällen der Blick aufs Smartphone schuld ist: Die Zahl der Fälle steigt auffällig, bei denen Fahrer ohne erkennbaren Grund von der Straße abkommen, auffahren oder in den Gegenverkehr geraten. Bei Verdacht checkt die Polizei, ob ein Handy zum Zeitpunkt des Crashs online war.
  • Risikofaktor Motorradfahren: Jeder vierte Unfalltote 2017 war ein Motorradfahrer. Hier ist die Entwicklung traurig: Im vergangenen Jahr kamen 55 Motorradfahrer ums Leben, 2016 waren es 48.

Sendung: hr-iNFO, 23.03.2018, 12.00 Uhr