Zerstörte Bushaltestelle nach dem Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof

Vor einem Monat fuhr ein Linienbus quer über die Ringstraße vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof. Er rammte Autos, ein Mann starb. Noch immer sind die Ermittler dabei, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Möglicherweise machte der Fahrer einen schlimmen Fehler.

Auch einen Monat nach dem verheerenden Busunfall vor dem Hauptbahnhof Wiesbaden rätselt die Polizei über die Unfallursache. Am Nachmittag des 21. November fuhr der 65 Jahre alte Fahrer eines Linienbusses am Bussteig am Ende der Bahnhofstraße. Anstatt dann wie vorgeschrieben nach rechts in den Kaiser-Friedrich-Ring abzubiegen, fuhr er geradeaus in Richtung Bahnhofsgebäude und querte die jeweils mehrspurigen Fahrbahnen.

Dabei stieß er mit einigen Autos zusammen, fuhr über einen Grünstreifen und erfasste Wartende an einer Bushaltestelle, darunter einen 85-Jährigen. Der Mann erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Außer ihm wurden 23 weitere Menschen verletzt.

Keine Hinweise auf Absicht

Ein Sprecher der Polizei sagte am Freitag auf Nachfrage zur möglichen Unfallursache: "Menschliches Versagen ist nicht auszuschließen." Der Busfahrer könnte also einen fatalen Fehler gemacht haben. Warum der 65-Jährige seine Geisterfahrt nicht sogleich abbrach, sondern erst von einem Wartehäuschen jenseits der vielbefahrenen Straße gestoppt wurde - unklar.

Der Busfahrer verweigert bislang die Aussage, wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn bestätigt. Gesundheitliche Probleme habe er nicht gehabt. Dass der Mann mit Absicht gehandelt haben könnte, "dafür haben wir keine Hinweise gefunden", sagte der Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft am Freitag.

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64 Unfallopfer und Zeugen müssen vernommen werden

Die Staatsanwaltschaft wartet auf das technische Gutachten. "Das kann dauern, denn wir haben hier einen richtig großen Unfallort", sagte der Polizeisprecher. Auch das Unfallfahrzeug wird weiter untersucht. Spezialisten säßen an dem Gutachten, das aber wohl erst in einigen Woche vorliegen dürfte, so der Polizeisprecher.

Verzögert wird eine Klärung des Unfallhergangs auch durch die große Zahl an sogenannten Verfahrensbeteiligten. Damit sind die Insassen in den betroffenen Fahrzeugen und die Zeugen vor Ort gemeint. 64 Vernehmungen muss die Polizei führen, und die sind noch nicht abgeschlossen. Zum Teil müssen die Beamten im Wiesbadener Präsidium andere Dienststellen um Amtshilfe bitten, weil die Zeugen andernorts wohnen. Oberstaatsanwalt Kuhn will lieber keine Prognose abgeben, wann Näheres zur Unfallursache feststeht.