Super-Recogniser guckt sich Bilder auf PC an

Bei der Frankfurter Polizei suchen schon mehr als 40 Mitarbeiter mit ihrem besonderen fotografischen Gedächtnis nach Verbrechern. Nun sollen sie in ganz Hessen zum Einsatz kommen.

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So arbeiten die Super-Recogniser

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Vanessa Stein war gar nicht bewusst, dass sie über eine besondere Begabung verfügt. Sie dachte sich wenig dabei, als sie im Biergarten einen Mann wiedererkannte, mit dem sie es sieben Jahre zuvor während ihres Praktikums bei der Polizei beruflich zu tun gehabt hatte. Mittlerweile ist die Kriminalkommissarin eine von zwei hauptamtlichen Super-Recognisern bei der Frankfurter Polizei.

Den Eignungstest für diesen Job absolvierte Stein vor zwei Jahren auf gut Glück im Frankfurter Polizeipräsidium. Dabei stellte sich heraus: Stein gehört zu den etwa zwei Prozent der Menschen, die sich Gesichter sehr gut und über sehr lange Zeit merken können. Insgesamt nahmen rund 1.000 Teilnehmer an dem Test teil, 45 Männer und Frauen fielen durch eine besondere Gesichter-Merkfähigkeit auf.

Hinzu kommt die die Fähigkeit, Menschen in einem ganz anderen Umfeld wieder zu erkennen - auch dann, wenn sich die Person äußerlich stark verändert hat, sei es durch Alterung oder vollkommene Typveränderung.

Alle Präsidien hoffen auf Adler-Augen

Diese angeborene Fähigkeit will sich die hessische Polizei nun flächendeckend zunutze machen. Wie Innenminister Peter Beuth (CDU) bei einer Präsentation der Super-Recogniser im Frankfurter Polizeipräsidium erklärte, sollen ab Herbst Mitarbeiter in den anderen sechs Polizeipräsidien an freiwilligen Tests teilnehmen können.

Die Erfahrungen aus dem Frankfurter Projekt haben demnach gezeigt, dass sich die Suche lohnt. Neben den zwei hauptamtlichen Super-Recognisern arbeiten auch die anderen 45 "Adleraugen" in Frankfurt "nebenamtlich" mit ihrem fotografischen Gedächtnis: nicht nur Vollzugsbeamte, sondern auch Angestellte der Verwaltung.

Bei Protesten im Dannenröder Forst eingesetzt

Die Fähigkeiten könnten bei täglichen Ermittlungen, in der Fahndung oder auch bei Veranstaltungen und Versammlungen wichtig sein. "Insbesondere bei Bildmaterial von schlechter Qualität liefern sie einen wertvollen, komplementären Baustein und stellen damit eine wichtige Unterstützung zur schnellen Aufklärung von Straftaten dar", erläuterte das Ministerium.

Erfolgreich waren Super-Recogniser dessen Angaben zufolge etwa bei der Festnahme eines Tatverdächtigen am Frankfurter Hauptbahnhof. Der Mann habe versucht, eine Person mit dem Messer zu töten. Ein Super-Recogniser erkannte ihn aufgrund von Bildern aus einer Sicherheitskamera in der Bilddatenbank der Polizei wieder.

Auch bei den teilweise gewaltsamen Protesten gegen den Ausbau der A49 im Dannenröder Forst kamen die Super-Recogniser zum Einsatz. Von den 410 festgestellten Einzeltätern erfolgten laut Innenministerium 131 Identifizierungen durch die Wiedererkennung der Super-Recogniser.

Tests online und kostenlos möglich

Das Testverfahren der hessischen Polizei wurde von Experten der britischen Universität Greenwich entwickelt. Wer selbst seine Fähigkeiten als Super-Recogniser testen will, kann das kostenlos online machen - sollte aber eines wissen: Super-Recogniser haben nie Feierabend.

Kriminalkommissarin Stein ist es schon passiert, dass sie in ihrer Freizeit einen mutmaßlichen Verbrecher von der Fahndungsliste erkannt hat. "Dann habe ich die Kollegen angerufen, damit die die Personalien überprüfen."

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