Beschlagnahmtes Marihuana der Polizei Stuttgart
Ein Teil des beschlagnahmten Marihuanas im Kofferraum eines Polizeiautos. Bild © Polizeipräsidium Stuttgart

Die Kriminalpolizei hat mutmaßliche Drogendealer festgenommen - einer davon war ein hessischer Polizeianwärter. Er sitzt in U-Haft. Es ist der vierte Fall innerhalb von zwei Jahren, in dem ein angehender Polizist auf Abwege geriet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Polizeianwärter wegen Drogenschmuggel gefeuert

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Die Menge der beschlagnahmten Drogen passte kaum in das Auto der Polizei: 30 Kilogramm Marihuana, ein Kilogramm Kokain und 100.000 Euro Bargeld stellte die Kriminalpolizei bei einem Einsatz in Stuttgart sicher. Dabei führt eine brisante Spur nach Hessen: Unter den fünf festgenommenen mutmaßlichen Drogendealern war ein hessischer Polizeianwärter, wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Anfrage des hr bestätigte. Der seit 2017 eingestellte Polizeianwärter wurde inzwischen nach Angaben der hessischen Polizeiakademie wegen des Verdachts des Drogenschmuggels fristlos entlassen.

Drogenkurier fährt nach Panne mit Abschleppunternehmen weiter

Schon lange hatten die baden-württembergischen Ermittler eine Gruppe um einen 26-Jährigen im Visier, wie ein Sprecher der Polizei am Freitag zu hessenschau.de sagte. Die Kriminalpolizei schlug am 10. April zu: Nach ihren Informationen erwarteten die Dealer in einem Geschäft in Stuttgart eine Lieferung aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Zwar hatte der Wagen, mit der ein 23-jähriger Fahrer die Drogen ins Schwäbische transportieren sollte, auf der A81 bei Ludwigsburg eine Panne. Doch er rief ein Abschleppunternehmen zu Hilfe, das den Wagen samt Drogen zu dem Stuttgarter Geschäft lieferte - und direkt in die Arme der wartenden Polizeibeamten.

30 Kilogramm Marihuana auf Ladefläche versteckt

Bei der Untersuchung des defekten Fahrzeuges entdeckten die Ermittler auf der Ladefläche ein Versteck mit 30 Kilogramm Marihuana. Bei der Durchsuchung der Stuttgarter Wohnung des 26-Jährigen fanden die Kriminalbeamten ein Kilogramm Kokain und mehrere tausend Euro Bargeld. In dem Geschäft entdeckten die Beamten rund 100.000 Euro. Sie vermuten, dass das Geld für den Kauf der 30 Kilogramm Marihuana vorgesehen war.

Die Polizei nahm neun Männer im Alter von 22 bis 27 Jahren und eine Frau im Alter von 26 Jahren fest. Sie stehen im Verdacht, in den vergangenen Monaten die Szene in Stuttgart mit Marihuana versorgt zu haben. Fünf der zehn Festgenommenen sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die anderen fünf Verdächtigen, zwei 23-Jährige, zwei 26-Jährige und ein 27-Jähriger sitzen in Untersuchungshaft. Einer dieser fünf in U-Haft ist der hessische Polizeianwärter.

Innenministerium will sich nicht äußern

Details zu dem Mann wollten die Stuttgarter Polizei und Staatsanwalt nicht mitteilen. Auch das Innenministerium in Wiesbaden war am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit.

Das Land hatte vor zwei Jahren die Auswahlkriterien für Polizeianwärter in Hessen verschärft, nachdem ein Anwärter in eine tödliche Messerstecherei in Wiesbaden verwickelt war.

Sendung: hr-iNFO, 03.05.2019, 16 Uhr

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Chronik von Polizeianwärter-Skandalen

Februar 2019 – Polizeianwärter soll Grillparty-Gäste mit Messer bedroht haben: Partygäste in Lollar (Gießen) riefen die Polizei zu Hilfe, weil ein 21-Jähriger die Anwesenden bei der Feier an einer Grillhütte im Wald zuerst mit einem abgebrochenen Flaschenhals und dann mit einem Butterfly-Messer bedroht hatte. Laut Polizei stellte sich heraus, dass der Verdächtige betrunken war und sich in der Ausbildung zum Polizeibeamten befand. Gegen den Mann wurden strafrechtliche und dienstrechtliche Maßnahmen eingeleitet.

Juni 2018 - Polizeianwärter bei Randalen festgenommen: In Darmstadt kam es nach Ende des Schlossgrabenfests zu Randalen gegen die Polizei, 112 Menschen wurden festgenommen. Einer von ihnen war ein 22-jähriger Polizeikommissar-Anwärter. Er soll sich nicht an den Randalen beteiligt haben, aber versucht haben, seinen Polizeistatus dafür zu nutzen, um festgenommene Freunde zu befreien. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Gefangenenbefreiung ermittelt.

Juni 2017 - Polizeianwärter ist Mittäter bei tödlicher Messerattacke: Als ein 19-Jähriger in der Wiesbadener Innenstadt durch einen Stich ins Herz getötet wurde, war auch ein Polizeianwärter anwesend. Er wurde später als Mittäter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass er bereits polizeilich bekannt war wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung. Als Konsequenz aus diesem Fall reformierte das Innenministerium seine Einstellungsverfahren für Polizisten - der Mann wurde fristlos entlassen.

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