Polizeiwagen Mörfelden
Polizei am Ort der tödlichen Schüsse in Mörfelden. Bild © Einsatzreport-Südhessen.de

Eine Woche nach den tödlichen Schüssen auf einen 19-Jährigen in Mörfelden ist klar: Die Polizisten gaben sehr viele Schüsse auf den mutmaßlichen Räuber ab - mindestens acht Kugeln trafen den Mann, eine davon war tödlich.

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zum Video Polizisten schossen 25 Mal auf 19-Jährigen

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Insgesamt 25 Schüsse haben Polizisten am vergangenen Samstag in Mörfelden (Groß-Gerau) auf einen 19-Jährigen abgegeben. Acht davon trafen - eine Kugel durchschlug den Oberkörper und tötete den Mann. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt am Freitag auf Anfrage von hessenschau.de. Zuvor hatten Darmstädter Echo und Frankfurter Rundschau über die Zahl der Schüsse berichtet.

Der Mann soll um kurz nach Mitternacht zuerst einen 24-Jährigen beraubt und dann mit einem Messer verletzt haben. Fünf Streifenbeamte stellten den mutmaßlichen Räuber, der weiter mit einem Messer bewaffnet war. Drei der Polizisten gaben die Schüsse ab, gegen sie ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Der Verdacht lautet Totschlag. Das Verfahren ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn Polizisten im Dienst feuern.

Die Beschuldigten haben sich noch nicht geäußert

"Der Tatablauf ist noch rein spekulativ", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Wir untersuchen: Was hat der 19-Jährige gemacht, bestand eine Gefahrensituation, wie nah war er an den Polizisten dran?" Es sei zwar ein Routinevorgang, den die Staatsanwaltschaft aber sehr ernst nehme - "gerade weil so viele Schüsse abgegeben wurden".

Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Bisher wurde nur ein Polizist vernommen, der vor Ort war, aber keine Schüsse abgab. Die drei Beschuldigten haben sich noch nicht geäußert, es ist auch unklar, ob sie das noch tun werden. Auch der 24-Jährige, dem der 19-Jährige den Rucksack geklaut hatte, wurde noch nicht vernommen.

Ermittlungen können lange dauern

Dementsprechend dünn ist bislang das Bild der Ermittler. Sie hoffen nun auf Erkenntnisse des Landeskriminalamts auch dazu, welcher Polizist wie oft geschossen hat und wessen Kugeln den 19-Jährigen trafen. Oft komme es beispielsweise vor, dass Angeschossene auf die Schüsse nicht reagieren und die Polizisten daher erneut feuern. Die Ermittlungen können einige Monate dauern.

Bereits wenige Tage zuvor war in Alsfeld (Vogelsberg) ein Mann von einem Polizisten erschossen worden. Der 54 Jahre alte Betrunkene hatte am Montagabend in seinem Haus mit scharfer Munition geschossen und sich von den Beamten nicht beruhigen lassen. Bei einem Schusswechsel auf der Straße wurde er anschließend tödlich verletzt.