Die Polizei, dein Freund und Babysitter: Während eine alleinerziehende Mutter mit einsetzenden Wehen ins Krankenhaus muss, schaukeln die Beamten im nordhessischen Vöhl ihren zweijährigen Sohn in den Schlaf.

Kinderbetreuung zählt nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen der Polizei.

Dass die Polizei Hilfe leisten muss, wenn die Wehen einsetzen, hat man schon gehört. Meistens geht es um sicheres Geleit für die werdende Mutter ins Krankenhaus. Blaulicht an, Vorfahren, Weg frei machen. Etwas anders gestaltete sich jedoch die Hilfestellung, die Polizeibeamte am späten Freitagabend in Vöhl (Waldeck-Frankenberg) leisten mussten. Hier ging es darum, das Kind zu schaukeln - im wahrsten Sinne des Wortes.

Spontane Notbetreuung

Gegen 23 Uhr erreichte ein Notruf die Leitstelle im Kreis. Eine 26-Jährige alleinstehende Frau meldete, dass bei ihr die Wehen eingesetzt hätten. Soweit ein Routineeinsatz für Notarzt und Krankenwagenbesatzung. Als sie jedoch vor Ort eintrafen, ergab sich ein weiteres Problem: Denn während die Frau in die Geburtsklinik nach Kassel gebracht werden sollte, war niemand zur Stelle, um den zweijährigen Sohn der Gebärenden zu hüten.

Eine Freundin, die eigentlich auf das Kind aufpassen sollte, sei nicht zu erreichen gewesen, schildert die Polizei am Samstag die Situation. Bei Einsetzen der Wehen habe die Mutter zwar noch ihren Bruder benachrichtigen können, der allerdings musste aus Niedersachsen anreisen. So erklärten sich Polizeibeamte bereit, das Kind bis zu dessen Eintreffen zu betreuen.

Offenkundig mit Erfolg. Denn nach Angaben der Polizei schlief der Zweijährige kurz darauf friedlich ein. Kurze Zeit später traf dann auch die ursprünglich für die Kinderbetreuung eingeplante Freundin ein, die alles weitere übernahm. Wie indes die Geburt des zweiten Kindes verlief, konnte die Polizei aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht mitteilen.