"Hünxe, Solingen, Halle und jetzt Hanau": Verschiedene Zeitungen fordern nach der Gewalttat von Hanau einen "massiven Abwehrkampf gegen die Bedrohung von rechts", wie die FR schreibt. Die Pressestimmen.

Pressestimmen Hanau Zeitungen

Nach dem Anschlag von Hanau mit insgesamt elf Toten haben wir Pressestimmen aus verschiedenen Zeitungen zusammengestellt. Aktuelle Meldungen finden Sie in unserem Liveticker.

Hanauer Anzeiger

"Hünxe, Solingen, Halle und jetzt Hanau. Die Brüder-Grimm-Stadt wird jetzt in einem Atemzug genannt mit Orten, an denen in Deutschland Menschen aus rassistischen Gründen ermordet wurden. Von heute an gilt auch in unserer Stadt der Satz: Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Hanau ist von jetzt an nicht mehr nur der Geburtsort der bekannten Märchensammler, sondern auch der Tatort eines unfassbaren Verbrechens, mit dem wir leben müssen. (…) Wir müssen zeigen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keine Chance hat. Wir müssen dafür sorgen, dass auf unserem Boden die Saat gar nicht erst aufgehen kann. Das fängt im Kleinen an: in der Schule, im Verein, bei der Arbeit. Achten Sie aufeinander! Achten Sie auf das Miteinander! Wir alle müssen alles dafür tun, dass in der Aufzählung die Stelle nach Hanau für immer leer bleibt."

Frankfurter Rundschau (FR)

"Es ist daher notwendig, endlich einzusehen, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr für die Menschen in diesem Land ist. Denn während rechte Terroristen morden, machen sich Rechtsradikale in den Parlamenten breit und bemühen sich nach Kräften, die Demokratie zu beschädigen. Und teils gelingt ihnen das auch, siehe Thüringen. Was es daher jetzt braucht, ist ein massiver Abwehrkampf gegen die Bedrohung von rechts. Dazu gehört, dass die Sicherheitsbehörden umdenken und sich noch stärker auf rechte Netzwerke konzentrieren müssen. Dazu gehört, dass die demokratischen Parteien alle Flirts mit der AfD einstellen und sich auf die Verteidigung der Demokratie konzentrieren müssen. Und dazu gehört, dass die Gesellschaft sich unmissverständlich dem Gift des Rassismus entgegenstellen muss. Viel zu lange haben viel zu viele die Gefahr von rechts ignoriert oder kleingeredet. Damit muss jetzt endlich Schluss sein!"

Hessische Niedersächsische Allgemeine (HNA)

"Es ist nicht allein die Hetze im Netz, die bei Menschen wie dem Attentäter von Hanau die letzten Skrupel beseitigt. Es ist auch deren Wahrnehmung eines gesellschaftlichen Klimawandels, die den Einzelgängern am rechten Rand Auftrieb verleiht. Wenn ein Faschist wie Björn Höcke in Thüringen mit seiner AfD-Landtagsfraktion die Wahl eines Ministerpräsidenten beherrschen und AfD-Vorsitzender Jörg Meuthen via Twitter den Anschlag von Hanau relativieren kann, dann sehen sich auch jene zum Handeln aufgerufen, deren Hass auf Ausländer, Juden und Andersdenkende sich bisher nur in Kommentarforen entlud."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)

"Ein Land steht still. In Berlin, Hamburg und vielen anderen deutschen Städten bekunden Bürger und Politiker ihre Erschütterung über den Massenmord von Hanau und ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer. (...) Erinnerungen an Attentate und Amokläufe werden wach, die ebenfalls aus heiterem Himmel gekommen zu sein schienen und Tod und Angst in den Alltag friedlicher Gesellschaften trugen. Doch die Bluttaten kommen nicht aus dem hellblauen Nichts, sondern aus der Hölle des Hasses, der Verblendung und des Wahns. (...) Es gibt keinen Terrorismus ohne Wahn. Auch Fremdenhass, der am Ende einer Radikalisierungsleiter zur Pistole greift, gehört dazu. Alle, die dieser Leiter mit "Umvolkungs"-Phantasien und anderer Hetze Sprossen hinzufügen, tragen eine Mitverantwortung, wenn der Wahn zu einer Wahnsinnstat führt. (...)"

Süddeutsche Zeitung (SZ)

"Synagogen und Moscheen müssen besser bewacht werden, solange die Gefährdung so groß ist. Zur Prävention gehört auch, dass vielschüssige Handfeuerwaffen nicht mehr von Privatleuten, auch nicht von Sportschützen, zu Hause aufbewahrt werden dürfen. Das ist kein Generalverdacht gegen Schützen, sondern die nötige Konsequenz aus etlichen Mordtaten. Staatliches Handeln aber reicht nicht aus. Jeder und jede Einzelne steht in der Pflicht. Das fängt bei schlechten Witzen an und hört bei widerspruchslosem Hinnehmen von Alltagsrassismus nicht auf. Man muss die Dinge klar benennen, zum Beispiel: Wer die AfD wählt, stellt sich selbst in die rechte Ecke, weil er auch die Rechtsextremisten wählt, die es in dieser Partei gibt. Dieses Land und seine Gesellschaftsordnung, seine Menschen, egal ob aus Kaufbeuren, Edirne oder Krakau stammend, sind es wert, dass seine Bürger sie verteidigen - vor allem gegen jene, die mit Wort und manchmal mit Mord die Zeit zurückdrehen wollen."

Sendung: hr-iNFO, 21.02.2020, 6 Uhr