Bildkombo Biber Sportplatz

Eine Biber-Familie legt seit Monaten den Spielbetrieb der Fußballer in Bad König lahm. Der Dammbau der Tiere überflutet den Sportplatz. Verein, Stadt und Naturschützer verzweifeln.

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zum hr-fernsehen.de Video Sportverein TSG in Bad König hat ein Biber-Problem

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Er ist durchnässt, teilweise steht er sogar ganz unter Wasser: Der Rasen auf ihrem Fußballfeld bereitet der Turn- und Sportgemeinde (TSG) in Bad König große Sorgen. Der Sportverein im Odenwaldkeis musste seinen Spielbetrieb auf dem Fußballfeld im Oktober vergangenen Jahres komplett einstellen.

Der Grund: Eine Biber-Familie hatte am nahe gelegenen Seitenarm der Mümling, einem Zulauf des Mains, zwei Staudämme gebaut - in unmittelbarer Nähe zum viel genutzten Fußballfeld des Vereins.

Vereinsalltag des TSG ist eingeschränkt

Dort staue sich seitdem das Wasser, das freiliegende Drainage-System des Platzes sei mit der Wasserflut überfordert. Und zwar so sehr, dass die Fußballer im Verein keine Heimspiele mehr austragen könnten, erklärt Thomas Riedl von der TSG. Spiele würden nur noch auswärts stattfinden.

Die Lage für den Verein sei ernst: "Wenn dieser Platz in diesem Zustand noch ein halbes Jahr liegt, dann können wir den Rasen austauschen. Der verfault dann einfach von unten." Um vorerst Schlimmeres zu verhindern, seien drei Pumpen installiert worden, die rundum die Uhr arbeiteten.

TSG, Stadt und NABU einigen sich auf kurzfristige Maßnahme

Die Stadt, die zuständigen Naturschutzbehörden, der Naturschutzbund Odenwaldkreis (NABU) und der BUND Odenwald beschäftigen sich mittlerweile mit dem Biber-Problem der TSG. Im Rahmen eines Runden Tisches wurde am Freitagnachmittag ein weiteres Mal über die Zukunft der Biber-Familie gesprochen - und eine kurzfristige Lösung gefunden.

Eine Absenkung der Staudämme soll vorerst Abhilfe schaffen. "Damit versuchen wir, die Drainage des Platzes wieder freizulegen, sodass das Wasser besser ablaufen kann. Natürlich ohne die Biberhöhle zu beschädigen", sagt Riedl vom TSG.

Am 13. März treffen sich die Vertreter des Runden Tisches erneut. "Dann werden wir sehen, ob die Maßnahme ausreichend ist oder ob noch mehr getan werden muss."

Biber-Problem ist schwer (kostengünstig) zu lösen

Eine einfache Lösung für das Problem gibt es nicht. Eine Umsiedlung der Tiere kommt nicht infrage. Natur- und Artenschutz verbietet es, die fünf ansässigen Biber aus ihrer Umgebung zu entfernen und zu verlegen.

Dies würde auch nichts bringen, sagt Martina Limprecht vom NABU: "Eine Umsiedlungsaktion wäre ein dramatischer Eingriff für die Tiere und hätte nur zur Folge, dass dieses freigewordene ideale Revier von dem nächsten Biber, der hier am Rand wartet, wieder besetzt wird."

Als Ideallösung im Sinne aller Verhandlungsparteien war außerdem eine Entwässerungsleitung im Gespräch. Doch die sei zu teuer, erklärt der parteilose Bürgermeister Axel Muhn: "Wenn das Pumpen nicht ausreicht, um das Wasser dauerhaft von dem Platz wegzubringen, müssen wir eine Entwässerungsleitung bauen. Das kostet uns Geld, das wir eigentlich nicht haben." Es handele sich dabei um eine Investition im sechsstelligen Bereich.

Vereinsmitglieder treten bereits aus

Thomas Riedl sieht durch die Biber sogar die Existenz der TSG bedroht. Einige Fußballer hätten den Verein wegen der Biber-Situation bereits verlassen. Die Fußballabteilung mache rund 35 Prozent des Vereins aus.

Somit sei die Abteilung überlebenswichtig: "Wenn wir diese Sparte - aus welchen Gründen auch immer - verlieren, bedeutet das herbe Einnahmeverluste für die TSG und sehr wahrscheinlich auf lange Sicht auch die Schließung des Vereins."

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 29.01.2020, 18 Uhr